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Solange Welten stehen, solange Menschen sind, werden Mühlenräder gehen - durch Wasser, Dampf und Wind!

Rittergutsmühle Mühlpöllnitz Teil I.
Zu den ältesten Mühlen der Region zählt ohne Zweifel auch die ehemalige Rittergutsmühle von Oberpöllnitz. Sie befindet sich unweit des Ortes, im östlich gelegenen Ortsteil Mühlpöllnitz und wurde vom Pöllnitzbach angetrieben, der die hiesige Pöllnitzsenke durchfließt. Diese Senke zwischen Triptis und Weida beginnt bei Triptis bzw. auch östlich der Miesitzer und Haslaer Höhenzüge und verläuft über die Pöllnitz - Dörfer nach Osten in Richtung Weida bis zu den Höhen östlich des Aumatals. Der Pöllnitzbach, der dieser Senke den Namen gab, entspringt heute nordwestlich von Oberpöllnitz. Die Mühle in Mühlpöllnitz gehörte über Jahrhunderte zum Rittergut Oberpöllnitz und wurde in Lehen und Erbpacht vergeben. Sie war eine Mahl- und Schneidemühle.
Zu der Mühleninspektion im Neustädter Kreis am 24.12.1682 wurde vom Arnshaugker Amtsmann Reinmann auch die Mühle in Mühlpöllnitz geprüft. Demnach war diese Mühle auch eine Kundenmühle, galt es doch, für jeden Scheffel gemahlenes Getreide von den Mahlgästen eine bestimmte Summe für den Kurfürsten zu kassieren. Es wurde also das Maß (Gemees) kontrolliert und auch die erforderliche, getrennt geführte Geldbüchse, die mit einem Schloss zu versehen war. Da in alter Zeit verschiedenes Maß in Anwendung kam, sollte mit dieser Inspektion einheitlich auf Dresdner Gemees umgestellt werden. In der Dresdener Akte von 1682 heißt es: "Mühlpölnizermühle, dem von Pölniz zu Oberpölniz, Triptizer Gemees“ . Das ist die erste sichere Standorterwähnung, wobei klar ist, dass das Alter dieser Wassermühle mindestens 200-300 Jahre vorverlegt werden kann. Die Döhlenmühle im Weidatal wurde beispielsweise schon 1260 erwähnt. Der bekannte Mühlenhistoriker unserer Region, Herr Lothar Steeger (†) aus Goßwitz b. Saalfeld, schreibt in seinem OTZ-Artikel vom 9.8.2004 über die Mühle in Mühlpöllnitz, dass ein 1592 geborener Müller Andreas Zauge 1620 auf der Mühle tätig war. Weitere Nachforschungen werden mit Sicherheit noch neue Erkenntnisse liefern und später im Teil II. noch angeführt.
Über Müller und ihre Mühlen gab und gibt es viele Geschichten, Lieder, Lebensweisheiten und Sagenschätze. Der Müllergruß "Glück zu" gibt uns heutigen Zeitgenossen kaum noch zu verstehen, mit welchem harten Los die Menschen in alter Zeit zu kämpfen hatten. Denn nicht nur das Untertanenleben, die Not und der Krieg waren oft ein schweres Schicksal, Müller waren auch immer vom Wetter abhängig. Gab es Wasser, konnte gemahlen werden, gab es Wind, konnte gemahlen werden. Deshalb war folgender Leitspruch überlebenswichtig: "Nutze die Zeit, nicht immer steht das Wasser oder der Wind bereit!“ Und diese Naturelemente stehen eben oft auch nur an Sonntagen oder des Nachts zur Nutzung zur Verfügung. Das bedeutete, dass der Müller auch zu unbilliger, unchristlicher Zeit mahlen musste. Natürlich war dieses Schaffen in früheren gläubigeren Zeiten, auch abergläubischen Zeiten, ein Nährboden für Verdächtigungen, Unterstellungen oder Witzeleien aller Art. Selbst der Teufel wurde mit dem Müllerhandwerk in Verbindung gebracht. Grund also für den schlechten Ruf des Müllerhandwerks im Allgemeinen. Der Müller der Volkssage ist wohlhabend, geizig, geschäftstüchtig und hat mit dem Teufel einen Pakt geschlossen. Im Besonderen natürlich noch bedingt durch die abseitige Lage von den Dörfern, der Geschäftstüchtigkeit der Müller, der Beherbergung von wandernden Gesellen und losen Frauenzimmern, später noch der Ausschank von Bier und Schnaps. Da gab es auch einmal diesen oder jenen Mahlgast, der geneigt war, länger zu verweilen oder der auch später nach Hause kam. Natürlich konnte man es auch positiv sehen. Die Mühle war auch ein Kommunikationsort für die Bauersleute. Hier erfuhr man Neues, konnten Erfahrungen ausgetauscht werden, traf Bewohner anderer Orte, konnten Heiratsabsprachen getroffen werden und vieles mehr. Bedingt durch den nicht immer vorhandenen Wind, kamen die Leute erst recht bei Wind und mussten dann oftmals warten, bis sie an die Reihe kamen, um ihr Mahlgut loszuwerden oder zu empfangen. Auch das Wasser war nicht immer da, trotz großer Teiche. Deshalb war bei den kleineren Wassermühlen der Mühlenbetrieb oft eine Nebensache. Sie lebten mehr vom Ertrag der Landwirtschaft.
Die persönliche und territoriale Abgerücktheit vom Dorfalltag, der Müller brauchte z. B. in der Regel keine Fron auf dem Rittergut leisten oder sich zum Kriegsdienst bereit zuhalten, bedingte eine gewisse Sonderstellung, die sich auch in Besonderheiten bei der Verheiratung der Söhne und Töchter darstellte. Herr Lothar Steeger hat in seinen über 130 Mühlenbeschreibungen sehr eindrucksvoll nachgewiesen, wie zahlreich verwandt, verschwägert und verheiratet die Müller untereinander waren. Es war wie in anderen Berufszweigen auch und bei den echten Müllern selbstverständlich, dass sie sich ihre Frauen aus Müllerfamilien nahmen. So auch bei den Schäfern, Leinewebern, Scharfrichtern u.a. Wie ist das zu erklären? Das hat etwas zu tun mit der Mittelalterlichen Unehrlichkeit, ein Auswuchs der ehemaligen Ständegesellschaft. Die Unehrlichkeit umfasste einen Personenkreis, der aufgrund seiner Herkunft, wie auch unehrlicher Geburt oder seines Gewerbes in Verruf steht. Wer gehörte zu den verfemten Berufen? Darunter zählten Müller, Schäfer, Fleischer, Leineweber, Bader, Barbiere, Henker, Scharfrichter und einige andere.
Müllersöhne wurden zum Beispiel in den Zünften der Guten Gewerke nicht aufgenommen. Auch dadurch ergab sich der Zwang der Verheiratung im eigenen beruflichen Umfeld. Natürlich bestimmte auch die wirtschaftliche Vernunft einen bestimmten Verhaltenskodex und spielte die Tradition des Berufsstandes eine nicht unerhebliche Rolle. Jedoch, die Mühlenpächter und auch die Erbpachtmüller hatten es nicht immer leicht. Die Kurfürstliche Mühlenordnung von 1560 enthielt jede Menge Festlegungen zum Mühlenbau und zu wasserrechtlichen Fragen. Dazu kamen für die Pächter von Rittergutsmühlen neben den üblichen Aufgaben als Lehnsnehmer noch strenge Auflagen durch die Lehnsherren. So zum Beispiel, dass er alles Mahlgut für das Rittergut, ohne Mahlgroschen zu verlangen, zu mahlen hat oder dass er keine Mahlgäste bediene, die nicht zu dem vom Lehnsherrn bestimmten Kreis gehörten. Oder, dass er alles vom Rittergut benötigte Bauholz, Bretter, Latten, Pfosten etc. umsonst zu schneiden hat, das Wehr, den Mühlgraben und das Wasserrad auf seine Kosten instand zu halten hat usw. Laut Innungsbrief der Müllerinnung Triptis, von 1903 bis 1923 sogar eine Müllerzwangsinnung, durften auswärtige Müller nicht mit Gespann in der Stadt Getreide abholen bzw. Mehl anliefern. Weitere Belastungen ergaben sich aus den zahlreichen Abgaben an die verschiedensten Herren und Institutionen. So hatten Lehnsherren unter anderem folgende Einnahmen:
- Sterbegeld von den Erben, wenn der Besitzer verstorben war.
- Kauflehngeld (10 %) bei Verkauf des Gutes, zu fordern vom Käufer und Siegelgeld, oft 1 Taler.
- Amtszinsen, Erbzinsen, Hufengeld, Müllergeld, Brettschneidezins, Frongeld, Jagdgeld, Kalbgeld, Pfluggeld, Schafschergeld, Zinshafer, Zinshühner und noch andere Festlegungen.

Doch nicht genug, der Untertan hatte auch noch den Landesherrn zu bedienen, den Kirchenzehnt zu entrichten und verschiedene Abgaben an den Pfarrer, den Lehrer und an die Dorfgemeinschaft zu leisten. Und der Leitspruch der damaligen Obrigkeit war: „Zinsschulden sind doppelte Schulden!“ Schon deshalb muss man aus heutiger Sicht verstehen, weshalb es diese oftmaligen Wechsel der Mühlenbetreiber gab. Ausnahmen, wie 100-jähriger Familienbesitz, gab es natürlich auch. Ein Vorzugsmoment für das Bestehen war der Jahrhunderte alte, so genannte Mühlenfrieden. Er gewährte einen besonderen Schutz für eine Mühle und seine Bewohner. So auch für Wanderburschen, Reisende, Hilfesuchende und das Recht des Müllers auf Beherbergung derselben.
Welche Einnahmen ergaben sich für den Müller? In der Regel erhielt er in der Alten-Zeit als Mahllohn von 1 Scheffel Mahlgut den 16. Teil. Das war 1 Metze. Das ist ein Hohlmaß und damit eine bestimmte Getreidemenge. 1 Scheffel = 4 Viertel = 16 Metzen! Da in den einzelnen Herrschaftsbereichen die alten Maße sehr verschieden gehandhabt wurden, ein Beispiel für den Scheffel, Dresdner Gemees: 1 Scheffel = 103,83 Liter, demzufolge hatte 1 Metze = 6,49 Liter. Nach Weidaer Gemees 1 Scheffel = 112,94 Liter und in Weimar 1 Scheffel = 75,29 Liter.
Bessere Einnahmen ergaben sich später bei Genehmigung einer Backstube oder des Ausschankrechtes, durch spezialisierte industrielle Produktion oder durch Erweiterung des bäuerlichen Hofes. Die Abschaffung des Lehnwesens, der Frondienste und des Mahlzwanges in den Jahren 1830 bis 1870, in den Thüringer Fürstentümern und im Kursächsischen überall verschieden, brachte große Erleichterungen für den Müller, für die Bauern und Dorfbewohner allgemein und Erbpachtgrundstücke konnten nun auch in Eigentum umgewandelt werden. Ein neuer Konkurrenzdruck auf den Wassermüller entstand durch den verstärkten Bau von Windmühlen. In fast allen hiesigen Orten wurden nach 1800 Anträge für den Bau solcher Windmühlen gestellt. Im Triptiser Raum von 1800 bis 1840 über 10 Anträge. Nicht alle wurden bewilligt, doch zeigt die Umgebung eine stolze Zahl derer an und beweist, dass die Höhenzüge des Orlatales geologisch bedingt eine vorteilhafte, nutzbare Windschneise bilden. Im Außenbereich der Stadt Triptis gab es drei Windmühlen. Eine davon, die Oberpöllnitzer Turmwindmühle, wurde 1829 vom Mühlpöllnitzer Wassermüller Johann Gottlieb Feustel neu errichtet und zur Nutzung verpachtet. Damit bin ich wieder bei den Mühlpöllnitzer Müllern angelangt und werde im folgenden Teil II. diese Mühle speziell betrachten.

"Dort unten in der Mühle saß ich in süßer Ruh und sah dem Räderspiele und sah dem Wasser zu."

Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 5/2005


Müller- u. Bäckerordnung für Gera 1842