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Schreckliche Tage, aber noch Glück gehabt!

Oktober 1806 - Napoleons Soldaten im Ort

Vor 200 Jahren Plünderung durch die Franzosen und Flucht der Einwohner

"Von den plündernden Franzosen wurde auch unser Dorf heimgesucht. Die Chronik in der Pfarrei berichtet darüber: „1806, am 11.10., fielen die Franzosen hier ein und plünderten alle Häuser. Dabei brannten sie von Johann Gottfried Gareißen, Johann Christoph Keppel und Johann Georg Seiffert Wohnungen nebst Ställe und Scheunen ab.“
Nach den „Schriften wegen der französischen Invasion aus dem Pfarrarchiv zu Schönborn“ flüchteten am 10. Oktober, nachmittags, die Rittergutspächterin von Oberpöllnitz, Frau Johanne Magdalene Christiane v. Schauroth, geb. v. Pflugk (2.8.1757 in Crimla – 10.2.1810 in Oberp.) mit ihrer Tochter und der hiesige Herr Pfarrer Liebe und Frau mit 4 Kindern und Magd zum Pfarrer nach Schönborn.

(W.Sch.- Pächter der RG-Ökonomie war ursprünglich der Ehemann Heinrich Friedrich Wilhelm v. Schauroth (9.05.1750-23.10.1804), herzogl. sachsen-coburg-saalfelder Kammerjunker und Oberforstmeister, Erb-, Lehn-, und Gerichtsherr auf Oberröppisch, zuletzt auf Dürrenebersdorf. Das Paar hatte 6 Kinder und die jüngste Tochter Louise Henriette Christiane, geb. 10.09.1796, war noch bei der Mutter in Oberpöllnitz.)

Weil das sächsische Lager vor dem Walde stand (nördlich von Mittelpöllnitz) und sich bei Geroda durch den Wald zurückzuziehen anfing, wähnten die Franzosen sie in der Nähe von Schönborn. Und nun rückte schon abends, zwischen 18.00 und 19.00 Uhr, eine französische Husarenschwadron in der stillsten Stille in Schönborn ein. Der Pfarrer ließ Tür und Tor öffnen und gab ihnen alles was er hatte. Weil er aber nicht 100 Friedrichsdor zahlen konnte, sollte er als Geisel mitgenommen werden. In diesen Augenblicken hörte man Schüsse von der Wittchensteiner Höhe. Worauf sie zueilten, ohne sich weiter um den Pfarrer zu kümmern. Bald darauf kamen weitere Soldatengruppen angerückt.
Mit einem Male war das Dorf voll Feinde. Erschreckt flieht der Pfarrer nachts gegen 23.00 Uhr mit Frau von Schauroth und Tochter und mit der Oberpöllnitzer Pfarrerfamilie zu Walther´n nach Ottmannsdorf. Morgens gingen sie ins Waldhaus (in den Friesentälern), wo sie zu bleiben gedachten. Wo sie aber nachmittags gegen 16.00 Uhr ein Rumoren wieder vertrieb und sie in einem Dickicht bei Unterrenthendorf zu übernachten nötigte. Sonntag, den 12. Oktober, gingen sie bei dichtem Nebel nach Ottmannsdorf. Pfarrer Liebe mit den Seinigen ging zu Michael Bergner, während der Schönborner Pfarrer von Herrn Rachlitz aufgenommen wurde. Bis zum 13.10. blieb es hier ruhig. Nachmittags kam ein sächsischer Leutnant Hacker mit einem gemeinen Dragoner zu den Flüchtigen. Beide waren der französischen Gefangenschaft entflohen. Mit den Flüchtigen, sie wurden abends dann von hier vertrieben, entfliehen in Gemeinschaft, der Karlsdorfer Pfarrer Gäbler u. der Schulmeister Steiner aus Kopitzsch nach Neustadt, wo sie vor Mitternacht 24.00 Uhr vor der Stadt ankommen. Doch sie durften sich wegen der vielen Franzosen darinnen nicht hineinwagen.
In der vom Feinde geplünderten Walkmühle bei Molbitz wärmten sie sich, bis es tagte. Von hier aus flüchtete der Schönborner Pfarrer (Ob mit den Oberpöllnitzer Flüchtlingen ist nicht ersichtlich, denn er schreibt „ getrennt von unserer Gesellschaft “) zunächst nach Alsmannsdorf und dann wieder nach dem Waldhaus zurück. Hier hielt er sich noch bis zum 20. Oktober auf. An diesem Tage brachte ihn der Johann Michael Müller in die Pfarrei nach Schönborn zurück, die er in einem schaurigen Zustand antraf."

 

Zwischenbemerkung:

Der preußische General Fürst v. Hohenlohe-Ingelfingen plante ursprünglich die "Große Schlacht" gegen die Armee Napoleons im Raum Geroda-Porstendorf-Mittelpöllnitz-Oberpöllnitz-Triptis-Döblitz zu führen. Die überschlagenden Ereignisse und Abläufe des Aufmarsches veränderten die Planungen und es kam zur erzwungenen Schlacht von Jena-Auerstedt.


 

Das preußische Lager bei Mittelpöllnitz: 10. Oktober 1806

Im preußischen Hauptquartier wurde am 6. Oktober beschlossen, den Thüringer Wald und die Saale nicht zu überschreiten. Hohenlohe (preußischer General Fürst v. Hohenlohe-Ingelfingen) sollte die Saale von Kahla bis Rudolstadt besetzen. Trotz dieser Abmachung überschritt Hohenlohe schon am 9. Oktober die Saale und wollte seine Truppen bei Mittelpöllnitz sammeln. Das Lager bei Mittelpöllnitz war am Mittag des 10. Oktober 10 - 11000 Mann stark. Die Tauentzienschen Truppen (benannt nach dem preußischen General Graf v. Tauentzien), die von Hof aus, ohne sich in ein ernstes Gefecht einzulassen, über Triptis nach Naumburg zurückgehen sollten, wurden am 9. Oktober von der Hauptmacht des französischen Heeres bei Schleiz geschlagen. Sie zogen sich zurück und erreichten, ohne geringste Verfolgung seitens der Franzosen, abends 19.00 Uhr, Auma. Trotzdem marschierten sie auf Triptis weiter. Nur 9 Kompanien waren auf dem Rückzug nach Neustadt gekommen und eine kleine Abteilung Husaren nach Oppurg. Die in Triptis liegenden Tauentzienschen Truppen verließen in der Nacht zum 10. Oktober die Stadt und flohen in das Lager bei Mittelpöllnitz.
Erst bei Pöllnitz bezog man ein Lager hinter dem sächsischen Korps! Am 10. Oktober, nachmittags 14.00 Uhr, begann der Abmarsch derselben nach Roda zu. (Stadtroda)

Aus dem Nachlass des preußischen Oberst Ludwig von der Marwitz, Adjutant bei dem preußischen General Fürst v. Hohenlohe-Ingelfingen, über das preußische Lager bei Mittelpöllnitz ist zu lesen:
„Bei Mittelpöllnitz sah es verwunderlich aus. Ohne angerufen zu werden, gelangte man mitten unter das sächsische Korps, dessen Anführer auf die Erkundigung nach den getroffenen Sicherheitsmaßregeln erwiderte, er habe darüber Befehle des Fürsten erwartet und einstweilen Vorposten aufgestellt. Diese bestanden indes aus einer Kette von Infanterie-Schildwachen, etwa 20 Schritt von der Linie, von denen obendrein viele zu ihren Bataillonen zurückgekehrt waren. An eine militärische Aufstellung des Korps war nicht zu denken, denn die ganze Masse befand sich dicht aufeinander gepackt, als wenn es sich um Spezial-Revue handele. Freilich konnte es kaum anders sein. Die Stellung von Mittelpöllnitz, dieses Paradepferd des preußischen Oberst von Massenbach, Stabschef bei v. Hohenlohe - das er freilich niemals gesehen, sondern nur auf der Landkarte gefunden - hatte zwar eine der Verteidigung nicht ungünstige Front, aber nur 500 Schritt Tiefe. Dahinter befand sich dichter Wald, durch den nur zwei schmale und schlechte Wege führten. Würden die Truppen bis an denselben zurückgedrängt, so konnte die vollständige Niederlage nicht ausbleiben. Ein einziges Kavallerie-Regiment wäre ausreichend gewesen, das Ganze auseinander zu sprengen. Der sächsische General von Zezschwitz befand sich körperlich wie geistig in einer Verfassung, die ihn für den Augenblick unzurechnungsfähig machte. Als ich nach Mitternacht aufbrach, um nach Jena zurück zukehren und seine etwaigen Befehle erbat, kannte er mich nicht. Obwohl ich seit 12 Std. kaum von seiner Seite gekommen bin. Er äußerte zuletzt: „Sagen Sie dem Fürsten (v. Hohenlohe), dass ich nicht mehr aus und noch ein weiß." Unter solchen Umständen muss es als ein ganz besonderes Glück betrachtet werden, dass die Anwesenheit der Sachsen der Aufmerksamkeit der französischen Reiterführer entging. Eine Katastrophe wäre sonst bereits an diesem Tage unausbleiblich gewesen!"

Beide Beiträge entnommen aus den Aufzeichnungen des Oberpöllnitzer Lehrers Herrn Wolf, 1921

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 1/2006, akt. 4/2017