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Dieser Vogelfangplatz, auch Gegend bezogen als „Finkenherd“ bezeichnet, befand sich nördlich des Dorfes in der ehemaligen Ritterguts-Waldflur, das „Hohe Holz“ genannt. In heutiger Zeit also südlich der Autobahn A9.
Siehe beigegebenen Bildausschnitt Oberpöllnitz aus der Meilenkarte von 1797!
Schon 1547 besaß der damalige Rittergutsbesitzer Hans von Polnitz die Nieder- u. Obergerichte sowie die Niederjagd. 1607 erhielt der neue Besitzer Bernhard von Pölnitz vom Sächsischen Kurfürsten mit der Belehnung Oberpöllnitz nebst Zugehörungen, die Nieder- u. Obergerichte sowie die Nieder- u. Hohejagd zugesprochen. Mit der Bewilligung der Niederjagd war auch der Vogelfang erlaubt. Wann in der Oberpöllnitzer Waldflur ein „Vogelherd“ eingerichtet wurde und von welchem Rittergutsbesitzer ist zurzeit nicht bekannt. Es könnte ohne Zweifel auch in späterer Zeit erfolgt sein. Vogelherde sind seit Ende des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Ein Vogelherd ist in der Regel ein ebener Platz von ca. 5x10m im lichten Wald oder Waldrand, mit einer kleinen Hütte an der hinteren Stirnseite. Internetinfo: »Vogelfänger war bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein Beruf, auch eine beliebte Freizeitbeschäftigung des Adels, vor allem aber spielten Vögel in der Ernährung aller Gesellschaftsschichten eine wichtige Rolle. So wurden im Jahre 1596 für die Hofküche in Darmstadt unglaubliche 4619 Wachholderdrosseln gefangen.«
Der von mir auf dieser Homepage veröffentlichte Bericht über den „Kurfürstentag zu Nürnberg 1611“ zeigt auf, dass Johann Georg I., Kurfürst von Sachsen, zur Sicherheit eigens Trunk und Proviant aus seinem Land mitführen ließ, so u.a. auch viele Tausend Spießlein Vögel, je 5 zusammengebunden. Das ganze Gefolge des Kurfürsten von Sachsen bestand übrigens in 312 Personen u. 289 Pferden und auch Bernhard von Pölnitz, als Kanzler von Kursachsen, war als Berater mit dabei.
Vorzugsweise wurden für die Küche „Krammetsvögel“ gefangen, das sind Wachholderdrosseln, aber auch alle anderen Drosselarten, auch Wachteln, Amseln, Stare, Finken, Lerchen, Tauben etc. Man jagte nicht nur mit Netzen oder Schlingen, sondern auch mit Leimruten, Fangwänden, Klemmhölzern, Fallen oder Fangkästen und man nutzte zum Anlocken der Tiere u.a. Lockpfeifen, Lockvögel, Lockfutter, Tränken etc. Betreffs der Zubereitung kann man im Internet verschiedene Kochbuchrezepte finden. Jede Region hatte ihre eigenen Spezialitäten, doch meist wurden die Vögel gegrillt oder gebraten.
»In Deutschland wurde der Vogelfang Ende des 19. Jahrhunderts größtenteils gesetzlich unterbunden. Am 30. Mai 1908 trat das Reichsvogelschutzgesetz in Kraft, in dessen Folge der Vogelfang mit Totschlagfallen verboten wurde.« (Info: Wikipedia)
Anmerkung:
Auf dem beigefügten Meilenkarten-Ausschnitt der Flur Oberpöllnitz ist im Süden des Dorfes auch der „Galgenberg“ gekennzeichnet, die ehemalige Richtstätte des Ortes. Solche Richtstätten legte man in alter Zeit bevorzugt an frequentierten Straßen an. Das war in diesem Fall ein sogenannter „Diebsweg“, eine Nebenstraße der „Alten Regensburger“. Dieser Schleichweg zweigte bei Neuensorga ab, verlief über die Wittchensteiner Höhe in Richtung Oberpöllnitz, tangierte den Ort am jetzigen Hotel, zog über Steinpöllnitz am Galgenberg vorüber nach Gütterlitz und weiter, rechts der „Auma“, an Krölpa vorüber in Richtung Chursdorf - Dragensdorf. Bei Tegau traf diese Nebenstraße wieder auf die „Regensburger“. Doch wahrscheinlicher wurde der weitere Verlauf Richtung Plauen über die alte Route Dragensdorf - Rödersdorf - Löhma fortgesetzt. Damit umgingen die Fuhrleute Zoll- u. Geleitsstationen, auch die Stadt Auma mit ihren Einnahmerechten.
Bildnachweis:
df-dk-0002073; Meilenblätter von Sachsen, Berliner Exemplar, Blatt 73 von Friedrich Ludwig Aster, 1797
Aus dem Bestand der Sächs. Landes-, Staats- u. Universitätsbibliothek Dresden, Deutsche Fotothek, Aufnahme Klaus-Dieter Schumacher, 2006
Überreicht 10/2009 und mit Genehmigung der Veröffentlichung. Dafür Danke ich recht freundlich!
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 6/2019