website security

"Solange Welten stehen, solange Menschen sind, werden Mühlenräder gehen - durch Wasser, Dampf und Wind! "

Mühle in Mühlpöllnitz in Vorderansicht und ihrem Zufahrtsweg.

Rittergutsmühle Mühlpöllnitz Teil I.
Zu den ältesten Mühlen der Region zählt ohne Zweifel auch die ehemalige Rittergutsmühle von Oberpöllnitz. Sie befindet sich unweit des Ortes, im östlich gelegenen Ortsteil Mühlpöllnitz und wurde vom Pöllnitzbach angetrieben der die hiesige Pöllnitzsenke durchfließt. Diese Senke zwischen Triptis und Weida beginnt bei Triptis bzw. auch östlich der Miesitzer und Haslaer Höhenzüge und verläuft über die Pöllnitz - Dörfer nach Osten in Richtung Weida bis zu den Höhen östlich des Aumatals. Der Pöllnitzbach der dieser Senke den Namen gab, entspringt in heutiger Zeit nordwestlich von Oberpöllnitz. Die Mühle in Mühlpöllnitz gehörte über Jahrhunderte zum Rittergut Oberpöllnitz und wurde in Lehen und Erbpacht vergeben. Sie war eine Mahl- und Schneidemühle.
Zu der Mühleninspektion im Neustädter Kreis am 24.12.1682 wurde vom Arnshaugker Amtmann Reinmann auch die Mühle in Mühlpöllnitz geprüft. Demnach war diese Mühle auch eine Kundenmühle, galt es doch, für jeden Scheffel gemahlenes Getreide von den Mahlgästen eine bestimmte Summe für den Kurfürsten zu kassieren. Es wurde also das Maß (Gemees) kontrolliert und auch die erforderliche, getrennt geführte Geldbüchse, die mit einem Schloss zu versehen war. Da in alter Zeit verschiedenes Maß in Anwendung kam, sollte mit dieser Inspektion einheitlich auf Dresdner Gemees umgestellt werden. In der Dresdener Akte von 1682 heißt es: "Mühlpölnizermühle, dem von Pölniz zu Oberpölniz, Triptizer Gemees“ . Das ist die erste sichere Standorterwähnung, wobei klar ist, dass das Alter dieser Wassermühle mindestens 200-300 Jahre vorverlegt werden kann. Die Döhlenmühle im Weidatal wurde beispielsweise schon 1260 erwähnt. Der bekannte Mühlenhistoriker unserer Region, Herr Lothar Steeger (†) aus Goßwitz b. Saalfeld, schreibt in seinem OTZ-Artikel vom 9.8.2004 über die Mühle in Mühlpöllnitz, dass ein 1592 geborener Müller Andreas Zauge 1620 auf der Mühle tätig war. Weitere Nachforschungen werden mit Sicherheit noch neue Erkenntnisse liefern und später im Teil II. noch angeführt.
Über Müller und ihre Mühlen gab und gibt es viele Geschichten, Lieder, Lebensweisheiten und Sagenschätze. Der Müllergruß "Glück zu" gibt uns heutigen Zeitgenossen kaum noch zu verstehen, mit welchem harten Los die Menschen in alter Zeit zu kämpfen hatten. Denn nicht nur das Untertanenleben, die Not und der Krieg waren oft ein schweres Schicksal, Müller waren auch immer vom Wetter abhängig. Gab es Wasser, konnte gemahlen werden, gab es Wind, konnte gemahlen werden. Deshalb war folgender Leitspruch überlebenswichtig: "Nutze die Zeit, nicht immer steht das Wasser oder der Wind bereit!“ Und diese Naturelemente stehen eben oft auch nur an Sonntagen oder des Nachts der Nutzung zur Verfügung. Das bedeutete, dass der Müller auch zu unbilliger, unchristlicher Zeit mahlen musste. Natürlich war dieses Schaffen in früheren gläubigeren Zeiten, auch abergläubischen Zeiten, ein Nährboden für Verdächtigungen, Unterstellungen oder Witzeleien aller Art. Selbst der Teufel wurde mit dem Müllerhandwerk in Verbindung gebracht. Grund also für den schlechten Ruf des Müllerhandwerks im Allgemeinen. Der Müller der Volkssage ist wohlhabend, geizig, geschäftstüchtig und hat mit dem Teufel einen Pakt geschlossen. Im Besonderen natürlich noch bedingt durch die abseitige Lage von den Dörfern, der Geschäftstüchtigkeit der Müller, der Beherbergung von wandernden Gesellen und losen Frauenzimmern, später noch der Ausschank von Bier und Schnaps. Da gab es auch einmal diesen oder jenen Mahlgast, der geneigt war länger zu verweilen oder der auch später nach Hause kam. Natürlich konnte man es auch positiv sehen. Die Mühle war auch ein Kommunikationsort für die Bauersleute. Hier erfuhr man Neues, konnten Erfahrungen ausgetauscht werden, traf Bewohner anderer Orte, konnten Heiratsabsprachen getroffen werden und vieles mehr. Bedingt durch den nicht immer vorhandenen Wind, kamen die Leute erst recht bei Wind und mussten dann oftmals warten bis sie an die Reihe kamen, um ihr Mahlgut loszuwerden oder zu empfangen. Auch das Wasser war nicht immer da, trotz großer Teiche. Deshalb war bei den kleineren Wassermühlen der Mühlenbetrieb oft eine Nebensache. Sie lebten mehr vom Ertrag der Landwirtschaft.
Die persönliche und territoriale Abgerücktheit vom Dorfalltag, der Müller brauchte z. B. in der Regel keine Fron auf dem Rittergut leisten oder sich zum Kriegsdienst bereit zuhalten, bedingte eine gewisse Sonderstellung, die sich auch in Besonderheiten bei der Verheiratung der Söhne und Töchter darstellte. Herr Lothar Steeger hat in seinen über 130 Mühlenbeschreibungen sehr eindrucksvoll nachgewiesen, wie zahlreich verwandt, verschwägert und verheiratet die Müller untereinander waren. Es war wie in anderen Berufszweigen auch und bei den echten Müllern selbstverständlich, dass sie sich ihre Frauen aus Müllerfamilien nahmen. So auch bei den Schäfern, Leinewebern, Scharfrichtern u.a. Wie ist das zu erklären? Das hat etwas zu tun mit der Mittelalterlichen Unehrlichkeit, ein Auswuchs der ehemaligen Ständegesellschaft. Die Unehrlichkeit umfasste einen Personenkreis, der aufgrund seiner Herkunft, wie auch unehrlicher Geburt oder seines Gewerbes in Verruf steht. Wer gehörte zu den verfemten Berufen? Darunter zählten Müller, Schäfer, Fleischer, Leineweber, Bader, Barbiere, Henker, Scharfrichter und einige andere.
Müllersöhne wurden zum Beispiel in den Zünften der Guten Gewerke nicht aufgenommen. Auch dadurch ergab sich der Zwang der Verheiratung im eigenen beruflichen Umfeld. Natürlich bestimmte auch die wirtschaftliche Vernunft einen bestimmten Verhaltenskodex und spielte die Tradition des Berufsstandes eine nicht unerhebliche Rolle. Jedoch, die Mühlenpächter und auch die Erbpachtmüller hatten es nicht immer leicht. Die Kurfürstliche Mühlenordnung von 1560 enthielt jede Menge Festlegungen zum Mühlenbau und zu wasserrechtlichen Fragen. Dazu kamen für die Pächter von Rittergutsmühlen neben den üblichen Aufgaben als Lehnsnehmer noch strenge Auflagen durch die Lehnsherren. So zum Beispiel, dass er alles Mahlgut für das Rittergut, ohne Mahlgroschen zu verlangen, zu mahlen hat oder dass er keine Mahlgäste bediene, die nicht zu dem vom Lehnsherrn bestimmten Kreis gehörten. Oder, dass er alles vom Rittergut benötigte Bauholz, Bretter, Latten, Pfosten etc. umsonst zu schneiden hat, das Wehr, den Mühlgraben und das Wasserrad auf seine Kosten instand zu halten hat usw. Laut Innungsbrief der Müllerinnung Triptis, von 1903 bis 1923 sogar eine Müllerzwangsinnung, durften auswärtige Müller nicht mit Gespann in der Stadt Getreide abholen bzw. Mehl anliefern. Weitere Belastungen ergaben sich aus den zahlreichen Abgaben an die verschiedensten Herren und Institutionen. So hatten Lehnsherren unter anderem folgende Einnahmen:
- Sterbegeld von den Erben, wenn der Besitzer verstorben war.
- Kauflehngeld (10 %) bei Verkauf des Gutes, zu fordern vom Käufer und Siegelgeld, oft 1 Taler.
- Amtszinsen, Erbzinsen, Hufengeld, Müllergeld, Brettschneidezins, Frongeld, Jagdgeld, Kalbgeld, Pfluggeld, Schafschergeld, Zinshafer, Zinshühner und noch andere Festlegungen.

Doch nicht genug, der Untertan hatte auch noch den Landesherrn zu bedienen, den Kirchenzehnt zu entrichten und verschiedene Abgaben an den Pfarrer, den Lehrer und an die Dorfgemeinschaft zu leisten. Und der Leitspruch der damaligen Obrigkeit war: „Zinsschulden sind doppelte Schulden!“ Schon deshalb muss man aus heutiger Sicht verstehen, weshalb es diese oftmaligen Wechsel der Mühlenbetreiber gab. Ausnahmen wie 100-jähriger Familienbesitz gab es natürlich auch. Ein Vorzugsmoment für das Bestehen war der jahrhundertealte, so genannte Mühlenfrieden. Er gewährte einen besonderen Schutz für eine Mühle und seine Bewohner. So auch für Wanderburschen, Reisende, Hilfesuchende und das Recht des Müllers auf Beherbergung derselben.
Welche Einnahmen ergaben sich für den Müller? In der Regel erhielt er in der Alten-Zeit als Mahllohn von 1 Scheffel Mahlgut den 16. Teil. Das war 1 Metze. Das ist ein Hohlmaß und damit eine bestimmte Getreidemenge. 1 Scheffel = 4 Viertel = 16 Metzen! Da in den einzelnen Herrschaftsbereichen die alten Maße sehr verschieden gehandhabt wurden, ein Beispiel für den Scheffel, Dresdner Gemees: 1 Scheffel = 103,83 Liter, demzufolge hatte 1 Metze = 6,49 Liter. Nach Weidaer Gemees 1 Scheffel = 112,94 Liter und in Weimar 1 Scheffel = 75,29 Liter.
Bessere Einnahmen ergaben sich später bei Genehmigung einer Backstube oder des Ausschankrechtes, durch spezialisierte industrielle Produktion oder durch Erweiterung des bäuerlichen Hofes. Die Abschaffung des Lehnwesens, der Frondienste und des Mahlzwanges in den Jahren 1830 bis 1870, in den Thüringer Fürstentümern und im Kursächsischen überall verschieden, brachte große Erleichterungen für den Müller, für die Bauern und Dorfbewohner allgemein und Erbpachtgrundstücke konnten nun auch in Eigentum umgewandelt werden. Ein neuer Konkurrenzdruck auf den Wassermüller entstand durch den verstärkten Bau von Windmühlen. In fast allen hiesigen Orten wurden nach 1800 Anträge für den Bau solcher Windmühlen gestellt. Im Triptiser Raum von 1800 bis 1840 über 10 Anträge. Nicht alle wurden bewilligt, doch zeigt die Umgebung eine stolze Zahl derer an und beweist, dass die Höhenzüge des Orlatales geologisch bedingt eine vorteilhafte, nutzbare Windschneise bilden. Im Außenbereich der Stadt Triptis gab es drei Windmühlen. Eine davon, die Oberpöllnitzer Turmwindmühle, wurde 1829 vom Mühlpöllnitzer Wassermüller Johann Gottlieb Feustel neu errichtet und zur Nutzung verpachtet. Damit bin ich wieder bei den Mühlpöllnitzer Müllern angelangt und werde im folgenden Teil II. diese Mühle speziell betrachten.
"Dort unten in der Mühle saß ich in süßer Ruh und sah dem Räderspiele und sah dem Wasser zu."
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 5/2005 - akt. 6/2017

Müller- u. Bäckerordnung für Gera 1842


Mühle Mühlpöllnitz in einer Gesamtansicht
Im Vordergrund der zugewachsene Mühlteich. Das rechte große Gebäude ist das vom Mühlenbesitzer Scheibe nicht fertig technisierte neue Mühlengebäude. Es wurde später von der LPG zum Schroten von Futtergetreide eingerichtet. Zwischen diesem Neubau und dem alten Mühlenhaus links mit weißem Giebel, lief das oberschlächtige Wasserrad.

Die Rittergutsmühle in Mühlpöllnitz Teil II. und ihre Müllermeister
Die slawische Namensform „polnica“ gab nicht nur dem vorhandenen Bach den heutigen Namen „Pöllnitz“, sondern auch der von ihm durchflossenen Senke und mehreren Ansiedlungen und Dörfern. Typisch für die Pöllnitzsenke und ihre Seitentäler ist der Wasserreichtum und waren unzählig viele Teiche, Wasserläufe und Sumpfwiesen in der Vergangenheit präsent. Vergleicht man älteste Gebietskarten mit den heutigen topografischen Landkarten, ist das Ergebnis der jahrhundertjährigen Rodungs-, Trockenlegungs- und Meliorationsmaßnahmen unschwer zu erkennen. So hatten die Mühlen am Pöllnitzbach auch in der Zeit danach noch immer genug Wasserreserve. Mühlpöllnitz wurde unmittelbar mit Wasser versorgt durch den Mühl-, Loh-, Kälber- und Großenteich, durch die drei Teiche im Dorf Oberpöllnitz und durch die vier "Krähenteiche". Dieser vorhandene geografische Zustand und die hohe Besiedlungsdichte mit adligen Rittergütern (RG), bedingte auch den zahlreichen Aufbau von Mühlen der verschiedensten Bauarten. Auch in unserer Heimat waren Mahlmühlen im frühen Spätmittelalter existent. So wird z. B. schon 1309 die Rothenmühle in Weida zu Lehen des Gerung de Polnicz in den Urkundenbüchern der Vögte von Weida erwähnt. Der verdiente Mühlenforscher Lothar Steeger aus Goßnitz hat in über 130 historischen Mühlenberichten in der Ostthüringer Zeitung (OTZ) auch unsere Rittergutsmühle in Mühlpöllnitz im August 2004 beschrieben. Leider sind darin einige kleine Recherchefehler vor allem zu den Rittergutsbesitzern versteckt, die ich berichtigen möchte, da ich am Ende seines Artikels mit genannt werde. Die Mühlenbesitzer waren bis in die Zeit der endgültigen Lehnsablösungen 1870 (Siehe Teil I.) immer die Rittergutsbesitzer von Oberpöllnitz. In dieser Arbeit werde ich auf die adligen Besitzer nicht weiter eingehen, sondern verweise auf meine erarbeitete und erstmalig veröffentlichte RG-Besitzerlegende und deren Zeittafel, abrufbar auf meiner Webseite "Das Schloss Oberpöllnitz".
Nach 1870 ging die Mühle in das Eigentum des damaligen Pachtmüllers über, das war die Familie Marx. Zuvor waren unsere Müller ab ca. 1700 Erbpachtmüller, in den alten Niederschriften auch als Eigentumsmüller bezeichnet. Das heißt, sein Nutzungseigentum war vererbbar, doch musste er dafür einen jährlichen Erbzins an den Lehnsherrn bezahlen. Die Instandhaltungen von Haus und Hof, der Mühleneinrichtungen und des Wehres waren ebenfalls vom Erbpachtmüller auf eigene Kosten zu begleichen. Zur Mühlenart, ihrer technischen Ausrüstung und ihres Entwicklungsprozesses verweise ich auf die 4 detailreichen Zeitungsartikel des Herrn Steeger vom 9.–12.08.2004 in der "Ostthüringer Zeitung" (OTZ). Ich möchte hier nur auf die Müllerfamilien eingehen. In den Mühlenpublikationen der neueren Zeit fällt auf und das zeigt sich auch an der Mühlpöllnitzer Mühle und deren Pächter, dass sich gewisse Müller-Familiendynasten bildeten und über längere Zeit existent waren. Ich verweise auf Teil I. und der kurzweiligen Begründung zu dieser sich herausgebildeten Besonderheit. Die Namen Schröter, Stöckigt, Feustel, Marx, Scheibe, Hößelbarth … sind historisch in unserer nahen und weiteren Umgebung beständig präsent. So gab es u.a. die Schröter-Generationen auf der Neumühle b. Hohenleuben, auf der Lochmühle b. Reichenfels, auf der Kucksmühle b. Langenwetzendorf oder auf der Fuchsmühle b. Mosen. Ebenso auf der Matthäusmühle und Katschmühle in Weida und auf verschiedenen Mühlen um Gera. Ein Ernst Schröter, Mühlenbaumeister aus Triptis, hatte 1930 in der Franzenmühle b. Staitz ein neues mächtiges Wasserrad eingebaut und 1956 letztmalig einen Wasserrad-Neubau in der Erzmühle b. Staitz vorgenommen. Stöckigt-Familien gab es auf der Pfortenmühle, Matthäusmühle und Katschmühle in Weida oder auch auf der Sichelsmühle b. Weißendorf. Scheibe auf der Reißigsmühle b. Weckersdorf und auch auf der Wiebelsdorfer Mühle. Marx auf der Katschmühle in Weida, auf der Thomasmühle in Oschitz, in der Leitlitzmühle oder auch auf Mühlen um Gera. Die hier genannten Familien treten auch in unserer Rittergutsmühle, der späteren "Scheibemühle", in Erscheinung. Folgende Mühlenpächter/-besitzer sind mir zurzeit bekannt:

- Müller Andreas Zauge - geb. 1592
Er hatte 1620 zusammen mit den Knechten des Gutes in der Mühle gearbeitet. (lt. Steeger)

- Müller? Jobst Ludwig Jacob Wittich und Frau Dorothea zu Mühlpöllnitz (AHbA, B 2.0, Bl. 342, 1624)

- Müller Martin Heselbarth - Sohn des Müllers Andreas Heselbarth auf der Mittelmühle Grochwitz wird 1670 auf der Mühle in Mühlpöllnitz genannt (ThHStAW, Nachlass Keller)

- Meister Georg Arzt - ehemaliger Müller auf der Teichmühle Auma wird 1681 auf Mühlpöllnitz genannt. Er verkaufte einen Teich in der "Wolge". (AHbA B 9.1, Bl. 195) Im Blatt 10 wird er noch zusammen mit seinem Schwiegersohn Paul Barthol 1669 u. 1671 auf der Mühle zu Auma genannt.

- Nicol Auerfurth wird 1694 u. 1719 als Müller genannt. (Quatembersteuer 1694 u. 1719 Oberpöllnitz)

- Meister Hans Schröter - geb. 1683, verh. mit Maria Regina, geb. Maut, 1 S. und 1 T.

- Meister Johann Christoph Schröter I. - Eigentumsmüller, geb. 1724, verh. 1746 mit Maria Elisabeth, geb. Lippold, geb. 1729, 1 S. und 3 T.

- Meister Johann Christoph Schröter II. - Eigentumsmüller, geb. 1748, gest. Herbst 1810, verh. 1810 mit Johanna Dorothea, geb. Hommel, geb. 1783, keine Kinder. Am 24.11.1773, wahrscheinlich nach des Vaters Tod, vom RG-Besitzer mit der Mühle belehnt. Dazu am 12.4.1775 noch ein Feld der Größe von ½ Acker unterhalb der Mühle. (1 Weidaer Acker = ca. 2 Morgen = 0,553 ha )
Die Johanna Schröter führte nach dem Tod ihres Mannes noch einen jahrelangen Rechtsstreit 1811 – 1815 mit den Schröter-Schwestern, der mit einem Vergleich endete. (ThHStA Weimar)
2. Ehe:
- Meister Johann Gottfried Stöckigt - Eigentumsmüller, schon 1815 verstorben, verh. 1812 mit Johanna, verw. Schröter, 1 Tochter
3. Ehe:
- Meister Johann Gottlieb Feustel - Eigentumsmüller, geb. 1780, möglich aus Kopitzsch, verh. 1816 mit Johanna, verw. Stöckigt, 4 Töchter
Meister Feustel hatte 1829 die Turmwindmühle Oberpöllnitz neu wieder errichtet und diese im Okt. 1831 an Müllermeister Johann Christian Kirmse aus Ronneburg verpachtet. Doch es kam zu Unstimmigkeiten wegen der Pacht. Feustel übernahm wieder selbst und verkaufte die Mühle 1835 an Christian Friedrich Zießler. 1876 wird Ernst Zabel als Mühlenbesitzer genannt.

- Meister Karl Gustav Marx - als Mühlenbesitzer seit ca. 1870 bekannt. Er war auch Mitglied der Triptiser Müllerinnung und hatte die Mitgliedsnummer 58. Verheiratet mit Pauline Emilie Staps aus Oberpöllnitz. Bekannt ist eine Tochter Helene Ottilie.

- Meister Albin Gustav Scheibe - aus Wiebelsdorf, heiratete 1899 die Tochter Helene und trat mit in die Mühle ein. Vater war der Müllermeister Johann Karl Gottfried Scheibe. Aus dieser Ehe ist der Sohn Fridolin Albin Kurt bekannt, geb. am 30.01.1900, gest. 1959. 1906 verließ Albin Scheibe jedoch für immer Frau und Sohn und zog mit seinem Busenfreund Hempel aus Oberpöllnitz in die Fremde.
2. Ehe:
- Meister Albin Steinmetzger - Müller und Landwirt aus Kleinbernsdorf, heiratete 1907 die Helene Scheibe. Er stammte aus einer weitverbreiteten Müller- und Bäckerfamilie im Großraum Gera. Bekannt sind die Kinder Sohn Herbert und Tochter Irmgard. Herbert starb 1950 als Landwirt im Harz. Irmgard, verh. König, verw. Börner wohnte noch 2005 in Gera, als ich mit ihr sprechen konnte. Albin Steinmetzger kümmerte sich mehr um die zur Mühle gehörende Landwirtschaft und Stiefsohn Fridolin Scheibe sowie Opa Marx betrieben den Mahlbetrieb. Nach dem Tod von Marx leitete Fridolin Scheibe die Mühle alleine. Albin Steinmetzger starb 1918 und seine Frau Helene 1914.

- Meister Fridolin Scheibe - heiratete in 1. Ehe Ida Löffler aus Nitschareuth. Sie starb 1949 und die Ehe blieb Kinderlos.
In 2. Ehe heiratete er Johanna Oemler, geb. Schulz aus Erfurt. Sie zog 1952 mit ihren zwei Töchtern aus 1. Ehe, Hannelore und Marlis, zu Fridolin in die Mühle. Ihre Oma Schulz wohnte in Triptis und Johanna Oemler weilte nach einem Bombenangriff 1944 bei ihr in Triptis. Dort hatte sie im Luftschutzkeller die Irmgard Steinmetzger kennengelernt, die ihr zusicherte, in der Mühle Brot und Milch für ihre Kinder holen zu dürfen. So lernte die Frau Fridolin kennen. Nach dem Abriss 1946 der alten Schneidemühle nebenan ließ Fridolin 1947 ein neues großes Mühlengebäude errichten. Das zog sich bis 1952 hin, doch der Meister konnte aus finanziellen Mitteln die Mühle nie ausstatten und in Betrieb nehmen. 1953 trat er mit seinem Landwirtschafts- und Mühlenbetrieb in die neu gegründete Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Neues Leben“ Oberpöllnitz als Mitglied ein. Fridolin Scheibe starb 1959 und wurde in Oberpöllnitz begraben. Seine Frau Johanna starb Nov. 1976 in Berlin bei ihrer Tochter Frau Hannelore Cech.

- LPG „Neues Leben“ Oberpöllnitz - sie übernahm am 7.05.1953 die Mühle. 1968 wurde diese LPG in die LPG „Neue Zeit“ Geroda integriert und auch die Mühle. Nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten 1990 wurde der Mühlenbetrieb 1991 durch die LPG eingestellt. Es kam im Nachhinein zur Teilung des Grundstückes und zum Verkauf derselben. Die neue Mühle steht als Spekulationsobjekt schon jahrelang traurig und leer da, die alten Mühlengebäude sind durch private Hand in einem sehenswerten Zustand.

In Würdigung der Leistung des Herrn Lothar Steeger (†) und seiner gern verwendeten Müllersprüche möchte auch ich diesen Beitrag mit einem Spruch beenden:
„Was nützt der Mühle das Klappern, wenn der Müller taub ist!“
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 12/2007 - akt. 10/2017
Berichtigungen, Hinweise und Ergänzungen nehme ich gerne entgegen.

Literatur:
- Manfred Wilde „Die Ritter- und Freigüter in Nordsachsen“ C.A. Starke Verlag Limburg, 1997
S. 45, Bedeutung der Mühlen für ein Rittergut …
- Werner Dankert „Unehrliche Leute - verfemte Berufe“, München 1979
- Hermann Metzke „Müllerheiraten in Sachsen-Anhalt“ 1995
- Günter Steiniger „Mühlen im Weidatal“ Verlag Rockstuhl Bad Langensalza, 2001

Die besprochene Mühle liegt im Bild rechts, hinter den Bäumen. Im Vordergrund ist nicht der Mühlteich zu sehen, sondern der von der ehemaligen LPG 1978 vergrößerte Lohteich für die Steigerung der Karpfenzucht. Der Mühlteich liegt zwischen Lohteich und Mühle.