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Rittergut Niederpöllnitz - Ein Stammsitz derer von Pöllnitz in der Zeit um 1400
- Damalige Schreibweise v. Polnicz/Polniz, später v. Pölnitz und v. Pöllnitz -
Die ehemals Reichsministerialen-Familie de Polnicz tritt bekanntlich zurzeit urkundlich erstmals 1238 mit Gotsenicus (Gotzo I.) in Erscheinung. Auch wird in der Literatur von einem Albertus de Polnicz 1124 im Raum östlich von Triptis berichtet, ist aber umstritten und vor allem urkundlich nicht belegt. Doch sind Mitte des 13. Jahrhunderts weitere Personen nachweisbar, wie Gotfridus, Gozzo II., Ludewicus, Lutolf, Volcwynus. Schwerlich ist es jedoch, diesen Personen einen Wohnort zuzuweisen, da die Namen in der Regel nur in Urkundenbezeugungen genannt werden. Aufhellender wird dies erst im 14. Jahrhundert. Hier erscheint uns nun 1341 das "Haus Oberpöllnitz" mit Ludwig, Katherin, Jahn, Andres und Lutold, das Haus Langenberg/Meilitz mit Lutolf, das Dorf Bobeck mit Ludewicus, das Haus Liebstedt mit Ludwig, Gottschalg und Erick und noch unbestimmt im Raum Weida-Auma-Triptis mit den Personen Volkwyn, Petzold, Götze, Hencze, Heinrich, Gottschalg, Lutold. Dass diese Wohnsitze älteren Charakters sind, ist unzweifelhaft. Das Dorf Niederpöllnitz z.B. wird erst 1356 als zur Herrschaft Weida gehörig urkundlich im UB I. Nr. 978 der Vögte von Weida belegt, doch gilt der Ort als slawische Siedlung. Der noch vorhandene Turm im früheren Rittergutsareal stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und gilt als Rest einer ehemaligen Wasserburg. Von wem erbaut, ist noch unbekannt. Sehr umstritten ist aber noch die These, dass der 1266 erstmalig genannte Ort »Polnicz« für Niederpöllnitz steht.
Die Polnicz-Häuser Niederpöllnitz/Mittelpöllnitz werden urkundlich erst 1402/04 nachgewiesen, gelten jedoch neben Oberpöllnitz als wichtigste Erstansiedlungsorte der nunmehrigen Adelsfamilie und zwar ca. 200 Jahre früher. Erschwert wird auch die Lokalisierung der frühen Polnicz-Personen durch den Umstand, dass 1.) in den Ersturkunden als Wohnort nur die Kurzbezeichnung »Polnicz« verwendet wurde und 2.) Namensgleichheiten auftreten. Erst ab dem 14. Jahrhundert kommt es zur differenzierten Ortsbezeichnung Obern-, Mitteln- oder Nedernpolnicz. Wann die Familien de Polnicz, es werden zutreffenderweise wenigstens zwei Familienverbände im Reichsauftrag der Ostbesiedlung angenommen, sich in Ostthüringen angesiedelt haben oder wurden, ist ungeklärt. Auch woher sie kamen und in welchem Gefolge. Vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts im Gefolge der Auhausen/Lobdeburger aus dem «Fränkischen Raum», favorisiert aus dem Dreieck Würzburg-Bamberg-Nürnberg. Ähnlich dem Einwandern derer von Würtzburg in den Raum Jena, mit denen sie bekannt waren. Aber es kommen auch die Vögte von Weida in Betracht.
Allgemein anerkannt ist die Annahme, dass sich die angesiedelten Familien ihren neuen Zunamen nach ihren zugeteilten Wohnsitzen gaben. Zahlreiche Beispiele sind in der Literatur ausgiebig beschrieben. Demzufolge ist die langjährige These nicht zu bezweifeln, dass die hiesigen Pöllnitzdörfer die Erstansiedlungsorte der Familien waren. Oftmals werden in ungezwungenen Diskussionsrunden der hiesigen Gegend die »Pöllnitze« in ihrer Bedeutung überhöht dargestellt. Ohne Zweifel waren die sich schnell verzweigenden Familien bis zum 17. Jahrhundert in zahlreichen Orten präsent und das nicht nur in Ostthüringen. Sie brachten auch einige sehr einflussreiche Beamte an den „Höfen“ unter, doch dass sie hier im Raum Weida-Auma-Triptis über 30 Dörfer besessen hätten, ist Legende. Das trifft auch nicht zu für das »Haus Oberpöllnitz« oder für die späteren Häuser »Schwarzbach« und »Dreitzsch«. Und in diese Legende möchte ich mit dem folgenden Urkundenbericht aus dem Jahr 1416 eingreifen. Er zeigt uns den Besitzumfang der Gebrüder von Polnicz auf Niederpöllnitz. Zahlreiche Orte werden genannt, ja, auch drei Vorwerke, doch war es in den meisten Orten nur Kleinbesitz, den Lehnsleute benutzten oder bewirtschafteten und sie damit abgabepflichtig waren. In den Dörfern Ostthüringens gab es in der Regel immer 2 bis 3 Adelshäuser, auch Ämter und bis ca. 1530 Klöster mit Besitzansprüchen und damit Lehnsabhängige bei verschiedenen Herren.
Niederpöllnitz war um 1400 eigentlich nur ein Rittergutsdorf mit ca. 20 Häusern, in der Mehrzahl halbe und dreiviertel Hüfner und einige Häusler. Das Gut hatte in dieser Zeit wesentlich größeren Umfang und Bedeutung, da die Vorwerke Wetzdorf, Struth und Geroda noch dazugehörten und auch unter dessen Gerichte standen. Die Vorwerke wurden später eigenständige Rittergüter. Es war altschriftsässig, d.h., es unterstand nur dem Landesherrn und diente insgesamt mit 4 Ritterpferden. 1437 haben die von Polnicz allerdings diesen alten Stammsitz aufgegeben oder aufgeben müssen, vermutlich auf Grund des Bruches mit den Vögten von Weida, deren Bedeutung durch die Einflussnahme der Wettiner stark gelitten hatte. Nachfolger waren die Edlen von der Planitz, ein bedeutendes Adelsgeschlecht in Westsachsen und im Vogtland, Anhänger der Wettiner.

Lehensbesitz und eingeforderte Abgaben:
Lehnsurkunde 1416 für Hencze u. Folkel von Polnicz, Gebrüder
Neue Transkription von Wolfgang Schuster, 11/2018 - Photokopie: SäHStA Dresden, Cop. 37, Bl. 66 b
Zins = Erbzinsen u. Naturalien sind jährlich an den Lehnsherrn zu entrichten!
Fette Zahlenwerte sind die 1915 veröffentlichten, ungenauen Angaben von Dr. Max Freiherr v. Pölnitz auf Aschbach/Oberfrk., bayrischer Kammerherr, Bezirksamtmann a.D. und Rittergutsbesitzer.

Die nachgenannten Güter haben Heinze und Volkil, Brüder von Pölnitz, vom Herrn (Herzog Wilhelm II. d. Reiche, Markgraf von Meißen, 1371-1425) am Mittwoch nach dem Fest des heiligen Jakobus 1416 zu Arnshaugk zu Lehen empfangen. (30. Juli)
01. Zu Niederpöllnitz den Hof u. Vorwerk, Wiesen, Holz u. seine Zugehörung, das Dorf u. seine Zugehörung, Zins also an 7 Schock + 14 Groschen, 100 ½ Scheffel Hafer, 33 Hühner, 5 Kloben Flachs + 13 Risten, 18 Käse, 1 ½ Viertel Mohn + 1 Viertel Maß Mohn, 4 Pfund Wachs und Zollhafer.
02. Weiter den Hof zu der Struth, mit Acker, Wiesen, Holz, Teiche, den Bach mit seiner Zugehörung.
03. Weiter Wüst-Albersdorf, der Teil, was unserem seligen Vater gewesen ist.
04. Weiter das Rodt (gen. Zumrode - Geroda), mit Acker, Wiesen, Holz, Teiche und mit seiner Zugehörung.
05. Weiter zu Wetzdorf den Hof und Acker, Wiesen u. Holz, also an Zinsen daselbst 1 Schock + 11 Gr., 6 ½ Viertel Weizen, 6 ½ Viertel Korn, 5 ½ (1½) Schff. Gerste, 3 Schff. Hafer, ½ Schff. Hopfen, 6 wüste Hofstätten mit Acker.
06. Weiter zu Porstendorf 1 Schock + 43 (53) Gr. Zins, 3 Scheffel Korn, 18 Schff. Hafer u. Zollhafer daselbst.
07. Weiter zu Birkhausen 1 Schock + 2 ½ Groschen Zins, 6 (5½) Scheffel Hafer Zins und den Teich daselbst gelegen, ein wüstes Gut und Zollhafer daselbst.
08. Weiter zu Berwigsdorf (Wüst-Beiersdorf b. Staitz) 1 Schock + 23 Gr. + 7 (6½) Denare Zins, 6 Hühner.
09. Weiter zu Markersdorf 11 (10) Groschen Zins.
10. Weiter zu Frießnitz den Fisch in dem See und den Kretzschmar daselbst (RG-Erbschänke).
11. Weiter zu Sirbis 1 Schock + 15 (10) Groschen Zins und ½ Huhn.
12. Weiter 2 Mühlen unter Grochwitz, 20 Groschen + 8 Denare (Silber-Pfennige) Zins.
13. Weiter zu Neundorf 4 Hühner Zins.
14. Weiter zu Birkigt 15 Groschen Zins, 4 Hühner, ½ Pfund Wachs, 1 Lammsbauch, ½ Scheffel Hafer
15. Weiter zu Forstwolfersdorf 4 Schock + 42 Groschen Zins, 1 Scheffel Hafer, 12 Hühner.
16. Weiter zu Pfersdorf 2 ½ Schock + 21 Groschen + 6 (5 ½) Denare Zins, 19 Hühner, 1 Kloben + 20 Risten Flachs, 7 Käse, 3 Viertel Maß Mohn.
17. Weiter zu Wöhlsdorf 3 Schock + 2 ½ Groschen Zins, 8 Käse, 4 Hühner und das Wehr daselbst, gelegen an der Auma (Fluss), weiter das Wasser der Auma zwischen Rohna u. Pfersdorf.
18. Weiter das Wasser der Frießnitz (jetzt Seebach) vom Teich des Heinz v.d. Pforten bis in die Auma fallet (einmündet). Dazu ein wüster Acker, der da liegt unterhalb dem Kesseltal.
19. Weiter zu Wöhlsdorf 8 Gr. + 4 Denare Zins, 15 Risten Flachs, 15 Eier, 2 Käse, 1 Viertel Maß Mohn.
20. Weiter zu Piesigitz 44 Groschen Zins und 15 Hühner.
21. Weiter zu Staitz 2 Schock + 19 Groschen + 2 Denare Zins, 2 Pfund Wachs.
22. Weiter zu Merkendorf 7 ½ Schock weniger 1 Gr., 8 Schff. Hafer, 26 Hühner, 1½ Pfd. Wachs u. Zollhafer.
23. Weiter zu Zadelsdorf 2 (1½) Groschen Zins.
24. Weiter zu Gorn (vermutl. Göhren) 4 Groschen Zins, 4 Hühner.
25. Weiter zu Wittchendorf den Zollhafer.
26. Weiter zu Kühnsdorf (b. Piesigitz) Acker u. Holz, jetzt wüst. (Konigensdorf wüste itze)
27. Weiter zu Weida in der Stadt, 10 Groschen Zins, 4 Hühner vom Acker u. der Mühlstätte an der Frießnitz gelegen.
Diese oben beschriebenen Güter liegen in der Herrschaft Weida!
28. Weiter zu Hainsberg 1 Schock + 4 ½ (7½) Groschen + 4 Scherf Zins, 8 Scheffel + 1 Viertel Hafer und Zollhafer auf unserm (herzoglichen) Gut/Hof. (Scherf = halber Silber-Pfennig)
29. Weiter zu Kühdorf 1 ½ Schock + 8 Groschen Zins.
Diese Dörfer liegen in der Herrschaft Elsterberg!
30. Weiter zu Mittelpöllnitz 2 (1½) Schock + 5 Groschen Zins, 1 Scheffel Hafer, 2 (11) Hühner, Acker, Wiesen, Holz, Teiche und seine Zugehörung.
31. Weiter zu Wüstenwetzdorf 21 Groschen Zins, 11 Hühner, 55 Eier.
32. Weiter zu Muntscha 2 Schilling-Pfennige Zins (24 Pf.).
Diese Dörfer gehören in die Pflege Triptis!
33. Weiter 1 Weingarten gelegen bei Jena, der Berg „Genz“. (1158 montem genzege - heute Berg Jenzig)
34. Weiter 1 Weingarten gelegen bei Drackendorf/Jena, genannt der „Sparbrot“.
35. Weiter zu Schöndorf in der Pflege Ziegenrück, 2 Männer, die wir vom Abt zu Saalfeld haben.
Attestiert und gesiegelt!

Verleihung der Ober- und Niedergerichte, ausgewiesen in einer Urkunde vom 24.05.1424 und ausgestellt von Herzog Wilhelm II., Markgraf von Meißen, im Amt Weida.
(Der Textauszug wurde zum besseren Verstehen in die heutige Schreibweise überführt. W.Sch.)
Markgraf Wilhelm II. tritt Hencze d.Ä. und Hencze d.J. v. Polnicz die obersten und niedersten Gerichte, Zinsen, Frone und Dienste im Dorf Nedernpolnicz ab. Sie hatte bisher der Markgraf gehabt und gehörten seit alters her zum Schloss Weida. Die Verleihung geschieht tauschweise gegen das Dorf Merkendorf mit allen einzeln namhaft gemachten Zinsen und der Kretscham zu Frisenicz
(Erbschänke zu Frießnitz), jedoch unter Ausschluss des wüsten Dorfes Konigistorff (Kühnsdorf).
Die von Polnicz sollen die Gerichte haben in dem Dorf zu Nedernpolnicz also so, wie die Zäune das Dorf umzäunt haben. Die Umzäunung soll von Stund an auch mit Grenzsteinen versehen werden. …
Wer einen Totschlag begeht, den sollen die von Polnicz, ihre Erben und Nachkommen richten und danach die Pflicht haben und tun, die Person in unsere oberste Gerichte zu geben. Wenn aber einer einen Mord im Dorf begeht und ergriffen wird, den sollen die v. Polnicz`sche Gerichte festsetzen, dann aber den Mörder unserem Vogt zu Weida übergeben, der diesen dann richten soll. …
Die auszugsweise Urkundenübersetzung bezieht sich auf das Original im SäHStA Dresden, Cop. 34, Bl. 75.

Für die Bereitstellung der beiden Akten danke ich recht freundlich den Mitarbeitern des SäHStAD.
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 10/2014, akt. 11/2018
Kopien und Nachdrucke für kommerzielle Verwendungen sind ohne meine Erlaubnis nicht statthaft.

Das Herrenhaus in Niederpöllnitz ist ein "Neubau" des 18. Jahrhunderts. Der Vorgängerbau war eine burgähnliche Gebäudeanlage im Bereich der Wirtschaftsgebäude, da wo noch jetzt der alte Wehrturm steht. (Siehe Bild oben.)