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Das tragische Ende eines Oberpöllnitzer Einwohners

Grenadier Gottlob Uhde aus Oberpöllnitz - ein Märtyrer der königlich-sächsischen Armee 1815?

Ein Zufallsbücherfund im Berliner Wissenschafts-Verlag erhellt diese unglaubliche Begebenheit! (1)
Kurzinformation des Rückumschlages:
„Am 6. Mai 1815 ließ der preußische Feldmarschall Blücher 7 sächsische Grenadiere wegen angeblicher Meuterei erschießen. Da in Wien noch über die Aufteilung Sachsens und seiner Soldaten zugunsten Preußens verhandelt wurde und es erst am 18. Mai zur Unterzeichnung eines Teilungsvertrages kam, lehnten sich die sächsischen Soldaten gegen ihre vorzeitige Einreihung in die Armee Preußens auf. Sie verlangten die vorherige Entbindung von ihrem Fahneneid durch ihren König. Obwohl ihr Widerstand gegen die Zumutung eines Eidesbruches rechtmäßig war, kam es vor Blüchers Lütticher Quartier zu strafbaren Widerstands-Exzessen, die von preußischer Seite mit Straf-Exzessen beantwortet wurden.
Diese auf Archivstudien in Berlin und Dresden basierende Arbeit schildert in präziser anschaulicher Weise nicht nur die Ereignisse in und um Lüttich. Sie beschreibt auch die Vor- und Nachgeschichte dieser 'unheimlichen Katastrophe' (Treitschke) und bezieht überdies deren publizistisches, literarisches und wissenschaftliches Echo bis zum Jahre 2002 ein.“ (1)

Politisch-militärische Situation 1815:
Der König von Sachsen Friedrich August I. (1750-1827) wurde nach der Völkerschlacht von Leipzig in preußische Kriegsgefangenschaft nach Berlin gebracht. Und da Sachsen 1813 noch einmal auf die Seite Napoleons getreten war, sollte das Königreich ursprünglich aufgelöst und zum großen Teil dem Königreich Preußen einverleibt werden. Die königlich-sächsische Armee wurde im April 1814 teilweise entpflichtet. Teile der nicht entlassenen sächsischen Soldaten, vor allem die sächsischen Linientruppen und das Grenadierregiment, wurden zum neuen sächsischen Korps zusammengefügt (ca. 14000 Mann) und dem neu gebildeten III. Deutschen Armeekorps zugeordnet. Auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) marschierte das sächsische Korps im Frühjahr 1815 in den Raum Lüttich und wird am 19.04. der Oberbefehlsgewalt des preußischen Feldmarschalls Fürst v. Blücher (1742-1819) unterstellt und von ihm dem II. Preußischen Armeekorps zugeordnet. Blücher betrieb in Abstimmung mit der politischen und militärischen Führungsebene die Teilung des sächsischen Armeekorps und deren Teilvereinnahmung in die preußische Armee. Da der König von Sachsen Anfang Mai 1815 dem noch nicht zustimmen wollte, waren auch seine Grenadiere nicht bereit ihren königlichen Fahneneid zu brechen und „preußisch“ zu werden. Die Stimmung unter den Soldaten und Offizieren war angespannt.
Am 2. Mai 1815 kam es deshalb in den sächsischen Grenadier-Bataillonen zu Revolten und Tumulten vor Blüchers Hauptquartier in Lüttich, die mehrere Stunden andauerten. Blücher und seine Stabsoffiziere waren gezwungen, das Hauptquartier zu verlassen. Daraufhin wurde das sächsische Grenadierregiment vom 4. bis 6. Mai aus dem Raum Lüttich abkommandiert, am 6. Mai entwaffnet und aufgelöst. Die Regimentsfahne wurde eingezogen, sieben der angeblichen Rädelsführer hat man ohne Gerichtsverfahren sofort vor Ort erschossen und 30 Gardisten wurden mit mehreren Offizieren nach Spandau zum Festungsbau abgeführt. Die Regimentsfahne wurde am 9. Mai verbrannt. (W.Sch.)

„Erstmalig erfahren wir aus diesem Buch, die Namen und Herkünfte der erschossenen Aufrührer. Unter den sieben Erschossenen war auch der 22-jährige Grenadier Gottlob Uhde aus Oberpöllnitz bei Neustadt a.d. Orla. Er hatte schon drei Jahre gedient und an den letzten Kampagnen teilgenommen. Über seine Familie war zunächst nichts bekannt. Sein ehemaliger Nebenmann erklärte, dass der Name Uhde wahrscheinlich die volkstümliche Form von Otto war. In Oberpöllnitz stellte sich später heraus, dass er verheiratet war und zwei minderjährige Kinder hatte.
Nach der Rückkehr des sächsischen Königs Friedrich August I. am 7. Juni 1815 aus seiner Gefangenschaft wurden die bei Sachsen verbliebenen Garde-Grenadiere am 27. Juni 1815 in Leipzig sogar „mit Triumph“ empfangen. Die Erschossenen wurden inoffiziell zu Märtyrer der königlich-sächsischen Armee erhoben. Es wurde ein Beschluss zur Sammlung für die Witwen und Waisen der erschossenen Grenadiere gefasst.
Die Sammlung ergab 1765 Reichstaler, 8 Groschen und 327 Kassenbillets. Der gemeine Soldat erhielt damals als Sold im Monat etwas über 2 Taler. Ob der König damals gegen die Erschießung protestierte, ließ sich nicht ermitteln, doch die Königin spendete als Erste 200 Reichstaler. Die Spenden wurden bis September 1815 an die Hinterbliebenen ausgezahlt. Die Witwe Uhde aus Oberpöllnitz erhielt mit ihren zwei Kindern mit 316 Reichstalern und 50 Kassenbillets die höchste Summe.
Doch inzwischen sind die „Märtyrer“ aus Sachsen völlig vergessen. Nichts erinnert heute noch, auch nicht in Oberpöllnitz, an den königlich-sächsischen Grenadier Gottlob Uhde.“ (2)

Literaturhinweis:
(1) „Die Saxen sind Besien“ von Gerhard Kunze, Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH, 2004
(2) Zuschrift des ehem. Historikers Rolf Walker (†), Bad Dürrenberg

Stammfolge „Uhde“ wird noch erstellt!
Für die Genehmigung der Bilderverwendung danke ich dem Stadtarchiv Bad Dürrenberg recht herzlich.

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 6/2011, akt. 4/2017

 

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