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Die Rittergutsmühle Mühlpöllnitz Teil II.


Die slawische Namensform „polnica“ gab nicht nur dem vorhandenen Bach den heutigen Namen „Pöllnitz“, sondern auch der von ihm durchflossenen Senke und mehreren Ansiedlungen und Dörfern. Typisch für die Pöllnitzsenke und ihre Seitentäler ist der Wasserreichtum und waren unzählig viele Teiche, Wasserläufe und Sumpfwiesen in der Vergangenheit präsent. Vergleicht man älteste Gebietskarten mit den heutigen topografischen Landkarten, ist das Ergebnis der jahrhundertjährigen Rodungs-, Trockenlegungs- und Meliorationsmaßnahmen unschwer zu erkennen. So hatten die Mühlen am Pöllnitzbach auch in der Zeit danach noch immer genug Wasserreserve. Mühlpöllnitz wurde unmittelbar mit Wasser versorgt durch den Mühl-, Loh-, Kälber- und Großenteich, durch die drei Teiche im Dorf Oberpöllnitz und durch die vier "Krähenteiche". Dieser vorhandene geografische Zustand und die hohe Besiedlungsdichte mit adligen Rittergütern (RG) bedingte auch den zahlreichen Aufbau von Mühlen der verschiedensten Bauarten. Auch in unserer Heimat waren Mahlmühlen im frühen Spätmittelalter existent. So wird z. B. schon 1230 die Rothenmühle in Weida zu Lehen eines Herrn von Polnicz in den Urkundenbüchern der Vögte von Weida erwähnt. Der verdiente Mühlenforscher Lothar Steeger aus Goßnitz hat in über 130 historischen Mühlenberichten in der Ostthüringer Zeitung (OTZ) auch unsere Rittergutsmühle in Mühlpöllnitz im August 2004 beschrieben. Leider sind darin einige kleine Recherchefehler vor allem zu den Rittergutsbesitzern versteckt, die ich berichtigen möchte, da ich am Ende seines Artikels mit genannt werde. Die Mühlenbesitzer waren bis in die Zeit der endgültigen Lehnsablösungen 1870 (siehe Teil I) immer die Rittergutsbesitzer von Oberpöllnitz. In dieser Arbeit werde ich auf die adligen Besitzer nicht weiter eingehen, sondern verweise auf meine erarbeitete und erstmalig veröffentlichte RG-Besitzerlegende und deren Zeittafel, abrufbar auf diesen Webseiten. Nach 1870 ging die Mühle in das Eigentum des damaligen Pachtmüllers über, das war die Familie Marx. Zuvor waren unsere Müller ab ca. 1700 Erbpachtmüller, in den alten Niederschriften auch als Eigentumsmüller bezeichnet. Das heißt, sein Nutzungseigentum war vererbbar, doch musste er dafür einen jährlichen Erbzins an den Lehnsherrn bezahlen. Die Instandhaltungen von Haus und Hof, der Mühleneinrichtungen und des Wehres waren ebenfalls vom Erbpachtmüller auf eigene Kosten zu begleichen. Zur Mühlenart, ihrer technischen Ausrüstung und ihres Entwicklungsprozesses verweise ich auf die 4 detailreichen Zeitungsartikel des Herrn Steeger vom 9.–12.08.2004 in der "Ostthüringer Zeitung" (OTZ). Ich möchte hier nur auf die Müllerfamilien eingehen. In den Mühlenpublikationen der neueren Zeit fällt auf und das zeigt sich auch an der Mühlpöllnitzer Mühle und deren Pächter, dass sich gewisse Müller-Familiendynasten bildeten und über längere Zeit existent waren. Ich verweise auf Teil I und der kurzweiligen Begründung zu dieser sich herausgebildeten Besonderheit. Die Namen Schröter, Stöckigt, Feustel, Marx, Scheibe … sind historisch in unserer nahen und weiteren Umgebung beständig präsent. So gab es u.a. die Schröter-Generationen auf der Neumühle b. Hohenleuben, auf der Lochmühle b. Reichenfels, auf der Kucksmühle b. Langenwetzendorf oder auf der Fuchsmühle b. Mosen. Ebenso auf der Matthäusmühle und Katschmühle in Weida und auf verschiedenen Mühlen um Gera. Ein Ernst Schröter, Mühlenbaumeister aus Triptis, hatte 1930 in der Franzenmühle b. Staitz ein neues mächtiges Wasserrad eingebaut und 1956 letztmalig einen Wasserrad-Neubau in der Erzmühle b. Staitz vorgenommen. Stöckigt-Familien gab es auf der Pfortenmühle, Matthäusmühle und Katschmühle in Weida oder auch auf der Sichelsmühle b. Weißendorf. Scheibe auf der Reißigsmühle b. Weckersdorf und auch auf der Wiebelsdorfer Mühle. Marx auf der Katschmühle in Weida, auf der Thomasmühle in Oschitz, in der Leitlitzmühle oder auch auf Mühlen um Gera. Die hier genannten Familien treten auch in unserer Rittergutsmühle, der späteren "Scheibemühle", in Erscheinung. Folgende Mühlenpächter/-besitzer sind mir zurzeit bekannt:

- Müller Andreas Zauge - geb. 1592
Er hatte 1620 zusammen mit den Knechten des Gutes in der Mühle gearbeitet. (lt. Steeger)

- Müller? Jobst Ludwig Jacob Wittich und Frau Dorothea zu Mühlpöllnitz (AHbA, B 2.0, Bl. 342, 1624)

- Müller Martin Heselbarth - Sohn des Müllers Andreas Heselbarth auf der Mittelmühle Grochwitz wird 1670 auf der Mühle in Mühlpöllnitz genannt (ThHStAW, Nachlass Keller)

- Meister Georg Arzt - ehemaliger Müller auf der Teichmühle Auma wird 1681 auf Mühlpöllnitz genannt. Er verkaufte einen Teich in der "Wolge". (AHbA B 9.1, Bl. 195) Im Blatt 10 wird er noch zusammen mit seinem Schwiegersohn Paul Barthol 1669 u. 1671 auf der Mühle zu Auma genannt.

- Nicol Auerfurth wird 1694 u. 1719 als Müller genannt. (Quatembersteuer 1694 u. 1719 Oberpöllnitz)

- Meister Hans Schröter - geb. 1683, verh. mit Maria Regina geb. Maut, 1 S. und 1 T.

- Meister Johann Christoph Schröter I. - Eigentumsmüller, geb. 1724, verh. 1746 mit Maria Elisabeth geb. Lippold, geb. 1729, 1 S. und 3 T.

- Meister Johann Christoph Schröter II. - Eigentumsmüller, geb. 1748, gest. Herbst 1810, verh. 1810 mit Johanna Dorothea geb. Hommel, geb. 1783, keine Kinder. Am 24.11.1773, wahrscheinlich nach des Vaters Tod, vom RG-Besitzer mit der Mühle belehnt. Dazu am 12.4.1775 noch ein Feld der Größe von ½ Acker unterhalb der Mühle. (1 Weidaer Acker = ca. 2 Morgen = 0,553 ha )
Die Johanna Schröter führte nach dem Tod ihres Mannes noch einen jahrelangen Rechtsstreit 1811 – 1815 mit den Schröter-Schwestern, der mit einem Vergleich endete. (ThHStA Weimar)
2. Ehe:
- Meister Johann Gottfried Stöckigt - Eigentumsmüller, schon 1815 verstorben, verh. 1812 mit Johanna verw. Schröter, 1 Tochter
3. Ehe:
- Meister Johann Gottlieb Feustel - Eigentumsmüller, geb. 1780, möglich aus Kopitzsch, verh. 1816 mit Johanna verw. Stöckigt, 4 Töchter
Meister Feustel hatte 1829 die Turmwindmühle Oberpöllnitz neu wieder errichtet und diese im Okt. 1831 an Müllermeister Johann Christian Kirmse aus Ronneburg verpachtet. Doch es kam zu Unstimmigkeiten wegen der Pacht. Feustel übernahm wieder selbst und verkaufte die Mühle 1835 an Christian Friedrich Zießler. 1876 wird Ernst Zabel als Mühlenbesitzer genannt.

- Meister Karl Gustav Marx - als Mühlenbesitzer seit ca. 1870 bekannt. Er war auch Mitglied der Triptiser Müllerinnung und hatte die Mitgliedsnummer 58. Verheiratet mit Pauline Emilie Staps aus Oberpöllnitz. Bekannt ist eine Tochter Helene Ottilie.

- Meister Albin Gustav Scheibe - aus Wiebelsdorf, heiratete 1899 die Tochter Helene und trat mit in die Mühle ein. Vater war der Müllermeister Johann Karl Gottfried Scheibe. Aus dieser Ehe ist der Sohn Fridolin Albin Kurt bekannt, geb. am 30.01.1900, gest. 1959. 1906 verließ Albin Scheibe jedoch für immer Frau und Sohn und zog mit seinem Busenfreund Hempel aus Oberpöllnitz in die Fremde.
2. Ehe:
- Meister Albin Steinmetzger - Müller und Landwirt aus Kleinbernsdorf, heiratete 1907 die Helene Scheibe. Er stammte aus einer weitverbreiteten Müller- und Bäckerfamilie im Großraum Gera. Bekannt sind die Kinder Sohn Herbert und Tochter Irmgard. Herbert starb 1950 als Landwirt im Harz. Irmgard, verh. König, verw. Börner wohnte noch 2005 in Gera, als ich mit ihr sprechen konnte. Albin Steinmetzger kümmerte sich mehr um die zur Mühle gehörende Landwirtschaft und Stiefsohn Fridolin Scheibe sowie Opa Marx betrieben den Mahlbetrieb. Nach dem Tod von Marx leitete Fridolin Scheibe die Mühle alleine. Albin Steinmetzger starb 1918 und seine Frau Helene 1914.

- Meister Fridolin Scheibe - heiratete in 1. Ehe Ida Löffler aus Nitschareuth. Sie starb 1949 und die Ehe blieb Kinderlos.
In 2. Ehe heiratete er Johanna Oemler, geb. Schulz aus Erfurt. Sie zog 1952 mit ihren zwei Töchtern aus 1. Ehe, Hannelore und Marlis, zu Fridolin in die Mühle. Ihre Oma Schulz wohnte in Triptis und Johanna Oemler weilte nach einem Bombenangriff 1944 bei ihr in Triptis. Dort hatte sie im Luftschutzkeller die Irmgard Steinmetzger kennengelernt, die ihr zusicherte, in der Mühle Brot und Milch für ihre Kinder holen zu dürfen. So lernte die Frau Fridolin kennen. Nach dem Abriss 1946 der alten Schneidemühle nebenan ließ Fridolin 1947 ein neues großes Mühlengebäude errichten. Das zog sich bis 1952 hin, doch der Meister konnte aus finanziellen Mitteln die Mühle nie ausstatten und in Betrieb nehmen. 1953 trat er mit seinem Landwirtschafts- und Mühlenbetrieb in die neu gegründete Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Neues Leben“ Oberpöllnitz als Mitglied ein. Fridolin Scheibe starb 1959 und wurde in Oberpöllnitz begraben. Seine Frau Johanna starb Nov. 1976 in Berlin bei ihrer Tochter Frau Hannelore Cech.

- LPG „Neues Leben“ Oberpöllnitz - sie übernahm am 7.05.1953 die Mühle. 1968 wurde diese LPG in die LPG „Neue Zeit“ Geroda integriert und auch die Mühle. Nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten 1990 wurde der Mühlenbetrieb 1991 durch die LPG eingestellt. Es kam im Nachhinein zur Teilung des Grundstückes und zum Verkauf derselben. Die neue Mühle steht als Spekulationsobjekt schon jahrelang traurig und leer da, die alten Mühlengebäude sind durch private Hand in einem sehenswerten Zustand.

In Würdigung der Leistung des Lothar Steeger und seiner gern verwendeten Müllersprüche möchte auch ich diesen Beitrag mit einem Spruch beenden:
„Was nützt der Mühle das Klappern, wenn der Müller taub ist!“

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 12/2007, akt. 11/2016
Berichtigungen, Hinweise und Ergänzungen nehme ich gerne entgegen.

Literatur:
- Manfred Wilde „Die Ritter- und Freigüter in Nordsachsen“ C.A. Starke Verlag Limburg, 1997
S. 45, Bedeutung der Mühlen für ein Rittergut …
- Werner Dankert „Unehrliche Leute - verfemte Berufe“, München 1979
- Hermann Metzke „Müllerheiraten in Sachsen-Anhalt“ 1995
- Günter Steiniger „Mühlen im Weidatal“ Verlag Rockstuhl Bad Langensalza, 2001

Mühlpöllnitz Gesamtansicht vom 26.05.2012

Die besprochene Mühle liegt im Bild rechts, hinter den Bäumen. Im Vordergrund ist nicht der Mühlteich zu sehen, sondern der von der ehemaligen LPG 1978 vergrößerte Lohteich für die Steigerung der Karpfenzucht. Der Mühlteich liegt zwischen Lohteich und Mühle.