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Quatembersteuer - Register Oberpöllnitz 1694/1719

 

 

 

Randbemerkung

Grobes Berechnungsbeispiel für die Bestimmung einer bäuerlichen Ackerfläche des 17. Jahrhunderts, jedoch an Hand heutiger Aussaatmengen.
Die Handaussaat der Bauern in dieser Zeit und deren üblichen Aussaatmenge je Bodenart und Qualität kann nicht verlässlich angegeben werden. Allgemein gilt für unsere Umgegend folgender Richtwert: 1 Scheffel Getreide (ca. 100 L) reichte für ca. 20 ar. (Scheffelgröße war von Ort zu Ort verschieden.)
Beispiel aus einer Oberpöllnitzer Steuerliste von 1692:
Johann Höfer hat ein Anspanngut mit 12 Schfl. Feld, 3 Fuder Wiesenwuchs, 1 Teichlein

Beispielberechnung mit heutigen Angaben und mit Durchschnittsbeträgen:
1. Aussaatmengen pro Hektar in heutiger Zeit:
Weizen 160 - 220 kg / ha
Gerste mz. 140 - 170 kg / ha
Gerste zz. 160 - 200 kg / ha
Roggen 140 - 160 kg / ha
Triticale 140 - 160 kg / ha
Hafer 150 - 170 kg / ha

2. Spezifisches Gewicht Getreide:
Hafer 45 - 54 kg / 100 L
Gerste 57 - 67 kg / 100 L
Roggen 58 - 77 kg / 100 L
Weizen 62 - 87 kg / 100 L

3. Bestimmung der Feldfläche:
12 Scheffel = d.h. 12 Schfl. Aussaatmenge Getreide
1 Scheffel = ca. 100 Liter = 1200 L = 840 kg gesamte Aussaatmenge (bei Ø = 70 kg/hl)

Bei einer durchschnittlichen Aussaatmenge von 170 kg/ha und einem durchschnittlichen spezifischen Getreidegewicht von 70 kg/hl ergibt sich nach heutigen Werten folgende Hektargröße:
70 kg/hl x 1200 l = 840 kg : 170 kg/ha = 4,94 ha

4. Bauerngutgröße in der Regel bei der 2. deutschen Besiedlungswelle in Thüringen:
1 Hufe = 6 bis 8 ha
In einer Hufe enthalten ist die Hofraite, der Obst- u. Gemüsegarten, die Feld-, Wiesen- u. Wegeflächen, oftmals auch eine Waldfläche, ein Teich etc.

Wolfgang Schuster, Triptis - Oberpöllnitz, 11/2016