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Beschreibung des Grenzverlaufes

Der folgende Text steht unter der Überschrift:
"Die Grenzpunkte, deren Ortslage und Deutung im Ostsektor des Orlagaues"
Die Darlegungen sind stets im Zusammenhang mit meinen in den Karten possitionierten Grenznamen zu verstehen. Diese Kartenlinks finden Sie auf der vorhergehenden Hauptseite "Der Orlagau ...".

Der Orlagau im Land Thüringen und seine umstrittene Ostgrenze - Teil II.
„Eine Provokation für die Welt der Wissenschaft - die neue Orlagau-Hypothese“

Die Grenzpunkte, deren Ortslage und Deutung im Ostsektor des Orlagaues
(Zu den Grenzbegriffen und deren örtlichen Lage, siehe beigefügte topografische Karten.)
1. Rapoteneich - Strestul
In der zurzeit gültigen Annahme, dass Breitenhain und seine Flur schon immer zum Erzbistum Mainz gehörte, kann die Grenzlinie nicht bis zum Rappelsteich/Rappelsberg bei der Wüstung St. Ilgenhayn nördlich Neustadt/O. vorgezogen sein. Der östliche Verlauf ändert sich abrupt in nordöstliche Richtung bei der Ankunft am »Autal, jetzt »Kaltes Tal« vor dem »Auenberg« (alt: Auberg). Nun zieht sie sich in den »Auwiesen« zum »Grünbach« hoch und umgeht streng nach Norden verlaufend westlich Breitenhain. Hier vor dem Auberg ist möglicherweise der Grenzbegriff Rapoteneich zu suchen. Vielleicht, wie schon von Historikern veröffentlicht wurde, in Form eines herausstechenden Markbaumes (Eiche) oder eines weit bemerkbaren Lagbaumes als Grenz- u. Orientierungspunkt. Die nach fränkischem Brauch gesetzten Grenzbäume mit eingeschnittenem Kreuz und/oder Besitzer-Kennung waren im allgemeinen Grenzverlauf garantiert in mehrfacher Weise üblich. Auch um die damals beliebten hiesigen Jagdreviere kenntlich zu machen. Eine andere Überlegung, der Auberg war in damaliger Zeit ein dunkler Eichen-/Tannenwald und bot sich als Orientierungsname an. (Rapo: Rabe-schwarz-dunkler Wald [1) Au-Wiesen/Au-Tal, ahd. ouwa = wasserreiches Wiesenland/-tal.
Da die Grenze nun nach Norden abbiegt und westlich an Breitenhain vorüber läuft, kann Strestul in der vorgegebenen Reihenfolge der Grenznamen eigentlich nicht mit Strößwitz gleichgesetzt werden. Daraus schlussfolgernd erkläre ich Strestul wie folgt: *strese/mhd. straze // slaw. straža = Straße // dol/tul/tule = auch im Sinne von Tal/Senke = Straße im Tal, Talstraße. Warum? Die Grenze trifft in Nähe der später errichteten Kupferschmelzhütte auf das schöne Tal des „»Rotehofbaches«, mit der uralten aus dem Orlatal kommenden Handelsstraße. Sie nimmt ihren weiteren Verlauf in diesem Tal bis vor den Ort Wolfersdorf, einem markanten Kreuzungspunkt mehrerer Taleinläufe. (Anmerkung: In Berlin-Dahlem gibt es die Straße „Im Dol“, alter Flurname.)
Eine Bemerkung zu Strößwitz: O. Jannermann, G. Wermusch oder A. Plöthner kritisieren, glaube ich zu Recht, die in der Vergangenheit überzogenen Vorstellungen, dass die slawischen Ortsnamen in ihrer häufigsten Erklärung auf Personennamen bezogen werden. Strößwitz, 1350 Stresewicz = siehe oben = möglich Straßenort? - aber auch möglich, stroža = Wachort. Strößwitz liegt an einer ehemals wichtigen Kreuzstraße, eine Querverbindung zweier Handelsstraßen die aus dem Orlatal kommen, und wird im Schutz eines kontrollierenden Burgstättel entstanden sein. Dass sich Sorben auf dieser Bergkuppe angesiedelt haben, ist zu bezweifeln. Möglich, angesiedelt wurden.

2. Stanowe
Stanowe = Altstanau = Sedelhof eines Stan (Grundform: aso. Stan-ov = verdeutscht: Stan-owe = Stan-au)
Mit diesem Namen verbindet die Wissenschaft das Dorf Stanau, mit der Begründung, dass im ON ein verkürzter PN steckt. Der Ort des Stan/Stanislaw wie H. Rosenkranz erklärt.[1] Eine slawische Siedlung, die in der Zeit der Grenzbeschreibung schon existiert haben soll. Zweifel bestehen aber doch mit dem Bezug auf das jetzige Dorf. Es muss wohl richtig die Beziehung auf die ursprüngliche Stanowe Siedlung im »Alten Stanauer Grund« gelenkt werden. Hier gab es eine Wallanlage, möglicherweise eines slawischen Kleinadligen und einen Weiler slawischer Dienstleute. 2010 wurden noch Reste der Anlage von den Herren G. Helmrich, W. Fischer und H. Krahmer entdeckt.[2] Es ist übrigens nicht die einzige ehemalige Grenzfeste. Bekannt sind im Grenzverlauf mehrere wüste Anlagen. Das jetzige Stanau ist eine Neuansiedlung in einem angenehmeren Umfeld. Die Nennung dieses Grenzpunktes ist charakteristisch für eine umfassende Richtungsänderung des Grenzverlaufes. Hier umgeht die Grenze die markanten Berghöhen »Höllenberg«, »Bauernheide« sowie den »Heideberg« (nicht: Heidenberg) und nimmt im weiteren Verlauf östlich des »Kleinen Taubenbergs« wieder die O-NO-Richtung ein.
(Hölle: synonym für dunkel, schwarz - hier: dunkler Wald)

3. Berchenheyde (Byrchenheyde)
Vorbemerkung: Die Nennung dieses nun weit entfernten Grenznamen verwundert. Trifft doch die Grenze südwestlich Oberrenthendorf am »Brandberg« auf einen markanden topografischen Punkt. Sie ändert vor diesem Berg ihren Verlauf abrupt in Nordrichtung, um Ober- u. Unterrenthendorf westlich, Kleinebersdorf und Hellborn nördlich zu umgehen. Doch gibt es für diesen Richtungswechsel keine Angabe. Deshalb bestand oftmals auch die Vermutung, dass die Grenze in Richtung Renthendorf weiter verlief, durch das Dorf hindurch, Unter- u. Oberrenthendorf in Teilung und nach der Siedlung Heiligenau auf die Höhe der »Bergheide« trifft. Gleichlaufend mit späteren Grenzen, die die kursächsischen Gebiete von den ernestinischen Territorien trennten. Dem widerspricht aber die momentane Feststellung der hier gleichbleibenden Bistumsgrenzen. Die Pfarrkirche Unterrenthendorf, mit ihren Filialen Kleinebersdorf und Hellborn, wird nach heutigem Wissensstand stets zum Erzbistum Mainz gerechnet und ist auch im Lehenbuch des Saalfelder Abtes Georgius Thun [3] und im Mainzer Subsidienregister [4] mit aufgeführt. Ob man diese Aussage aber auch auf die Filialen als ehemalige Stadtrodaer Klosterdörfer übertragen kann, wäre noch genauer zu untersuchen.
In den bisherigen Publikationen wird der oben genannte Grenzpunkt mit »Byrchenheyde« bezeichnet und mit der Waldflur »Birkert« bei Neuensorga in Verbindung gebracht. Auch oftmals mit dem Dorf Birkhausen. (alt aber: Bolechthusen u. Pollichthausen) Ich meine, dass das nicht zutrifft. Ich lese in der Urkunde »Berchenheyde«, gleichzusetzen mit »Bergheide«. Natürlich kann eine Heidelandschaft auch durch hohen Birkenbesatz bestimmt sein, was ja durchaus mit dem Flurnamen »Birkert« in der Nähe zum Ausdruck gebracht wird. Ich definiere Berchenheyde = *berche slaw. = Berg = Bergheide.
(Urkunde: Das -s- in der Zeile darüber durchläuft das -e- und lässt es als -y- erscheinen. Typische Ausläufer nach unten links im damaligen mittelalterlichen Schriftstil. Urkundenkopie des 15. Jh.)
Die zurzeit übliche Annahme »Birkenheide« erfordert aber das Stammwort = bereka bzw. beresa, bresa // slaw. *brěza // nso. bŕaza, // č. břiza = Birke.

Der Grenzverlauf umfasst die Hellborner Flur »die Mark« und trifft östlich Hellborn in der Flur »Heiliges Kreuz« auf die uralte, schon im 9. Jahrhundert bekannte »Regensburger-Hofer-Naumburger« Heer- u. Handelsstraße. Und damit nun auf die Höhe der alten Heidelandschaft Neuensorga-Münchenbernsdorf. Der hier vorhandene FN »Heiliges Kreuz« lässt verschiedene Deutungen zu. Ich meine, der Name steht in Verbindung mit den ankommenden Kreuzstraßen aus dem Raum Stadtroda und weiter über Münchenbernsdorf, Großsaara nach Gera. Oder Neuensorga und weiter auf der »Schleifstraße« nach Großbocka, Hundhaupten, Markersdorf, Gera, um Zollstellen auf der »Neuen Hohen Straße« zu umfahren. Diesem Zweck diente auch der »Diebsweg« (unrechter Weg) von der »Süßen Tränke« bei dem Dorf Struth in Richtung dem Dorf Lederhose und dort in Fortsetzung ebenfalls als Schleifweg nach Großbocka. Möglicherweise befand sich am Standort Heiliges Kreuz auch eine Kapelle oder ein Betstock, denn dieser Name existiert im deutschsprachigen Raum an vielen wichtigen Straßenkreuzungen. Die Flur war Klostereigentum und es sollen Sühnekreuze gestanden haben. Westlich von Neuensorga, in Sichtweite zur Heer- u. Handelsstraße, befand sich das »Ottendorfer Gericht« derer v. Meußebach, die die »Hohe Gerichtsbarkeit« lange Zeit über die umliegenden Tälerdörfer besaßen. Dieser Standort prädestiniert die Kreuzstraße Stadtroda über Kleinebersdorf und der Hochebene vom Mühl- u. Kickelsberg nach Neuensorga als alten wichtigen Zubringerweg, auch in Richtung Weida. Mit der Benutzung der hier ankommenden Kreuzstraßen umging man auch die Geleitsstelle mit Geleitstafel »Neue Schenke« an der Regensburger Straße. Der ursprünglich Sorga (ahd. zarga = Rand, Grenze) genannte Ort hat sich mit dem späteren Vorwerk entwickelt, ehedem wohl eine Grenzfeste/Zollstelle an der Handelsstraße. An diesem Grenzpunkt Bergheide ändert sich ebenfalls abrupt die Richtung des Grenzverlaufes, nun streng nach Süden.

4. Strosowe
Das nächste Vorwerk in Nähe dieser Handelsstraße war Geroda, ein ehemaliges Burgstättel? Denn die alte Volkssprache ist »Grutsch«, abgeleitet von groddisch = aso. *grodisce = Burgstätte/befestigter Ort.
Der südliche Grenzverlauf im Osten des Orlagaues verläuft nach Neuensorga lange in der Nähe der alten Handelsstraße und durchquert bei Mittelpöllnitz die breite Pöllnitzsenke, genannt die »Goldene Aue«. Noch nicht bewiesen ist die Vermutung, dass diese alte Heer- u. Handelsstraße ab der Waldflur »Birkert« in Südrichtung gemeinsam weiter mit der von mir angegebenen Grenze verlief. Durch den Birkert, östlich der ehemaligen Wiesenmühle vorüber, weiter durch die Waldflur »Oberer Lerchner« zum Rittergut Geroda, östlich am Dorf vorbei neben dem »Galgenberg«. Dann zum »Arlasgut« Mittelpöllnitz, von da nach Tischendorf, das Vorwerk »Dobrawicz« passierend und weiter hinab zur Flur »Das Himmelreich« im Aumatal. Insgesamt also weiter östlich des jetzigen Straßenverlaufs. Alte Heerstraßen haben in ihren Urzeiten Orte möglichst gemieden. Der heute bekannte Straßenverlauf ist mit den Ortsentwicklungen neu erstanden. Stimmt diese Hypothese, dann wäre die gesamte Ostgrenze die alte bedeutende Straße. Nördlich an Geroda vorbei verlief als Kreuzstraße die Fortsetzung der »Alten Hohen Straße«, auch am Galgenberg vorüber in Richtung Neundorf nach Weida. Sie kam aus dem Raum Saalfeld und führte am Nordrand des Orlatals entlang.
Mit dem Grenzname Strosowe und dessen Bezug auf die Heer- u. Handelsstraße, verbinde ich deshalb die Erklärung - entlang der
„Straße durch die Aue“. Strosowe = *strese // ahd. straza // mhd. straze = Straße // owa/owe/awe = Au/Aue = Straße in der Aue? Die gedankliche Verbindung mit dem Dorf Struth (ahd. struot = Sumpf), wie sie in älteren Publikationen erfolgt, ist nach meiner Meinung nicht annehmbar.

5. Dobrawicz
slaw. *dobŕ/dobra/dobry = gut/günstig // wicz/witz/wiec/wice/wjess = Haus/Hof/Dorf - ein guter, ein befestigter Hof/Grenzfeste?
Östlich von Braunsdorf, nordöstlich von Tischendorf, existierte ein Vorwerk, möglich »Dobrawicz«, analog zum Vorwerk b. Weida, und es gibt auch hier im Grenzbereich die Flur »die Mark«. Der fränkische Begriff »Mark« wurde im frühen Mittelalter im Sinne von Grenze benutzt. Das Vorwerk wird im Lehenbuch des Saalfelder Abtes Georgius Thun [3] genannt und wird noch in alten Flurkarten geführt. Tischendorf galt als das östlichste »Mainzer Kirchendorf«. Die ehemaligen Vorwerke Sorga, Geroda, Mittelpöllnitz und Tischendorf lagen aufgereiht von Nord nach Süd auf der Ostgrenzlage. Nördlich von Braunsdorf wurde die Regensburger-Hofer-Naumburgerstraße von der »Alten Weidaerstraße«, einer Kreuzstraße aus dem Orlatal kommend, gekreuzt und westlich von Braunsdorf gibt es den Flurnamen »Alte Festung«. Hier vermute ich auch die Waldflur »Tutzhelme« bei Triptis, die der Ritter de Robis (Robuz/Rabis) 1308 an das Michaeliskloster zu Jena verkauft hat. Barthel erklärt diesen Begriff in der Triptiser Stadtchronik im Sinne von »Trutz/Schutz«.

6. Mezschawe
Mezschawe soll laut älteren Aussagen Muntscha sein? Nein, diese Festlegung ist inzwischen überholt.
Im weiteren südlichen Grenzverlauf umgeht die Grenze in einem leichten Ostbogen die Stadt Auma und das Dorf Wenigenauma. Sie durchläuft das breite Tal »Das Himmelreich« mit dem Fluss »Auma« und gelangt über den »Piesigitzer Grund« und entlang der »Piesigitzer Wand« zur Auenmühle mit dem Auteich. Weiter an der westlichen Flur des »Schallholzes«, mit einer von Helmut Barth [5] vermuteten Wüstung (Wall/Burgstättel?), umgeht die Grenze Wenigenauma und läuft südlich entlang der Waldflur »Kauleicht« (alt: das Kauligsholz) zum wasserreichen »Schwerzlichsgrund« und von diesem weiter zum Teichgebiet des »Erlich« (alt: Erlicht). In diesem Bogen »Auteich-Kauleicht«, der gleichzusetzen ist mit einer kompletten Richtungsänderung nach Westen und der vermuteten Wüstung in der Aue, ist der obige Grenzname zu suchen. Möglicherweise war auch das ehemalige Vorwerk westlich des Ortes, die Schäferei des Rittergutes Wenigenauma, ursprünglich eine Warte. Ein weiterer Wall auf der Grenzlinie befand sich zwischen Muntscha und Zickra. [5] Interessant ist zumindest zu beobachten, dass sich im Verlauf der letzten Jahre die Berufshistoriker doch darüber einig sind, dass Mezschawe nicht Muntscha ist.
Mezschawe = mez // aso. *meźa = Grenze // owa/owe/awe = Au/Aue = Grenzaue
Möglich auch: *schavaf/*schawe = Feste/Befestigung/Wall = Grenzfeste

7. Bezede
In einzelnen früheren Veröffentlichungen wird Bezede mit dem Dorf Posen westlich Knau gleichgesetzt. Dass das nicht zutrifft, darüber gibt es heute keine Unstimmigkeiten. Der Begriff Bezede, wie auch die nachfolgenden Grenznamen Bastimiz, Goztima und Iezowa wurden in den vergangenen Jahrhunderten aus dem Sprachgebrauch vollkommen gelöscht. Ihre Deutung ist absolut schwierig. Sucht man im slawischen Sprachraum eine Erklärung, so komme ich für Bezede sinngemäß auf: vor … dem Moor-/ Sumpf-/ Teichgebiet? bez/bźez/baz/bóz/beźa/bezeg/przed = vor/außer // idg. beside/besides = ohne/ neben/ außerhalb.
Der westliche Grenzverlauf stößt auf das ehemalige Sumpfgebiet/Niedermoor der »Plothener Teichlandschaft« und ändert auch hier seine Richtung. In diesem Gebiet lagen die Wüstungen (?) »Rödern« (Rodeort bzw. auch hier vorkommender Adelsname Roder/Röder) und »Bloto« (Sumpfort), deren Flure im Wesentlichen auf die Siedlungen Dreba, Linda, Moßbach und Dittersdorf aufgeteilt wurden. Die Bewohner dieser Wüstungen haben sich mit in den neuen Dörfern Moßbach/Dittersdorf angesiedelt und die von Rödern vorwiegend in Dreba. Kennzeichnend dafür sind die unnatürlichen Flurausstülpungen in dieser Teichlandschaft. Rödern war wohl eher der Edelhof, weshalb ein großer Teil der Flur zu Dreba kam und Bloto die Siedlung der slawischen Dienstleute, deren Fläche aufgeteilt wurde. Beide ehemaligen Weiler und Neudeck, eine spätere Neuansiedlung der Teichbauer/-stecher auf Mainzer Orlagau-Seite des Plothener Grenzbaches, sind entstanden mit dem zielgerichteten Anlegen der Teichlandschaft, möglicherweise auch im Auftrag des Saalfelder Klosters. Ähnlich der Gegebenheit in dem Teichgebiet der »Wolche«, mit dem wüsten Wolchengut (?) und der Siedlung Neudeck bei Wüstenwetzdorf, südlich Triptis.
(Teich = mhd. tich, ist verwandt mit slaw. *diegt/degt = stechen/ausstechen = Neudeck, Ort der Teichstecher)
Eine andere zutreffendere Überlegung: Das „Plothengut“ und auch das „Wolchengut“ sind keine Güter im heutigen Sinne oder Wüstungen, sondern es sind unter diesen Bezeichnungen Grundstücksgüter zu verstehen (Äcker, Wiesen, Teiche, Wäldchen). Siehe Amtshandelsbücher Arnshaugk und die zahlreich aufgeführten wechselnden Verkaufsgrundstücke der Bauern in den umliegenden Orten. Wer ursprünglicher Eigentümer dieser Landschaft in der Besiedlungszeit war, wäre noch zu klären. Aus den mir vorliegenden Visitationsakten ist zu entnehmen, dass nach der Reformation die beiden Teichlandschaften an den Landesherrn gelangten, vorwiegend an Bauern zahlreich umliegender Orte vergeben und vom Amt Arnshaugk verwaltet wurden.

8. Bastimiz (primum)
Der Plothenbach hat seinen Ursprung im oben genannten Teichgebiet und bildet den Abfluss des großen »Hausteiches«. In seinem Verlauf trennte er die Orte Neudeck und Plothen und bildete die Bistumsgrenze Mainz-Naumburg bis in den südwestlichen Bereich des »Kiehnberg« (alt: Kunigenberg). [6] Hier ändern der Bach und auch die Orlagaugrenze abrupt ihre Richtungen. Sollte nicht hier am »Königsberg« das verloren gegangene Bastimiz zu suchen sein? (slaw. basti = Bastion // *mez = Grenze = Grenzfeste) Angeblich hat man in 1840er Jahren auf dem Berg noch Reste eines Walls/einer Burgstätte gesehen. Möglicherweise ist aber sogar der Plothenbach als Grenzbach gemeint. Als der 1. Bachlauf (primum Bastimiz als Flussabschnittsname?) - denn es folgen mit den weiteren Grenznamen noch 5 Wasserläufe. Die südwestliche Kiehnbergspitze befindet sich auf Mainzer Gebiet. Am Berg erfolgt ein scharfer Rechtsschwenk im Grenzverlauf, es wird der Berg »Oberschaar« eingenommen und im darauffolgenden Südschwenk wird die Waldflur »Die Hölle« erreicht. (Hölle: schwarz - symbolisch für dunklen Wald!) Ich erinnere an »Rapoteneich-Auberg« und auch an den »Höllenberg« bei Stanau.

9. Visbach
Diese Örtlichkeit scheint eindeutig bestimmbar zu sein. An der Flurgrenze Volkmannsdorf-Neundorf, im Bereich der alten Ziegelei, gab es nach Helmut Barth [5] die Wüstung Visbach. Vermutlich hieß dann auch der Bach mit den zugehörigen Fischteichen neben dem Dorf in alter Zeit ebenfalls »Visbach« (mhd. visch). Ob beides zutrifft, sei dahingestellt. Fakt ist aber auch hier der abrupte Richtungswechsel ca. 2 km nach Westen bis zu dem »Grenzholz« und der nachfolgenden Flur »Buchwald«. Hier der Beginn einer breiten, wasserreichen Tallage in Richtung Erkmannsdorf und dem Quellenbereich des »Erkmannsdorfer Baches«.
In alten Veröffentlichungen wird die Vermutung geäußert, der »Taubenbach« (alt: Teckenbach - 1597; Debenbach - 1769; unterhalb Crispendorf dann Aubach) mit seinem Lauf durch den Ort Chrispendorf und hinab zum Fluss »Wisenta« könne der weitere Grenzverlauf sein, das ist eine überholte Auffassung.

10. Goztima
Erkmannsdorf, ursprünglich ein Vorwerk und später Rittergut, war eine Grenzfeste am alten Handelsweg Schleiz-Ziegenrück und gehörte eindeutig zum Mainzer Erzbistum. Der Bach war ein Grenzbach, doch möchte ich den Begriff Goztima nicht nur auf den Bachlauf beziehen, sondern eher auf dessen Quellenbereich. (siehe Pkt.9) Dieser liegt in der Flur »Buchwald« und ist auf alten topografischen Karten als Teichlandschaft zu erkennen. Möglicherweise ursprünglich Sumpfgebiet.
Goztima: *godz = Wald // mar/mari/meri/ = stehendes Gewässer/Sumpf. In diesem Quellenbereich schwenkt die Grenze mit dem Bach nach Süden in Richtung des Flusses »Wisenta«. (Übrigens, in Kroatien gibt es das Tal »Gostima« mit seinem Bach.)

11. Wisinta und Sala
Der Erkmannsdorfer Bach mündet in den Fluss »Wisenta« und dieser wiederum entwässert im Ort Walsburg in der Nähe der »Brettmühle« in den allseits bekannten Flusslauf der »Saale«. Diese zwei Wasserläufe sind gleichermaßen der weitere Grenzverlauf der Orlagaugrenze, denn ab Walsburg folgt diese der Saale flussaufwärts. Wie weit, darüber gibt es nun wieder unterschiedliche Ansichten.
Der »Budebach« (alt: Bodebach; Bode = Talgrund) ist meiner Meinung nach der entscheidente Talabgang, links der Saale. Hier zweigt die Bistumsgrenze von der Saale ab und zieht hinauf auf die »Liebengrüner Höhe«. In alten topografischen Karten ist neben dem Bach auch noch der »Bothesteig« eingetragen.

12. Iazowa (Iezowa? - rivulus lezowa) Eine Vergrößerung des Urkundentextes lässt ein -a- erkennen. (Jazowa gesprochen.) Dieser Grenzname bezeichnet das Budebach-Tal. Ein Eschental? (*jaseń/*jeseń aslaw. = Esche) Der Bach entwässert linksseitig in die Saale. Mit diesem tiefen Taleinschnitt findet wiederum auch ein abrupter Richtungswechsel statt, und zwar nach Westen. Interessant ist auch, dass links der Saale auf Mainzer Seite die Flur »Kreuzmark« und rechts des Budebaches auf Naumburger Seite die Fluren »die Grenzhölzer« und der »Streitwald« existieren. Auch interessant, im Flussgebiet des »Westlichen BUG« in Weißrussland, gibt es den Bachzulauf Jazowa. (Jazowa wird im Internet erklärt: poln. jaz/aslaw. jažu = Graben)

Literatur:
1) Vgl. Weidermann, Klaus „Links und rechts der Orla“, Verlag VOPELIUS Jena 2012
2) Vgl. Rosenkranz, Heinz „Ortsnamen des Bezirkes Gera“, Greiz 1982
3) Vgl. Koch, Ernst „Das Lehenbuch des Abtes Georgius Thun zu Saalfeld“, G. Fischer Verlag Jena 1913
4) Vgl. Bünz, Enno „Das Mainzer Subsidienregister für Thüringen von 1506“, Große Reihe Bd. 8, Böhlau Verlag Köln 2005
5) Vgl. Barth, Helmut „Die Wüstungen der Landkreise Greiz und Schleiz“, G. Fischer Verlag Jena 1949
6) Vgl. Wagner, Erich „Die Handelsbücher des Amts Arnshaugk“, Jena
Allgemein:
- Eichler, Ernst; Volkmar Hellfritzsch, Hans Walther und Erika Weber „Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen“, Bd. I-III, Berlin 2001
- Eichler, Ernst „Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße“, Ein Komp., Bd. 1-4, Bautzen 1985-2010
- Bily, Inge „Geographische Namen zwischen Saale und Neiße in der landeskundlichen Bearbeitung“,
in „Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften“, Heft 7, 2011
- Ulbricht, Elfriede „Das Flussgebiet der Thüringischen Saale“, Halle/Saale 1957
- Jannermann, Oswald „Slawische Orts- und Gewässernamen in Deutschland“, BoD Norderstedt 2009

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 3/2013 - akt. 4/2017