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Das Leben auf einer Burg war oft eine Quahl

Über die Lebensqualität der Edelleute auf ihren Burgen

In Anbetracht der überall stattfindenden Burgfeste und der damit oftmals verherrlichenden Lebensart auf den damaligen Vesten, gestatte ich mir mit einem Augenzwinkern die Schilderung eines Adligen über dieses Leben darzubieten.
Das Leben des Landadels erscheint durchaus nicht beneidenswert, wenn wir die Schilderung lesen, welche Ulrich v. Hutten, Luthers Freund, von dem Aufenthalt eines Edelmannes auf dem Schloss entwirft:

„Man lebt auf dem Lande in Wäldern und in jenen Gebirgshöhlen, die man Burgen nennt. Die uns ernähren sind äußerst dürftige Landleute, denen wir unsere Äcker, Weinberge und Wiesen verpachten müssen. Das Pachtgeld, welches dieselben zahlen, ist für die daran angewandte Mühe äußerst gering und wenig. Wenn es ansehnlich und ergiebig sein soll, so erfordert es eine große Sorgfalt und unendliche Anstrengung. Denn wir müssen die fleißigsten Hauswirte sein und überdies uns auch noch dem Dienst irgendeines Fürsten ergeben, um die nötige Sicherheit zu genießen. Denn wenn der Edelmann nicht im Dienst steht, so glauben alle, gegen ihn sich herausnehmen zu dürfen, was sie wollen. Und ist er im Dienst, so bleibt die Hoffnung auch noch mit vieler Gefahr und täglicher Furcht verknüpft. Geht der Burgherr einmal aus dem Haus, muss er sich sorgen, dass er nicht denen in die Hände fällt, die mit ihm, gleichgültig welcher Herr er sei, Händel haben oder mit ihm in Fehde befangen sind. Geschieht es zu seinem Unglück, verliert er das halbe Vermögen durch die Auslösung. So entspringt oft daher, woher ihm Schutz zugesichert ist, gerade Unterdrückung.
Die Edelleute auf den Schlössern und Vesten müssen deshalb Pferde halten, Waffen anschaffen und mit einem zahlreichen Geleite versehen sein, obwohl das alles großen und schweren Aufwand erfordert. Nirgends wohin und nicht auf zwei Ackerlängen weit, dürfen wir anders als mit Waffen versehen lustwandeln. Keinen Weiler dürfen wir unbewaffnet besuchen und nicht auf die Jagd noch auf Fischerei ausgehen, ohne in Eisen gekleidet zu sein. Indessen ereignen sich doch häufig wechselseitige Streitigkeiten zwischen unseren und anderen Bauern und es vergeht kein Tag, da man uns nicht einen Streithandel vorträgt, den wir mit aller Vorsicht beilegen müssen. Denn sobald ich zu eigenwillig meine Meinung behaupte oder auch das angetane Unrecht für mich ahne, so entstünde ein Krieg. Wenn ich aber zu geduldig nachsähe oder aus meinem Eigenem etwas überließ, so würde ich gleich der Habsucht und Ungerechtigkeit aller preisgegeben sein, indem was einem zugestanden worden wäre, gleich alle anderen auch bewilligt haben wollten. Das geschieht aber nicht etwa unter Fremden, nein, unter Schwägern, Vettern und Verwandten, ja sogar unter Brüdern. Und das sind unsere Annehmlichkeiten des Landlebens, das ist die Muse und die Ruhe, welche wir genießen.
Selbst die Burgwarte, mag sie sich auf einem Berg oder im Tal befinden, ist nicht zur Annehmlichkeit, sondern zur Befestigung erbaut, mit Mauern und Wällen umgeben. Im Inneren eng mit Wohnplätzen für das Vieh und die Herden eingerichtet und daneben befinden sich dunkle Gewölbe mit Geschossen, Pech und Schwefel und mit übrigen Rüstungen von Waffen und Kriegswerkzeugen angefüllt. Überall nichts als Pulvergestank, dann Hunde und deren lieblicher Gestank und Schmutz. Endlich ab- und zugehende Reiter, worunter Räuber, Diebe und Mörder nicht erkennbar sind. Allen diesen stehen unsere Tore offen und wir können nicht wissen, wer ein jeder ist, noch dürfen wir darauf achtgeben. Man hört nichts als das Blöken der Schafe, das Brüllen der Ochsen, das Wiehern der Pferde, das Gebell der Hunde, das Geschrei der Arbeitsleute auf dem Feld, das Rollen und Knarren der Wagen und Karren und sogar im Haus selbst das Geheul der Wölfe im nahen Wald.
Jeder Tag bringt neue Sorge und Bekümmernis für den morgigen Tag. Es herrscht eine ständige Bewegung und ewige Unruhe. Beständig gilt es den Acker zu pflügen und anzusäen, im Weinberg zu arbeiten, Bäume zu setzen, Wiesen zu wässern, zu eggen, zu düngen, zu schneiden, zu dreschen. Dann kommt die Ernte, dann kommt die Weinlese.
Steht es nur in einem Jahr damit übel, heißt es jämmerliche Armut und erbärmliche Teuerung. Also niemals eine Zeit, wo man nicht bewegt, beunruhigt, geängstigt, abgezehrt, niedergeschlagen, aufgeschreckt, ausgetrieben und ausgejagt wird.“

Entnommen aus:
„Die Schlösser und Rittergüter des Königreichs Sachsen“ von Poenicke, 1850
In die heutige Schrift gebracht und leicht bearbeitet.

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 10/2007