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Geschichte der Schankwirtschaft in Oberpöllnitz/Thür. – Eine Auswertung der vorhandenen Aktenlage in den Thüringer Staatsarchiven zu Weimar und Greiz.
Diese Dokumentation ist ein Nachtrag zu der bereits veröffentlichten Historie der Schankwirtschaften in Oberpöllnitz. Siehe Hauptwebseite: Das Dorf Oberpöllnitz – Unterseite: Schankwirtschaften Historie

1. Die früheste Aktensammlung bezieht sich auf die Jahre 1680 bis ca. 1697
und besteht leider vorwiegend aus Aktenresten im zum Teil üblen Zustand. Im Folgenden eine inhaltliche Zusammenstellung über die dokumentierten Streitigkeiten wegen unerlaubten Bierausschank. Mit diesen Streitigkeiten war immer wieder Heinrich Richter beschäftigt, Vorsteher der adligen Pöllnitz`schen Gerichte und Schösser. Er residierte in Münchenbernsdorf, zu dieser Zeit Pöllnitz-Besitz.

1.1 In der Altgemeinde Oberpöllnitz war der Reihenschank verboten. Es gab in der Rittergutssiedlung Steinpöllnitz eine Kretscham (adlige Schankwirtschaft) mit ihrer Zuständigkeit für die Altgemeinde. Das war natürlich ständig Ursache für unerlaubtes Brauen und Ausschänken im 1 km fernen Dorf. Deshalb sah sich die adlige Herrschaft 1680 genötigt, über ihren Gerichtsverwalter Heinrich Richter den Gemeindevorstand wieder einmal zu belehren, dass er darauf zu achten habe, wo im Ort unerlaubt ein Schroten und Ausschenken erfolgt. Dies wäre strafbar und würde von der adligen Herrschaft auch verfolgt. Bierbrauen dürfe nur ein „Nachbar“ aus besonderem privatem Anlass zum Eigenverbrauch und mit adliger Genehmigung. (Nachbar: Vollmitglied einer Dorfgemeinschaft) (Detaillierte Aussagen zum Reihenschank gibt es im Punkt 5 der Hauptseite "Schankwirtschaften Historie")

1.2 1682 hat der Fleischer Thomas Frantz unerlaubt Bier ausgeschenkt. Er wird vom adligen Gericht verwarnt und von Heinrich Richter an den Ortsrichter Nicol Keppel überantwortet, zwecks Zahlung einer Strafe.

1.3 1685 beschwert sich der Rat der Stadt Triptis bei Herrn Christian Julius v. Schauroth als Pächter des Ritterguts über das Verzapfen (Ausschank) des zu Oberpöllnitz gebrauten Bieres. Der Rat droht an, dass sie dagegen vorgehen werden wenn Herr Schauroth nichts dagegen unternehme. In diesem Zusammenhang bezieht sich der Rat auf den noch gültigen „Saalfelder Schied“ von 1537. (Detaillierte Angaben dazu gibt es ebenfalls im Hauptpunkt 5 und ausführlich zum Meilenrecht der Städte, siehe Rudolf Scheuch, „Amtsblatt der Stadt Triptis“, Nr. 13/2009 u. Nr. 1+2/2010)

1.4 Um 1685/90 beschwert sich mehrmals der Pfarrer Christian Frosch beim Gemeindevorstand über Paul Geutener wegen dessen ständigen unerlaubten Bierausschanks, obwohl dieser schon mehrmals gelobt hat, kein Bier mehr auszuschenken. Sein Haus liegt nahe der Pfarrei und der Pfarrer würde selbst in der Schlafkammer in seiner Ruhe gestört. Geutener wird vorgeladen, leugnet den Ausschank und wehrt sich gegen die Vorwürfe des Pfarrers. (Das der Pfarrer die Wahrheit spricht, zeigen weitere Beschwerden über den Paul Geutener.)

1.5 Wegen weiterer Vergehen wurde später eine erweiterte Gemeinderats-Versammlung durchgeführt, an der auch v. Schauroth, der Schulmeister auch mit Namen Christian Frosch (keine Verwechselung!) und weitere wichtige Einwohner teilnahmen. Der Pfarrer Christian Frosch bedankt sich für die Aufmerksamkeit, beschwert sich jedoch sogleich über den v. Schauroth, dass er noch nicht ernsthaft gegen solchen Bierausschank vorgehe, sich auf die Seite der Einwohner stelle und damit gegen seinen Beichtvater. Er würde dem Paul Geutener mehr glauben als seinem Beichtvater! Der Pfarrer schlug vor, einen Ausschank auf das Haus des Paul Mäurer zu gestatten, da dieses Haus weiter von der Pfarrei weg stehen würde. Mäurer wäre auch bereit, das Spondgeld zu zahlen. (Steuergeld pro Fass Bier) Der Vorschlag wurde abgelehnt, da der Gemeindevorstand diesen Vorschlag wegen dem Meilenrecht nicht genehmigen könne.
Es beschwerte sich auch der Schulmeister über den Paul Geutener, weil dessen Gäste stören und rauchen, auch der Ofen in dessen Stube nicht genug sicher sei und durch Unachtsamkeit eine Feuersbrunst drohe. Geutener würde mit Kumpanen so viel Bier trinken, dass sie sich beim Abendmahl oft daneben benehmen würden. Auch der anwesende Pöllnitz`sche Gerichtsvorsteher Heinrich Richter forderte vom Ortsrichter Nicol Keppel mehr Strafanwendung.
(Es änderte sich nicht allzu viel, denn es gab immer wieder unerlaubtes Ausschenken und zahlreiche Beschwerden. So auch über den Fleischer Thomas Frantz, über Hans Christian Euler oder über den Pachtjäger Johann Georg Schilling.)

1.6 Um 1695 beschwerte sich wiederholt der Bürgermeister der Stadt Triptis, Herr Thrauner, bei dem adligen Pöllnitz`schen Gerichtsvorsteher Heinrich Richter über das unbefugte Bierausschenken in Oberpöllnitz. Er bezog sich wiederum auf den „Saalfelder Schied“ von 1537 und forderte auch von der adligen Herrschaft, diesen Vertrag zu achten. Auch auf dem Rittergut wurde gebraut und wahrscheinlich unerlaubt „verzapft“. Im Schied war festgelegt, dass der Rittergutsbesitzer zu Oberpöllnitz u.a. 15 Fass Bier, je 5 Eimer zum Eigenverbrauch brauen darf und dieses Bier auch in seinen Erbschänken in Stein- u. Mittelpöllnitz ausschenken darf. (Dresdener Maß: 1 E = 67,36 Liter) Mehr Bier durfte nur aus den Städten Triptis, Auma und Neustadt bezogen werden.
Außerdem war dem Rat von Triptis bekannt geworden, dass in Oberpöllnitz Bier aus Schwarzbach ausgeschenkt würde. Man forderte Heinrich Richter auf, die betreffenden Personen zu bestrafen. Es betraf den Jobst Gareiß zu Oberpöllnitz. Der hatte Bier aus Schwarzbach geholt und auch unerlaubt ausgeschenkt. Der Bürgermeister zu Triptis stellte fest, dass das gegen die Landesordnung verstoße und bat Heinrich Richter um Erlaubnis, dem Nachgehen zu dürfen. Dem stimmte Richter nicht zu, sondern veranlasste selbst eine Hausdurchsuchung. Wie diese Gareiß-Angelegenheit ausging, konnte in den folgenden verderbten Aktenblättern inhaltlich nicht erfasst werden. Viele Stellen sind gestrichen, korrigiert oder fehlen ganz. Es scheint aber eine Einigung zwischen dem Rat von Triptis, Heinrich Richter und Jobst Gareiß gegeben zu haben.
Zusammengefasst kann festgestellt werden, dass es in Oberpöllnitz dauerhaft unerlaubtes Ausschenken gegeben hatte. Grund war ohne Zweifel eine fehlende Schankwirtschaft der Gemeinde und die vorhandene Erbschänke des Ritterguts in Steinpöllnitz war zu weit entfernt. Natürlich war solch ein privater Ausschank auch eine gewisse Nebeneinnahme. In den nachfolgenden 13 Punkten der Hauptseite "Schankwirtschaften" zeigen sich diese sozialen Probleme der Vergangenheit, die Ursachen für Streitigkeiten und der bestehende Konkurrenzneid.
Quelle:
- ThHStA Weimar, Amt Neustadt/O., Akte 1741
Wolfgang Schuster, Triptis 4/2020