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Das Bärentreiben oder Bärenführen

Ein ehemaliger alter Brauch, auch in Oberpöllnitz. Letztmalig 1954 und 1955 im Dorf durchgeführt, so erinnerte sich neulich Herr Lothar Pichler (82 Jahre) und erzählte mir, dass er den Bär dargestellt hatte.

Das Bärentreiben ist ein traditioneller ländlicher Brauch und gehört zu den alten früheren Formen der Faschingsbräuche. Es hat aber auch seine Ursprünge in der Vertreibung der bösen Geister des alten Jahres und zugleich wurde der Winter immer mit dem Bärentreiben vertrieben. Der Umzug durch das Dorf am Dienstag nach dem Rosenmontag diente ursprünglich dem Zweck, der Bevölkerung einen Bären zu präsentieren, mit Hilfe dessen Eigenschaften die bösen Geister von Haus zu Haus ausgetrieben werden konnten, um auf diese Weise das neue Frühjahr mit „reiner Seele” begrüßen zu können.
Beim Bärentreiben führt ein Treiber an einer Kette eine als Bär verkleidete Person durch das Dorf, wodurch die Szene einer Bärenführung nachgestellt wird. Sie ziehen von Haus zu Haus und 2 bis 3 Treibergehilfen sammeln Gaben ein, wie Wurst, Eier, Süßigkeiten, Geld oder Getränke und fordern die Hausfrauen zum Tanz mit dem Bären auf. Der Tanz soll den Hausbewohnern für das ganze Jahr Glück bescheren.
Natürlich waren die zwei Aktiven auch darauf aus, derbe Späße zu treiben oder böse Buben zu verhauen. Wir Kinder hatten gehörigen Respekt und achteten darauf, nicht zu sehr in die Nähe des Bären zu kommen. Der Bär schreckte uns Kinder, wenn er mit seinen Tatzen nach uns greifen wollte, der Treiber, indem er uns mit seinem Stecken drohte. Auch auf die Gehilfen musste man achten, denn auch sie fingen gern die Buben ein. Wehe dem, der in des Bären „Fänge“ geriet. Die Begleitmusik beim Bärentreiben waren Teufelsgeigen.
Das Ende des Bärentreibens war der Bärentanz vor dem Gasthaus. Bär und Treiber umarmten sich und tanzten, leicht angetrunken, einen Walzer. In früheren Jahren suchte sich der Bär unter den Zuschauerinnen eine Tanzpartnerin aus. Jedes Bärentreiben endete mit einem abendlichen Tanzvergnügen. Das Bärentreiben wurde ganz früher vom Burschenschaftsverein organisiert und 1954/55 hatten es die Männer der Feuerwehr veranstaltet.

Wolfgang Schuster, Oberpöllnitz 1/2011

 

Bärentreiben am 26.01.1930 in Oberpöllnitz. Das Bild zeigt die "Treibergesellschaft" vom Burschenverein des Ortes. Die Bildaufnahme erfolgte auf der Eisenbahnbrücke von Steinpöllnitz.
Für die Bereitstellung dieser seltenen Aufnahme danke ich Herrn Alexander Schilling aus Oberpöllnitz recht herzlich.