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Der Pöllnitzbach und seine Quellen

Auf meiner Homepage berichte ich immer wieder vom Pöllnitzbach, der die Pöllnitzsenke durchfließt und auch den besagten Pöllnitzdörfern ihren Namen gab. (slaw. *Pol`nica = Feldbach) Seinen Anfang nimmt dieser Bach an der westlichen Flurgrenze Oberpöllnitz, heute Stadtteil von Triptis im Saale-Orla-Kreis und endet im Dorf Rohna, östlich von Weida im Landkreis Greiz. In Rohna mündet der Bach in den Fluss Auma, dieser in die Weida, die Weida mündet in die Weiße Elster und diese wiederum in die Saale. Die Pöllnitzsenke erstreckt sich von West nach Ost. In vielen Veröffentlichungen der letzten 50 Jahre wird die Quelle des Pöllnitzbaches mit den „Krähenteichen“ westlich unseres Dorfes in Verbindung gebracht. Das stimmt genau genommen nicht eindeutig, doch durch die jetzige Situation mit dem Bau der neuen Umgehungsstraße B 281 wurde das eigentliche Quellgebiet in dem nordöstlichen Triptiser Flurschliffter der Flur 2 von den Teichen getrennt. Es liegt nun nordwestlich der Bundesstraße und verliert sich aus dem Blickwinkel der Bevölkerung. Dieser alte Sumpfbereich ist jedoch nicht die ursächlich wirkliche Quellenlage des Pöllnitzbaches gewesen. Ein älterer Einwohner, in der Heimat- u. Flurgeschichte versiert, hat mich auf den Umstand hingewiesen, dass die Quelle unseres Baches ursprünglich bis 1821/26 in der östlichsten Flur Triptis lag, südlich des Dorfes Oberpöllnitz an dessen Flurgrenze 2, genannt „Der Käsefleck“. Daraufhin setzten meine Nachforschungen ein. Auf der Karte Feldoriginal 1854 noch eindeutig zu erkennen.)
Auf der Homepage der Stadt Triptis wird u.a. auch eine Wanderroute beschrieben. Und hier interessiert vor allem die Aussage zur Wasserscheide. Zitat: „Die Wasserscheide zwischen der Saale und der Weißer Elster verläuft östlich der Stadt zwischen Triptis und dem Stadtteil Oberpöllnitz. Südöstlich von Triptis liegt oberhalb des Orlastaus das Quellgebiet der Orla. Nordwestlich vom Stadtteil Oberpöllnitz liegen die Krähenteiche, in denen der Pöllnitzbach entspringt. Die Ortsteile Schönborn, Ottmannsdorf und Hasla liegen nahe dem Quellgebiet der Roda, die im Triptiser Stadtwald entspringt.“
Diese Wasserscheide bewirkt folgende Tatsache. Die Orla fließt in Westrichtung, der Pöllnitzbach in Ostrichtung und die Roda nach Norden. Das ist der heutige Stand. Doch bei unserem Bach gab es Veränderungen. Das ursprüngliche Quellgebiet waren die Triptiser Flure „Der Käsefleck“ und „Im Kleewinkel“ mit ca. 10 kleineren Teichen, noch erkennbar auf einer topografischen Karte von 1854. Der Abfluss aus dieser Teichlandschaft erfolgte, bedingt durch den südlich liegenden „Wolfsberg“, erst einmal nordwestlich durch die Flurlage „In den Vorwerksbüschen“ (heute Fa. Blumenröder) in Richtung nordöstlicher Stadtflur Triptis, um dann im Bereich des Porzellanwerkes in Nordrichtung abzuschwenken. Hier traf der alte Pöllnitzbach auf weitere Teiche, nun schon Flur Oberpöllnitz und unterfloss östlich des jetzigen Bahnhofs, neben dem ehemaligen Sägewerk (heute Fa. Schippel), die Ortsverbindungsstraße Triptis - Oberpöllnitz. Dieser und der weitere nun östliche Bachlauf in Richtung Dorf Oberpöllnitz ist sogar einige 100 m lang Ortsflurgrenze. Am westlichen Dorfrand neben der ehemaligen alten Post- u. Handelsstraße, dem „Alten Döblitzer Weg“, trifft dieser ursprüngliche Hauptarm des Pöllnitzbaches auf seinen Nebenzufluss, dem jetzigen Hauptarm.
Wie kam es zu dieser Veränderung? 1821 bis 1826 wurde die neue Staatsstraße unter der Leitung des berühmten Hofarchitekten Clemens Wenzeslaus Coudray aus Weimar (1775 – 1845) von Neustadt an der Orla bis nach Mittelpöllnitz durch die Stadt Triptis gebaut. Dadurch ergaben sich Veränderungen in den Fluren und damit auch im Abflussgebiet der oben genannten ehemaligen Teichlandschaft. Der alte Pöllnitzbach entwässerte nun westlich in Richtung Stadt und Stadtteich. Einige Teichabflüsse wurden vor Ort nördlich verlegt, direkt nach dem Grund „Das Kälbertal“ östlich vom „Großen Beerberg“, mit Abfluss in Richtung Mühlpöllnitz. Damit war dem Pöllnitzbach ein großer Abschnitt entzogen und er speiste sich nur noch aus dem Nassgebiet im Bereich des jetzigen Porzellanwerkes. Später wurden auch diese Teiche beseitigt, ebenso der Straßenteich am ehemaligen Sägewerk. Die Wasserführung verringerte sich demzufolge ungeheuer, der alte Hauptarm verlor an Bedeutung und geriet als Pöllnitzbach in Vergessenheit. Es entwickelte sich der aus den „Krähenteichen“ kommende Nebenarm im Bewusstsein der Bevölkerung zum Hauptarm und damit zum Quellfluss.

Übrigens gibt es noch einen dritten und vierten Quellenbereich. Die 3. Quellenlage befindet sich am oberen Ende des „Rabentals“ im linken, nördlichen Waldzipfel vor der Autobahn A9 und der 4. Quellenbereich, die "Rote Pöllnitz" durch Rekonstruktion nun wieder in Erinnerung gebracht, befindet sich in der nördlichen Waldflur 6 oberhalb des „Langenteich“.

Anhang: Kartenausschnitt der Flur Oberpöllnitz - Triptis, Topografische Karte 1908
Legende: FT = Flur Triptis // FO = Flur Oberpöllnitz // QG = Quellgebiet // PB = Pöllnitzbach // KT = „Kälbertal“

Die Veröffentlichung des Kartenausschnitts erfolgt mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung des Landesamts für Vermessung und Geoinformation. Dafür danke ich!
99086 Erfurt, Hohenwindenstraße 14
http://www.thueringen.de/de/tlvermgeo

Wolfgang Schuster, Oberpöllnitz 12/2011

 

Flurkartenausschnitt

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