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Ein Mord in Oberpöllnitz im Jahr 1754

Entsetzliches Vorkommniss in der Kirchengemeinde Oberpöllnitz:

1755 fand hier die letzte Hinrichtung statt. Das Todenbuch berichtet hierüber Folgendes:

„Am 3. Mai 1754, zur Nacht um 24.00 Uhr, wurde Johann Conrad Mehnert im Bett durch Meuchelmord auf eine grausame Art ermordet. Gebürtig aus Pandersheim, in der pfälzischen Grafschaft Elz. Er war Haar-Zopfmacher und wurde in seinem Haus in Buchpöllnitz ermordet. Er erhielt zwei tödliche Schläge, einen ins Genick und einen auf den Hirnschädel, sowie noch 11 weitere Wunden durch Stiche ins Haupt und 4 in die Seite. Die grausame Tat hat seine Gottlose und in Wollüsten und Hurerei versoffene Frau veranstaltet. Sie hatte diese Tat mit zwei Bösewichtern aus Triptis verabredet. Einem Töpfer, namens Müller, 24 Jahre und Ehemann und einem Ziegler, namens Rudolph. Ein Bursche von 21 Jahren und ledig. Sie wurden in Triptis zum Verhör gebracht. Die gottlose Frau, die Mehnert, sitzt in Oberpöllnitz gefangen und wird ihren Lohn erwarten. Gott strafe doch alle Bosheit, sonst wollt’s der Satan, dass solche unmenschlichen Taten nicht gehört werden. Der entseelte Leichnam des ermordeten Mannes wurde, da niemand curam funeris (Bestattungsfürsorge) auf sich nahm, am 5. Mai mit dem Segen im Alter von 40 Jahren begraben.“
"Am 13. Juni 1755 wurde Anna Christina Mehnert wegen der Mordtat an ihrem Mann durch das Rad in Triptis auf dem Gerichtsberg vom Leben zum Tod gebracht. Sie war ihren Angaben nach eine geborene Naumann aus Kleinpöltzig in der Niederlausitz. Dort wohne und lebe noch ihr Bruder, ein Leinweber und Zopfmacher. Ihre Jugendzeit hat sie übel verspielt. Sie hat ihre Eltern verlassen und ist den Soldaten nachgezogen. Dort hat sie auch ihren Mann, Johann Conrad Mehnert, als gemeinen Soldaten (normaler Soldat) in preußischen Diensten kennengelernt und sich laut ihres Trauscheins ihm antrauen lassen. Danach sind sie beide hierher gekommen und haben sich in Buchpöllnitz ein Haus gekauft. Hier haben sie durch Haar-Zopfmachen ihre Nahrung gefunden und ihr reichliches Auskommen gehabt. Doch die wollüstige Mehnert hat ihr üppiges Leben auch im ehelichen Stand fortgeführt und besonders mit dem Ziegler Rudolph in Triptis Ehebruch begangen. Sie ist sogar mit ihm einig geworden, ihren Mann aus dem Wege zu schaffen. Das hat sie dann nach langer Beratschlagung auch bewerkstelligt, lachend bei dem Tod des Mehnert. Nachdem sie vom 4. Mai 1754 bis zur Exekution gefangen war, hat sie sich auf ihr Ende wohl vorbereitet, sich ihrer Sünde bekannt und herzlich bereut. Sie hat die zuerkannte Todesstrafe mit sonderbarer Freudigkeit und getrostem Mut erlitten. Im Alter von 28 Jahren."

Beide Beiträge entnommen aus den Aufzeichnungen des Oberpöllnitzer Lehrers Herrn Wolf, 1921

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 10/2006