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Brandkatastrophe bei dem Gutsbesitzer Edmund Jäger 1930

Aus: „Triptiser Anzeiger“ – Ausgabe Montag 1.09.1930
Oberpöllnitz –
Ein größeres Schadenfeuer entstand am 30. August, Sonnabend abends gegen 10.00 Uhr im Anwesen des Gutsbesitzers und Standesbeamten Edmund Jäger. Ganz plötzlich bemerkten Anwohner den Brand in einem Teil der Wirtschaftsgebäude und in ungewöhnlich kurzer Zeit standen die Scheune und ein weiteres anstoßendes Gebäude in Flammen. Die gesamte Getreideernte, die noch nicht ausgedroschen war, und alle Futtervorräte, von denen das Letzte am vorhergehenden Tag noch eingebracht worden ist, wurden vernichtet. Auch sämtliche landwirtschaftlichen Maschinen und ein großer Teil Wirtschaftsinventar sind mit verbrannt. Durch allseitige Hilfeleistung konnte wenigstens das Vieh bis auf einige Kleintiere gerettet werden. Das erst kurz vor dem Krieg (1. Weltkrieg) neuerbaute Wohnhaus und vordere Wirtschaftsgebäude mit teilweiser Stallung konnte dank der tatkräftigen Löscharbeiten der Ortsfeuerwehr und der Wehren von Triptis und Mittelpöllnitz erhalten werden. Die übrigen völlig niedergebrannten Gebäude und sonstigen Werte sind zum größten Teil durch Versicherung gedeckt, doch dürfte der Besitzer immerhin noch erheblichen Schaden haben. Die Entstehung des Feuers wird auf Brandstiftung zurückgeführt.
Aus: „Triptiser Anzeiger“ – Ausgabe Montag 8.09.1930
Oberpöllnitz –
Von Oberpöllnitz wird uns zu dem Brand am Sonnabend, den 30.08. noch folgendes mitgeteilt: Festgestellt muss werden, dass der telefonische Meldedienst bei Bränden und Unfällen nicht nur ganz ungenügend, sondern in der gegenwärtigen Einrichtung und Handhabung für die Landorte einfach unhaltbar ist. Eine alsbaldige Überprüfung durch die zuständigen Stellen tut not. Bei dem Umfang des letzten Brandes und der Gefahr für benachbarte Anwesen konnte die hiesige Gemeinde nur die Feuerwehr in Mittelpöllnitz und die glücklich in Neustadt/O. stationierte Motorspritze durch Fernruf über Weida (!) zur Hilfeleistung rufen. Die wenige Kilometer entfernte Triptiser Feuerwehr konnte nur durch Boten benachrichtigt werden. Trotzdem war von da ein Löschzug in kürzester Zeit an der Brandstelle und konnte sofort in Tätigkeit treten. Anders die Motorspritze. Diese kam, vermutlich durch die sehr umständliche Benachrichtigung über Weida, verhältnismäßig spät am Brandplatz an und brauchte nochmal eine ganze lange Zeit, bis sie überhaupt tätig sein konnte. Für eine Motorspritze des Landkreises, der doch berufsmäßig ausgebildete Mannschaften zugeteilt sein sollen, gewiss ein schlechtes Zeugnis.
Wenn darüber hinaus, wie es hier der Fall war, das Schlauchmaterial nicht ausreicht und die Schläuche selbst öfters noch platzen, dann ist die Motorspritze mehr oder weniger ganz entbehrlich. Im Übrigen scheint auch die Einteilung der Feuerwehrleute an der Motorspritze recht mangelhaft zu sein. Die Schlauchleitungen derselben waren fast immer ohne Aufsicht und die Schläuche mussten noch von demjenigen Feuerwehrmann, der das Werk bediente, überwacht und geflickt werden. Die Leistung der Motorspritze hier im Ort am Sonnabend muss somit als ungenügend bezeichnet werden.
Aus: „Jenaer Volksblatt“ – 41. Jahrgang – Ausgabe 2.09.1930
In der Nacht zum Sonntag 31.08.1930 entstand in Oberpöllnitz ein Großfeuer, dem das gesamte landwirtschaftliche Anwesen des Gutsbesitzers Edmund Jäger zum Opfer fiel. Es kam in den Wirtschaftsgebäuden aus und griff so rasch um sich, dass die erschienenen Feuerwehren sich nur auf den Schutz der Nachbargebäude beschränken konnten. Dem Brand zum Opfer gefallen sind die gesamten Ernte- und Futtervorräte, die Geräte und Maschinen. Das Vieh konnte noch in Sicherheit gebracht werden.
Nachtrag von W. Schuster:
Schon 1931 entstand eine neue Wirtschafteinheit mit neuen Stallungen und darüber eine der modernsten, stabilsten Bauernscheune in Oberpöllnitz mit 2 Auffahrten. Sie gibt es noch in heutiger Zeit.

Für die Bereitstellung der Archivakten danke ich recht freundlich Frau Ruppe von der Stadtverwaltung Triptis.
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 12/2019

Brandkatastrophe bei dem Neubauer Gustav Petzold

Scheunenbrand in Oberpöllnitz 1956
(Eine Protokoll - Nachschrift des Wehrleiters Herbert Wetzel, Oberpöllnitz)
„Heute, am 31.05.1956, 16.15 Uhr, schlug ein Blitz in die Scheune des Siedlers Gustav Petzold ein und dieselbe wurde ein Opfer des Feuers. Nachdem der Alarm ausgelöst war, war innerhalb 4 Minuten die Spritze am Teich auf der Anlegestelle. Es wurden 240 m B-Schlauch und 30 m C-Schlauch ausgelegt und innerhalb 14 Minuten war das Wasser am Brandherd. Nach ca. 8 Minuten konnte auch noch aus einer zweiten Leitung gespritzt werden, welche aus einer Länge von 30 m B-Schlauch und 30 m C-Schlauch gelegt war.
Nachdem die Pumpe 10 bis 12 Minuten lief, setzte ein Zylinder aus und wir konnten nur noch mit der Hälfte der Maschinenleistung arbeiten. Inzwischen kam auch die Nachbarwehr Triptis zu Hilfe und schaltete sich sofort mit ein. Nach ca. 23. Minuten setzte an unserer Maschine auch noch der zweite Zylinder aus. Verbrauch unserer Maschinenspritze: 8 bis 10 Liter Kraftstoff Benzin und ein halber Liter Öl.“
Anwesende Feuerwehr-Kameraden:
Wetzel, Herbert 16.20 bis 21.30 Uhr = 5 Std. 10 Min.
Schumann, Horst 16.20 bis 21.30 Uhr = 5 Std. 10 Min.
Müller, Lothar 16.20 bis 21.30 Uhr = 5 Std. 10 Min.
Serbser, Werner 16.20 bis 21,30 Uhr = 5 Std. 10 Min.
Bockshorn, Rudolf 16.20 bis 21.30 Uhr = 5 Std. 10 Min.
Pichler, Lothar 16.20 bis 21.30 Uhr = 5 Std. 10 Min.
Turetschek, Georg 16.20 bis 21.30 Uhr = 5 Std. 10 Min.
Sonntag, Karl 17.00 bis 21.30 Uhr = 4 Std. 30 Min.
Zahn, Rudolf 19.00 bis 21.30 Uhr = 2 Std. 30 Min.
Nachtwache:
Pichler 21.30 bis 23.00 Uhr = 1 Std. 30 Min.
Zahn 21.30 bis 23.00 Uhr = 1 Std. 30 Min.
Turetschek 21.30 bis 23.00 Uhr = 1 Std. 30 Min.
Schumann 23.00 bis 2.00 Uhr = 3 Std.
Sonntag 23.00 bis 2.00 Uhr = 3 Std.
Bockshorn 23.00 bis 3.30 Uhr = 4 Std. 30 Min.
Wetzel 2.00 bis 7.00 Uhr = 5 Std.
Serbser 2.00 bis 7.00 Uhr = 5 Std.
Müller 2.00 bis 7.00 Uhr = 5 Std.
Nachteinsatz der Triptiser Spritzenmaschine:
von 2.30 bis 3.00 Uhr
von 4.20 bis 4.50 Uhr
von 6.15 bis 6.45 Uhr
Um 3.00 Uhr 10 Liter Benzin und 0,5 Liter Öl bei dieser Maschine aufgefüllt.
gez. Herbert Wetzel, Wehrleiter Oberpöllnitz

Nachtrag von W. Schuster:
Gustav Petzold war ein sogenannter Neubauer und hatte durch die Bodenreform 1946 als Neubauernsiedlung das ehemalige Forsthaus des Rittergutes hinter dem Rundschloss erhalten. Die benannte Scheune war ein abgetrennter Teil der alten Rittergutsscheune. Sie wurde umgehend wieder neu aufgebaut und steht auch heute noch.
Ich danke Jürgen Schneider für die Übergabe der Protokollschrift und Roland Wetzel für seine Genehmigung zur Veröffentlichung.
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 8/2013 - ergänzt 12/2019