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Geologie der Flur Oberpöllnitz von Lehrer Wolf

1. Info
Auf Grund der aktuellen Straßenbaumaßnahmen veröffentliche ich hiermit eine geologische Skizze der Flur Oberpöllnitz. Damit ist jeder in der Lage, diese Bodenarten und Gesteinsschichten an den derzeitigen Ausbaggerungen mit zu beobachten und zu erkennen.

 

Flur Oberpöllnitz

Der Verlauf der im Bau befindlichen neuen Umgehungsstraße B 281 wurde von mir grün dargestellt.

 

Erklärungen zur geologischen Struktur der Flur Oberpöllnitz:

"Aus dem Elstertal zweigt sich bei Weida eine tiefe Einsenkung ab, die sich bis zur Saale hinzieht. Bei Niederpöllnitz bildet sie einen breiten Kessel, dessen ganze Südseite der "obere Kulm" einnimmt. (Grauwacke mit Schiefereinlage!) Sie bildet ansehnliche Höhen, den Hasselberg 461 m, den Wöhlsdorfer Piehl 433 m, den Buchberg 423 m. Die Oberpöllnitzer Flur nimmt den Westteil des Kessels ein. Der ganze südliche Teil unserer Flur besteht aus Grauwacke. Der mittlere Teil der Flur vom Ort besteht aus Plattendolomit, an manchen Stellen von der Grauwacke durchbrochen. Er läuft als breites Band in der Richtung NO - SW durch die Niederung. Er zieht sich bis nach Triptis und von da auf der rechten Talseite der Orla bis nach Miesitz. Die ganze Nordseite der Flur nimmt der Bundsandstein ein. Meist ist es der untere Bundsandstein. Seine Schichtigkeit ist schwankend und lässt sich nicht berechnen. Bei Wittchenstein beträgt sie wohl 300 m? Aufgeschlossen sind diese Sandbänke recht schön in den Sandbrüchen an der „Hohen Straße“. Auf dem unteren Bundsandstein (Bsst.) liegt der mittlere Bsst. Er bildet als Decke des Unteren einen Streifen, der sich von Alsmannsdorf über Hasla nach NO bis Geheege hinzieht. Hier schmaler wird und bei Geroda endet. Bei Porstendorf und Struth erscheint er in Gestalt zweier Kuppen wieder.
Östlich und südwestlich des Dorfes wird der Dolomit durch breite Lehmlager unterbrochen. Löss- und geschiebefreier Lehm, dazu reiner Lehm aus dem jüngeren Diluvium und Lehm mit Schotter aus dem Alluvium. Das ganze Gelände des Pöllnitzbaches besteht bis zur Mündung aus Lehm. Östlich vom Dorf, am Nordrand des Dolomits, haben sich Lettenlager (Lehm, Ton) von geringer Mächtigkeit gebildet. Nach Norden zu haben sich diese Lager durch herabgerutschten losen Sand bedeckt. Die Grauwacke ist ein Konglomerat aus Quarz, Kieselschiefer und Tonschiefer, die durch ein toniges, dunkel gefärbtes .... (fehlend). Der Plattendolomit besteht aus 1 - 10 cm starken Lagen eines feinkörnigen, gelbgrauen Dolomits, dessen Schichten durch papierdünne, graue Letten getrennt sind. Die oberen Lagen sind häufig verkittet und bilden dann Bänke. Der untere Bsst besteht aus lichtgrauen bis roten Bsst-Bänken. Abwechselnd mit tiefrotem Letten. Das Bindemittel ist bald mehr kalkig, bald mehr tonig. Die Sandsteinbänke bestehen aus durchscheinenden, farblosen, seltener milchweißen oder rötlichern Quarzkörnern. Tief unten liegt eine lichtgraue Bank mit gröberen Quarzgeschieben und größeren Kali-Feldspat-Brocken. Sie besitzt wenig Bindemittel und zerfällt leicht in Grus (verwittertes Gestein). Im mittleren Bsst. herrschen die Steinbänke vor. Die Lettenlager sind gering entwickelt. Die Sandsteine sind von weißer Farbe und grobkörniger. An einzelnen Stellen ist das Bindemittel ganz unbedeutend oder durch Wasser ausgelaugt. Deshalb sind hier ausgedehnte Sandgruben angelegt. Je näher dem früheren Meeresstrande nach Süden zu, desto bindemittelärmer ist der Bsst.
Im Südteil und in der Mitte der Flur Oberpöllnitz findet sich Kalkboden, der Nordteil ist Sandboden. Je mehr einer nach Norden kommt, desto mehr nimmt der Sandboden überhand und der Boden wird unfruchtbarer. In der Talsohle ist der Boden lehmig. Der vom oberen Kulm erzeugte Boden, der die ganze Südseite unserer Flur einnimmt, ist etwas kalt, aber weniger feucht und tonig. Er verlangt viel Arbeit, da er meistens steinig ist. Dafür ist er aber auch recht sicher. Der aus dem Plattendolomit hervorgegangene Boden ist ein leichter, trockener Kalkboden, der durch die von Wind und Wasser darüber geführten Sand- und Lettenmassen oder durch Beimengung des benachbarten Grauwackenbodens so verbessert worden ist, dass er als guter Kalkboden gelten kann. Da der Sandboden feinkörnig und reich an tonigen Bindemitteln ist, so gibt er einen etwas schweren, feuchten, sandigen Tonboden der häufig nassgallig ist.
Der Untergrund im Beerberg und an der Straße nach der Triptiser Flur hin ist felsig. Im Krautgarten (Flur nordwestl. des Dorfes, W. Sch.), im Mittelgrund, am Lerchenhügel, am Lerchenberg und im Nordteil der Flur ist der Untergrund durchlässig. Im Gebiet der Krähenteiche aber undurchlässig und deshalb sind die Wiesen hier sumpfig. Der vom oberen Kulm erzeugte Boden eignet sich für alle Feldfrüchte, am besten für Roggen, Flachs und Hackfrüchte. Deshalb wird hier der Boden vorzugsweise als Ackerland benutzt. Er eignet sich auch für Waldkultur (z.B. die Flure Beerberg u. Bresselsholz). Es gedeihen Fichte, Tanne, Buche und Birke. Der aus Plattendolomit hervor gegangene Boden ist geeignet für Klee, Luzerne, Getreide und Obst. Der Bsst. gibt in den tiefer gelegenen Strichen (Fluren) einen guten Wiesenboden, sonst einen warmen, lockeren Ackerboden. Er eignet sich auch vorzüglich als Waldboden (z.B. die Flur Hohes Holz - nördl. d. Autobahn, W. Sch.). Nur einzeln kommen Stellen vor, wo durch starke Abnahme des Lettens der Boden trocken und durstig ist oder wo er durch Überhandnahme (zu viel) des Lettens, schwer, kalt und gallig wird. Der mittlere Bsst. gibt bei seiner Armut an Letten einen kärglichen, trockenen Sandboden, der an den Boden der Mark Brandenburg erinnert und dafür vorzugsweise zur Waldkultur benutzt wird (dürftiger Kiefernbestand). Von Hasla herüber zieht sich nach SO ein Erhebungssattel. Dieser Teil der Flur, der sogenannte Krautgarten, hat die besten Felder und Wiesen, da der Boden tiefgründig und humusreich ist und trocken liegt.
Im Gebiet der Grauwacke, im Beerberg und an der Südgrenze der Flur, sind Steinbrüche im Betrieb, die Bausteine liefern. Sie sind wetterbeständig, haben aber den Fehler, dass sie die Feuchtigkeit anziehen und daher zu Wänden für bewohnte Räume nicht benutzt werden können. Sie finden hauptsächlich Verwendung für Grundmauern. Im Gebiet des Plattendolomit befinden sich 2 Steinbrüche (östlich, unterhalb des Lerchenberges, bis ca. 1975, W. Sch.). Die gewonnenen Steine eignen sich wegen der dünnen Schichtung nicht zu Mauerwerk und Pflasterung. Sie finden nur als Beschotterungsmaterial für Straßen Verwendung. Sie sind aber früher, als hier in der „Ziegelhütte“ noch die Ziegelfabrikation betrieben wurde, auch zum Brennen benutzt worden. Der Dolomit hat eine Mächtigkeit von 6- 8 m (und mehr, siehe Straßenbau 2004, W. Sch.). Die schon erwähnten Sandgruben liefern keine Wertstücke (weniger Wert), da der Sand zu mürbe ist. Der Sand ist aber sehr geschätzt, weil er weiß, scharf und frei von Ton ist. Er findet als Mauer- und Scheuersand Verwendung und wird auch mit der Eisenbahn verschickt.
Der Letten (Lehm, Ton) ist früher zur Fabrikation von Ziegeln benutzt worden. Unsere Ziegelei ist eingegangen, seitdem in Triptis eine Dampfziegelei entstanden ist (1890). In der Triptiser Flur ist der untere Letten schöner und mächtiger aufgeschlossen worden. (Die Ziegelhütte gehörte dem Rittergut und produzierte in Verpachtung bis ca. 1902. W. Sch.) Größere Aufschlüsse in unserer Flur sind der Eisenbahneinschnitt bei Steinpöllnitz, die Steinbrüche im Beerberg und an der Südgrenze der Ortsflur, die Kalksteinbrüche der Bauerngüter Siegel/Kraft und Staps, die Steinbrüche im Lerchenholz und Mühlpöllnitz, die Sandgruben an der Hohen Straße (nördl. d. Autobahn, W. Sch.)."

Entnommen aus dem Schulbericht von 1920, des Lehrers Herrn Wolf, Oberpöllnitz. Übertragen aus der alten Sütterlin-Schrift in die heute gebräuchliche Schriftform.
Wolfgang Schuster, Oberpöllnitz 11/04