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Der kurfürstlich-sächsische Kanzler Bernhard von Pölnitz als Begleiter des Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen.
Bernhard v. Pölnitz
war zu dieser Zeit auch Besitzer des Rittergutes Oberpöllnitz, wohnte jedoch auf dem angeheirateten Besitz Schloss Goseck bei Weißenfels.
Eine informative Beschreibung der damaligen Geflogenheiten solcher Arbeitsreisen!

Die Kurfürstentagung zu Nürnberg 1611
Zu den interessantesten Begebenheiten in dieser Zeit gehört wohl unstreitig die zu Michaelis im Jahre 1611 in Nürnberg beginnende Kurfürstliche Kollegialtagung, wo man den Beschluss fasste, wegen vorzuhabender Wahl eines Römischen Königs am 11. Mai 1612 in Frankfurt zusammenzukommen.
Um Michaelis 1611 (29. Sept.) erschienen nun die erwählten Kurfürsten und Fürsten, auch andere Fürsten und fremde Botschafter nacheinander in Nürnberg, wo sie ihren Einzug in folgender Ordnung hielten. Am Sonntag, den 29. September kam Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (R.1611-1656) über Pegnitz und Gräfenberg nach Nürnberg. Der Einzug erfolgte um 5 Uhr nachmittags zum Laufertor herein. Voraus fuhren 14 Kutschen, an welche 62 Pferde gespannt waren. Vor dem Kurfürsten ritten 6 Trompeter, an deren Instrumenten lange schwarze „Cartackenbinden" hingen. Sie bliesen bei dem Einzuge nicht. Nach denselben wurden zwei ledige, ganz bis auf die Füße mit schwarzem Tuche bekleidete Rosse geführt. Sie waren des Kurfürsten Leibhengste. Zunächst vor dem Kurfürsten ritt der Reichs-Erbmarschall Pappenheim. Dann folgte der Kurfürst allein. Er ritt einen Rappen und war wegen des Ablebens seines Bruders, des Kurfürsten Christian II. (R.1591-1611), in langem schwarzen Trauermantel gehüllt. Neben dem Kurfürsten gingen zu beiden Seiten 12 Trabanten mit Hellebarden, daran die Schafte und Franzen schwarz. Die Trabanten waren tapfere starke Leute, alle, wie auch das ganze Hofgesinde, schwarz gekleidet nach Schweizerischer Manier. Des Rats von Nürnberg bestellte Soldaten, mit Musketen und langen Spießen versehen, waren beim Laufertor aufgestellt, um dem Kurfürsten aufzuwarten. Zwischen diesen musste der Kurfürst mit seinem Hofgesinde bis in seine Wohnung hinreiten. Zwei Kutschen mit 8 Pferden machten den Schluss. Der Vortrab und Nachtrab an Reisigen-Pferden belief sich auf 96. Des Kurfürsten von Sachsen Einritt erstreckte sich also auf 166 Pferde. Ein besonderer Fourierzettel weist die Stärke des Gefolges nach, das den Kurfürsten von Sachsen auf seiner Reise zum Kurfürsten-Kollegialtag nach Nürnberg begleitete und teils vor, teils nach dem Kurfürsten hier ankam.

Der Fourierzettel nennt das Gefolge:
Die Kurfürsten Leib-Reisigen mit 40 Pferden, den kurfürstlichen Leibwagen mit 3 Personen und 8 Pferden, Herzog Albrecht zu Holstein und Schleswig mit 12 Personen und 8 Pferden, Hans Georg von Osterhausen, Hofmarschall mit 8 Personen und 8 Pferden, Bernhard von Pölnitz, Kanzler und Geheimer Rat (1569-1628) mit 8 Personen und 8 Pferden, Caspar von Schönberg, Präsident, Geheimer- und Appellationsrat mit eben so viel Personen und Pferden, Esaias von Brandenstein, Oberhofrichter zu Leipzig und Geheimer Rat mit demselben Gefolge, Christoph von Loß, Geheimer Rat und Reichspfennigmeister mit eben so viel Personen und Pferden, Joachim von Loß, Geheimer Rat mit 8 Personen und 8 Pferden, Doktor Marcus Gerstenberger, Geheimer Rat mit 6 Personen und 5 Pferden, Joachim von Schlieben, Oberst mit 6 Personen und 8 Pferden, Rudolph von Viztum, Kämmerer mit 6 Personen und 8 Pferden, Günther Lossen, Stallmeister mit 6 Personen und 6 Pferden, Jörg von Bindauf mit 0 Personen und 6 Pferden, Sigmund Adolph von Ziegershofen mit 4 Personen und 4 Pferden.
Sechs Kammerjunker: Dietrich von Daube mit 4 Personen und 4 Pferden, Sigmund von Lobkowitz, Bernhard von Starstedel, Christoph Rudolph aus dem Winkel, Heinrich Schenk und Georg Ernst von Weißbach. Jeder derselben hatte ebenfalls 4 Personen und 4 Pferde bei sich.
Acht Truchsesse: Heinrich Bastian von Metsch, Hans von Schönberg, Hans von Daube, Jobst von Wüstenhof, Günther Wachs, Ullrich Grünrodt, Heinrich Stammer und Wilhelm Brem. Jeder dieser Truchsesse war von 2 Personen und 2 Pferden begleitet.
Fünf Kammerdiener: Sigmund Hübner, Postmeister mit 2 Personen und 2 Pferden, Niklas Mauschel Weichsel, Hans Wilhelm Lastner, Michel Richter und Wolf Sedtrich, jeder ebenfalls mit 2 Personen und 2 Pferden.
Aus des Kurfürsten Marstall: Die Kutsche des Sekretärs Ludwig Wilhelm Moser, Rat und Kämmerer mit 6 Personen und 6 Pferden, die Kutsche des Christoph Falkenhofer, Geheimer Sekretär und Rentkammermeister mit 6 Personen und 4 Pferden, die Kutsche des Hofpredigers und Leibarztes mit 2 Personen und 4 Pferden, die erste Küchenkutsche mit 2 Personen und 4 Pferden, die Mundschenkkutsche mit 2 Personen und 5 Pferden, für den „Kaleschwagen" 6 Personen und 4 Pferde, für den ersten Silberwagen 2 Personen und 4 Pferde.
Zwanzig Maulesel trugen des Kurfürsten und der Junker Sachen. Jedes dieser Tiere war mit zwei Reisekasten wohl beladen. Hierzu gehörten 9 Personen. Hans Weber, Hausvogt mit 2 Personen und 2 Pferden, die Fouriere Augustin Falkenhofer, Valentin Schlaiffer, Martin Püttner mit 4 Pferden. Drei Trompeter und drei Einspänner, 6 Personen und 6 Pferde. Zwei Postreiter aus der geheimen Kanzlei mit 2 Pferden.
Die Kanzlei: Mit Mietgeschirre, welche die Mietkutschen fuhren, die auch im Amt vorgespannt wurden. Für die Kutsche des Jacob Zimmer, Kämmerer, Geheimer Sekretär 4 Personen und 4 Pferde, des Kämmerers und Futterschreibers Kutsche mit 4 Personen und 4 Pferden, die Kanzlei-Rüstkutsche mit 2 Personen und 4 Pferden, die Apothekerkutsche mit 4 Personen und 4 Pferden. Eine andere Kutsche mit 4 Personen und 4 Pferden. Zwei Silberwagen mit 4 Personen und 4 Pferden. Für das „Mundgetränk" 2 Personen mit 4 Pferden. Für den Hofbäcker 2 Personen und 2 Pferde. Für den Hof-Speiser 2 Personen und 2 Pferde.
Weitere Personen: Ein Hofprediger, 2 Leibärzte, der Quartierhauptmann Hans Boppelius, 4 Kammerjungen, 2 Barbiere, 2 Silberjungen, 2 Schneider, 4 Lakaien, 39 Küchen- und Kellerpersonen, 20 Trabanten samt dem Leutnant, 4 Silberdiener und Jungen, 4 Bettdiener, 4 Silber-, Zinn- und Gerätwäscherinnen nebst 2 Mägden. Alle diese Personen hatten Amtsfuhren von einem Amt zum andern. Das ganze Gefolge des Kurfürsten von Sachsen bestand in 312 Personen und 289 Pferden.

Bei jedem kurfürstlichen Bankett war eines jeden Kurfürsten bestellter Schenk, der an allen Orten, wo ein Gastmahl gehalten wurde und sein Herr zugegen war, die silbernen, ineinander passenden Flaschen holte und sie mit Wein aus seines Herrn Keller füllte. Jeder Kurfürst hatte auf solche Weise seinen eigenen Trunk und trank nichts von des Anderen Wein. Die Kurfürsten ließen auch bei dieser Kurfürstentagung den Proviant aus ihren Gebieten herbeischaffen, nämlich: Getreide, Wein, Bier, Ochsen, Wildbret. Besonders ließ der Kurfürst von Sachsen viele Hirsche, Wildbret, viele Tausend Klumpen oder Spießlein Vögel, je 5 zusammengebunden, nach Nürnberg schaffen, sodass also kein Mangel eintrat. Der übrig gebliebene Wein wurde hier verkauft und die Kurfürstentagung veranlasste also keine Teuerung in der Stadt.
Am 14. Oktober hielten die anwesenden Kurfürsten in der oberen Regimentsstube des Rathauses „im Namen Gottes des Allmächtigen und besonders zu Gottes Lob und Ehre, der ganzen Christenheit zu Gutem und unserem geliebten Vaterland Teutscher Nation zu Friede und Wohlfahrt" die erste Sitzung. Sie begann früh um 8 Uhr. Jeder Kurfürst wurde von Geheimen Räten begleitet, wenn er zu Rat ging. Den Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen begleiteten dann: Bernhard von Pölnitz, Kanzler, Esaias von Brandenstein, Oberhofrichter zu Leipzig, Rat und Reichspfennigmeister, Christoph von Loß, Geheimer Rat, Dr. Marcus Gerstenberger, Geheimer Rat.
Am 12. November endete die Kurfürstentagung und die Kurfürsten trafen Anstalten zur Abreise. Im Ganzen waren 26 Sitzungen gehalten worden, wovon die Kurfürsten neunzehn persönlich beigewohnt haben und sieben von den kurfürstlichen Räten gehalten wurden. Die Kurfürsten hatten sich die Beratschlagung zum Besten des Vaterlandes Deutscher Nation und alles dessen, was zum Frieden nötig und dienlich sei, sehr angelegen sein lassen. Wie auch die geistlichen und weltlichen Kurfürsten in Ratschlägen und auf andere Weise freundlich und ehrerbietig sich gegeneinander zeigten. Man lebte mit der Hoffnung, dass ihre Versammlungen von Nutzen sein würden.
Am Mittwoch, den 13. November früh ließ der Kurfürst von Sachsen die letzte Predigt halten und nach deren Beendigung setzte man sich zur Tafel. Ungefähr um 12 Uhr reiste der Kurfürst von hier weg nach Bamberg. Der Kurfürst begehrte vom Nürnberger Rat 30 mit 4 Pferden bespannte Wagen, dann 60 Pferde zum Vorspann für die Rüstwagen bis nach Forchheim. Der Kurfürst ließ sein Wappenschild an des Herrn Imhof Haus als Dank für Quartiergewährung zum Andenken anheften.

Dieser Bericht ist eine Zusammenfassung von Auszügen aus:
"Kriegs- und Sittengeschichte der Reichsstadt Nürnberg"; Vom Ende des sechzehnten Jahrhunderts bis zur Schlacht bei Breitenfeld am 17. September 1631, 1. Teil von 1590 bis 1619 - 2. Abschnitt 1611;
von Franz Ludwig Freiherr v. Soden, Erlangen 1860

Der Text wurde von mir teilweise modernisiert.
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 10/2011