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Hans Georg Freiherr von Pölnitz,
kurfürstlich-sächsischer Staatsmann und Diplomat
Stammvater der Lichtenberger Linie, älterer Generation und dem "Haus Aschbach" im Steigerwald/Ofrk.

Hans Georg von Pölnitz wurde 1577 vermutlich in Schwarzbach b. Triptis/Thür. geboren und starb am 25.12.1622 in Regensburg. Am 9.02.1670 wurden zwei seiner Söhne und deren weibliche u. männliche Nachkommen von dem habsburgischen Kaiser Leopold I. in den Reichs-Freiherrenstand erhoben, mit dem Recht ein vermehrtes Wappen führen zu dürfen. Der Reichs-Freiherrenstand wurde am 14.02.1676 in Kurbrandenburg bestätigt. Ein nachträgliches Bestätigungsdiplom gab es auch am 14.02.1676 für den Vater.
Hans Georg kam schon sehr früh in diplomatische Dienste in den Niederlanden (Gubernator der Lande von Vinnetal, Herzogtum Kleve), wurde kurfürstlich-sächsischer Kammerjunker, Oberst u. Staatsminister und war Teilnehmer als Gesandter Kursachsens auf dem Kurfürstentag am 25. Nov. 1622 zu Regensburg. Auf dem Weg dorthin reiste er mit Dienern und Pferden über Nürnberg, machte hier als kurfürstlicher Gesandter am 18. Nov. 1622 dem Rat seine Aufwartung und nahm in der Stadt in der „Goldenen Gans“ Logis. Der Rat lies ihm folgendes Geschenk überbringen: 4 Kannen Proseker Reinfall, 24 Kannen Rheinwein und 1 Schaff mit Fischen, zusammen im Wert von 12 Fl. Gulden, 13 Schilling u. 4 Heller. (1 Kanne ca. 2 L. und 1 Schaff/Scheffel/Bottich ca. 70-100 L.)
Hans Georg war der Sohn von dem fürstlich-sächsischen Rat und Hofmeister sowie fürstbischöflich-bambergischen Rat u. Amtmann zu Kupferberg, Hans Bruno v. Pölnitz auf Schwarzbach, Wetzdorf und Neuensorga (1535-1592) und Bruder des kurfürstlich-sächsischen Kanzlers Bernhard v. Pölnitz (1569-1628). Er war Mitbesitzer der Rittergüter Schwarzbach, Oberpöllnitz, Aschbach und wird auch mit Besitz zu Lichtenberg? und Göhrenstein? genannt, beide Orte jedoch noch nicht lokalisiert. Seine Frau war die in Utrecht geborene Anna Petronella van Hell (v. Heil) (um 1590 - vor 1630) die er ca. 1610 geheiratet hatte. Tochter des Lippstädter Bürgermeisters. Mit ihr hatte er 3 Söhne, Freiherr Gerhard Bernhard (1617-1676), Johann Ernst (1618-1684), Freiherr Hieronymus Christoph (1620-1697) und die Familie wohnte zeitweilig nach dem Schlossumbau 1614/17 auch auf Oberpöllnitz. (Es werden teilweise auch 3 Töchter mit Namen genannt, das ist aber fragwürdig.) Zurzeit ist noch nicht geklärt, ob Anna Petronella v. Pölnitz ca. 1630 Sir Edward Morgan (1610-1665) geheiratet hatte und damit ihr Todesjahr falsch wäre. Oder sollte es tatsächlich eine Tochter gleichen Namens gegeben haben, die mit Edward Morgan verheiratet war?
Als Gesandter Kursachsens nahm Hans Georg am 25. Nov. 1622 am Kurfürstentag in Regensburg teil. Nach dem Weihnachtsfest sollte er noch an der Reichsversammlung teilnehmen. Jedoch wurde er am 25. Dezember 1622 in der Nacht von seinem betrunkenen Diener Peter Plau hinterrücks mit einem Messer getötet. Plau wurde unmittelbar danach festgenommen und im darauffolgenden Monat mit dem Schwert geköpft. Sein Kopf, seine rechte Hand und das Messer wurden auf der Steinernen Brücke zur Abschreckung aufgespießt.

Über diesen Mord gibt es Aussagen in der Chronik von Christian Gottlieb Gumpelzhaimer, "Regensburg's Geschichte, Sagen und Merkwürdigkeiten", 4 Bände, Regensburg 1830-1838
Auszug aus Band 3:
„Kaiser Ferdinand II. v. Habsburg (1619-1637) lässt für den 25. Nov. 1622 zu Regensburg einen Kurfürstentag ausschreiben mit einer anschließenden Reichsversammlung, die nach dem Weihnachtsfest beginnen soll. Er selbst werde mit seiner Frau höchstpersönlich anwesend sein. Am 24.11.1622 hielt um 3 Uhr nachmittags Kaiser Ferdinand II. mit seiner Gemahlin den Einzug und wurde feierlichst empfangen. Der Kurfürstentag verlief ohne größere Zwischenfälle, doch herrschte eine angespannte Stimmung wegen der militärischen Aktivitäten im Reich (Der Dreißigjährige Krieg hatte begonnen!) und in der Stadt vermerkte man eine unvernünftige Verteuerung der Waren. Doch ehe noch die spätere Reichsberatung beginnen konnte, trugen sich mehrere Unfälle zu.
Ein Diener des Herrn von Pölnitz, des kursächsischen Residenten zu Brüssel, ermordete am 25. Dezember 1622 seinen Herrn. Der Reichsmarschall übte da den ersten Kriminalakt. Der Verbrecher Peter Plau wurde, nachdem er die Tat eingestanden und überführt war, zum Tode verurteilt, ihm vorerst die rechte Hand abgehauen und er dann zu enthaupten befohlen. Es war zu seinem Ende eine Bühne vor dem Rathause errichtet worden und nach der Exekution der Kopf, die Hand und das Messer auf einer langen Stange auf dem mittleren Brückenturm (Steinerne Brücke über der Donau) aufgesteckt worden. Der Scharfrichter verlangte von dem Reichshofrat Gottfried Heinrich Graf v. Pappenheim 24 Taler für die Exekution. Das fand derselbe zu viel und der Magistrat von Regensburg minderte es auf 10 Taler.
Ein paar Tage später starb am 29.12.1622 auch der Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried I. von Aschhausen. Am 19. März 1623 wurde die Reichsversammlung beendet. Am 29. März 1623 hielt der Kaiser eine große Prozession ab, und zwar aus dem Dom ab zu St. Emmeram, zu des Heiligen Wolfgang Grab. Die Bürgerschaft und der Magistrat zogen gemeinsam in voller Rüstung mit zu dem Bischofshof. Im Anschluss gab der Kaiser den Kurfürsten und Fürsten einen Abschiedsschmaus. Danach fuhr die Kaiserin in einem schön gezierten Schiff nach Wien und der Kaiser verließ die Stadt in Richtung Prag über die Steinerne Brücke, über die der Magistrat ihn noch begleitete.“

Originaltext leicht modernisiert in die heutige Schriftform überführt.
Bis Anfang 18. Jahrhundert war die Schreibweise „Pölnitz“ üblich.
Ich danke sehr freundlich dem Bibliothekar des Regensburger Stadtarchivs, Herrn Hubert Troidl, für den mir zur Verfügung gestellten Textauszug.

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 5/2010 - akt. 2/17

 

Die Steinerne Brücke zu Regensburg

 

In Regensburg steht in zentraler Lage in der Glockengasse- Ecke Haidplatz das "Haus zum Elephanten". Bis 1629 vorwiegend Wohnstätte der Gesandten zu den damaligen Reichstagen. Möglicherweise hatte auch hier der kursächsische Gesandte Hans Georg v. Pölnitz während der Reichstage hier bis zu seinem Tod gewohnt.