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Aktenauszüge über die Sammlung für die zu Buchpöllnitz abgebrannten Einwohner.

Amtsvermerk vom 19.06.1851:

In der Direktion des Großherzoglichen Direktors des V. Verwaltungsbezirks zu Neustadt/O. erschien heute der Bürgermeister Christoph Henschel zu Oberpöllnitz und berichtete:
Gestern Nachmittag sind in Buchpöllnitz 3 Häuser abgebrannt, deren Besitzer sehr arme Leute sind und denen eine Unterstützung Not tut. Die Abgebrannten sind:
1. Der Tagelöhner Franz Wander, der verheiratet ist und 2 Kinder hat. Vermögen hat er aber nicht, sondern vielmehr eine Schuld von ca. 200 M auf dem abgebrannten Haus. Von seinen Habseligkeiten sind die meisten Sachen verbrannt, auch die wenige Leibwäsche. Wander hatte sein Haus erst vor 2 Jahren neu erbaut und war dadurch in Schulden gekommen.
2. Der Tagelöhner Karl Scheibe, ledigen Standes, der erst vor kurzem sein Häuschen von seinem älteren Bruder Gottlob Scheibe mit dessen Erbegeldschuld von ca. 100 M übernommen hatte und nun fast nichts retten konnte.
3. Der Zimmermann Geselle Johann Gottlob Hänse, der verheiratet ist und 6 Kinder hat. Bei ihm ist die Not am größten. Seine Frau ist gebrechlich, Schmalhans im Hause und auch ihm ist fast alles verbrannt. Auch sogar die Ziege, die zur Erhaltung der Familie mit beitragen musste. Ebenso hat auch Hänse eine namhafte, nicht bekannte Schuld auf seinem Haus.
Zur Not kommt noch hinzu, dass die Frau Hänse als Näherin zu Hause arbeitet. Deshalb hatte sie verschiedene fremde Näharbeiten im Haus und diese Sachen sind nun ebenfalls mit dem Brand verloren.
Ohne wesentliche Unterstützung werden die genannten Einwohner kaum im Stande sein, wieder auf die Beine zu kommen. Deshalb möchte ich den Herrn Bezirksdirektor höflichst bitten, einen öffentlichen Aufruf an die Mildtätigkeit der Menschen zu erlassen, um den Abgebrannten unverzüglich aufhelfen zu können.
Christoph Henschel - Bürgermeister zu Oberpöllnitz

Auszug aus der „Weimarischen Zeitung“ Nr. 92 vom 21.06.1851:
Bitte! Am 18. Juni, nachmittags, sind zu Buchpöllnitz 3 Wohngebäude samt dem größten Teil der darin befindlich gewesenen Habseligkeiten der an sich armen Bewohner ein Raub der Flammen geworden. Die Not der Abgebrannten ist groß und ohne die Beihilfe mildtätiger Menschen werden dieselben nicht im Stande sein, sich nur die aller notwendigsten Lebensbedürfnisse zu beschaffen. Geschweige sich ihre mit Schulden belasteten Wohnhäuser wieder aufzubauen.
Ich bitte daher recht dringend um milde Gaben für die Notleidenden. Zu gegebener Zeit werde ich über die Verwendung der eingegangenen Unterstützungen öffentlich Rechnung ablegen. Die Empfangnahme der Spenden erfolgt durch meine Person und auch der Gemeindevorstand zu Oberpöllnitz ist dazu bereit.
Neustadt/O., den 19.06.1851 - Hugo Müller (Direktor des V. Verwaltungsbezirks des Neustädter Kreises)

Beschluss des Direktors des V. Verwaltungsbezirks zu Neustadt/O. vom 8.07.1851
Herr Bezirksdirektor Hugo Müller gibt zu Protokoll:
Den vom Brandunglück betroffenen Personen ist es überlassen worden, ihren Schaden selbst zu taxieren. Infolgedessen wurde von den Beteiligten folgende Schadensumme angegeben:
1. Von dem Tagelöhner Franz Wander ca. 100 Taler
2. Von dem Tagelöhner Johann Karl Scheibe ca. 65 - 75 Taler
3. Von der Witwe Marie Rosina Scheibe ca. 25 - 30 Taler
4. Von dem Zimmermann Geselle Johann Gottlob Hänse ca. 180 Taler
Nach diesem Verhalten habe ich zu Oberpöllnitz in Gegenwart des Bürgermeisters Henschel und des als Schriftführer fungierenden Pfarrer Liebe die von seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog Carl Friedrich und ihrer Kaiserlichen Hoheit, der Frau Großherzogin Maria Pawlowna, gnädigst verordnete Spende von 40 Taler an die genannten Buchpöllnitzer ausgezahlt und mir entsprechende Quittung ausstellen lassen. Dieselben haben ihren untertänigsten Dank für die ihnen zu Teil gewordene Unterstützung zu erkennen gegeben.
Diese Unterstützung in Höhe von 40 Taler wurde wie folgt ausgezahlt:
1. An den Tagelöhner Franz Wander 10 Taler u. 25 Groschen.
2. An den Handarbeiter Johann Karl Scheibe 7 Taler u. 20 Groschen.
3. An die Witwe Marie Rosina Scheibe 2 Taler u. 20 Groschen.
4. An den Zimmermann Gesellen Johann Gottlob Hänse 18 Taler u. 25 Groschen.
Durch den Vertreter des Herrn Bezirksdirektors Hugo Müller zu Neustadt/O., Herrn Holzmann, wurde uns das Unterstützungsgeld richtig ausgezahlt, was wir mit ehrerbietigstem Dank bekunden.
Oberpöllnitz im Pfarrhaus, den 6.07.1851 und folgend die 4 Unterschriften

Die nach Oberpöllnitz eingereichten Spenden:
31 Thl. + 28 Gr. von der Gemeinde Oberpöllnitz zuzüglich 4,5 Scheffel Getreide, halb Korn, halb Gerste
10 Thl. + 05 Gr. von der Gemeinde Mittelpöllnitz
16 Thl. + 17 Gr. von der Stadt Triptis
3 Thl. + 01 Gr. + 10 Pf. von der Gemeinde Breitenhain
5 Thl. + 05 Gr. + 03 Pf. von der Gemeinde Geroda
2 Thl. + 12 Gr. + 06 Pf. von der Gemeinde Tömmelsdorf
4 Thl. + 05 Gr. + 08 Pf. von der Gemeinde Struth
2 Thl. + 14 Gr. + 06 Pf. von der Gemeinde Miesitz u. 1 Stamm Bauholz vom RG-Bes. Herrn Thümmler für G. Hänse
7 Thl. + 15 Gr. von der Gemeinde Schmieritz übergab am 12.07.1851 ihre Spende an den Bezirksdirektor.
2 Thl. + 03 Pf. von der Gemeinde Untergeißendorf
3 Thl. + 25 Gr. von der Gemeinde Döblitz
2 Thl. + 20 Gr. von der Gemeinde Kleinbernsdorf
3 Thl. + 15 Gr. von der Gemeinde Uhlersdorf
2 Thl. + 15 Gr. von der Gemeinde Crimla
1 Thl. + 15 Gr. von der Gemeinde Leubsdorf
1 Thl. + 20 Gr. von der Gemeinde Kopitzsch
4 Thl. von der Gemeinde Moßbach
2 Thl. von der Gemeinde Geheege
2 Thl. von der Gemeinde Neundorf
3 Thl. von Frau A. v. Linsingen zu Münchenbernsdorf
2 Thl. von Herr Schwender zu Triptis
Oberpöllnitz, den 19.08.1851 - Christoph Henschel - Bürgermeister

Am 26.08.1851 erfolgte die Danksagung an die freiwilligen Spender in der „Weimarischen Zeitung“ durch der Herrn Bezirksdirektor des V. Verwaltungsbezirks des Neustädter Kreises. Auch eine Aufstellung der Spender. Es waren noch weitere Gemeinden, Einzelpersonen und Gutsbesitzer. Insgesamt sind Spenden eingegangen und von dem Herrn Bezirksdirektor verteilt worden: 180 Taler u. 2 Pf.
Es erhielten:
1. Gottlob Hänse 82 Thl. + 5 Gr.
2. Franz Wander 49 Thl. + 8 Gr. + 6 Pf.
3. Karl Scheibe 34 Thl. + 18 Gr. + 1 Pf.
4. Witwe Scheibe 13 Thl.+ 23 Gr. + 9 Pf.
Summe: 180 Taler u. 2 Pf.

Quelle:
- ThHStA Weimar, Akte 1744 des Großherzogl. Sächs. Direktors des V. Verwaltungsbezirks des Neustädter Kreise zu Neustadt/O.

Wolfgang Schuster, Triptis 5/2018