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Ein Bericht aus dem Jahr 1735 von Schulmeister Andreas Kayser: Das Schulhaus ist zweistöckig gebaut mit einem Spitzboden und kleinem Keller. Im oberen Geschoss befindet sich die Lehrerwohnung. Der Raum hinter dem Kachelofen, genannt die „Hölle“, ist der Strafwinkel. Abseits der Schule befindet sich ein kleiner Stall und Aborte für die Kinder. Die Schule wie überhaupt das ganze Dorf hat keinen Brunnen. Das Wasser muss von den Bauern in Butten vom „Dorfborn“ in der „Jüdengasse“ geholt werden. Die Schulkinder suchen in den Pausen oft das Hempel´sche Gut heim und trinken öfters die Wassergefäße leer. Die Schülerzahl ist eine hohe, denn es kommen die Kinder von Ober-, Stein-, Buch-, Mühl- u. Mittelpöllnitz sowie von Geheege und Geroda zur Schule. Teilweise beträgt die Kinderzahl 60 bis 80. Wie hat für diese hohe Kinderzahl die verhältnismäßig kleine Schule ausgereicht? Die Schüler werden in zwei Abteilungen unterrichtet. Es ist ja kaum einmal eine Klasse vollzählig. Immer wieder gibt es große Schülerversäumnisse. 1721 verlangte das Konsistorium in Leipzig u. a. auch die Auskunft darüber, wie sich die Pfarrer anderer Kirchen und die Schuldiener in ihrem Amt und in ihrem übrigen Lebenswandel verhalten. Der damalige Pfarrer hat daraufhin berichtet: „Was mein und meines Schulmeisters Leben anbelangt, so werden wir unser Amt nach unserem Vermögen verrichten, Gott zum Wohl. Es wäre nur zu wünschen, dass die Eltern ihre Kinder fleißiger in die Kirche und Schule schicken würden, als es leider geschieht. Manches Kind kommt nicht einmal 6 Wochen im Jahr in Schule. Die Schulversäumnisse fallen hauptsächlich in das Sommerhalbjahr und haben ihren Grund darin, dass die Eltern ihre Kinder vermieten, d.h. sie müssen arbeiten gehen.“
Inventar der Schulstube: 2 Schultafeln; 5 Schulbänke; ein guter Ofen mit eiserner Blase und einer Röhre; ein kleines u. großes Fenster jeweils mit Zumachladen; Bänke um die ganze Stube, auch um den Ofen; 1 Topf mit Abstellbrett; 1 gespendete Tür mit Schloss
An das Haus ist von oben her ein Baumgarten angeschlossen. Hier stehen Pflaumenbäume, auch ein Birnbaum und etliche Apfelbäume. Und es steht der Backofen in diesem Garten. Auf der anderen Seite ist ein Gemüsegarten angelegt in dem allerhand Küchenkräuter angepflanzt werden. In dem Hof ist ein Tor mit einer Tür. Der Schulmeister muss auf seine eigenen Kosten den Zaun um alle Gärten erhalten. Auch den Zaun um den unteren Friedhof in Steinpöllnitz, weil er dort die Gräserung nutzen darf.
(W.Sch: Jüdengasse – jetzt Pöllnitzweg // Dorfborn – gefasster Quellenausgang zwischen den ehemaligen Bauernhöfen Hänse u. Jäger. Jetzt steht hier das von Jäger 1907 errichtete Wohnhaus.)
Verkauf der alten Schule 1854
Nachdem das neue Schulhaus im Sommer 1853 bezogen war, wurde die alte Schule verkauft. Schon im Sommer 1853 wurde um die Erlaubnis gebeten, die alte Schule demnächst meistbietend verkaufen zu dürfen. Am 22.01.1854 wurden die Verkaufsbedingungen aufgestellt. Sie lauteten:
1. Der Schulvorstand behält sich unter den Bietenden die Auswahl vor und entscheidet nach Stimmenmehrheit.
2. Zum Verkauf kommt die alte Schule in dem Zustand, in dem sie sich gegenwärtig befindet. Dazu der anliegende Garten, wie dieser im Grundbuch und in der Flurkarte verzeichnet ist. Angeblich soll das Ganze zur Schule gehörende Areal die Größe von ¼ Weimarischen Acker betragen. Doch gibt es für diese Angabe keine Garantie.
(¼ Weimarischer Acker = 712,50 qm bzw. 7,125 ar)
3. Die Schule mit dem dazugehörenden Grundstück wird lehns- u. zinsfrei verkauft. Die Kosten der Übereignung und die eventuellen Kosten an die Steuerrevision bei Feststellung der Landessteuer, hat der Käufer allein zu tragen.
4. Der Käufer hat sofort nach dem Zuschlag den 10. Teil der Kaufsumme einzuzahlen. Die Hälfte der verbleibenden Rest-Kaufsumme hat der Käufer 6 Wochen, die andere halbe Restsumme 12 Wochen, vom Tage des Verkaufs an gerechnet, in groben Silbermünzen oder in guten Kassenscheinen zu bezahlen.
5. Der Verkaufstermin beginnt am 16.02.1854, vormittags 10.00 Uhr. Der Zuschlag erfolgt nachmittags nach 13.oo Uhr, nachdem der Schulvorstand darüber einen Beschluss gefasst hat. Kein Gebot darf unter 5 Reichstaler liegen. Der Verkauf der alten Schule erfolgt in der Schänke von Oberpöllnitz an den Meistbietenden.
6. Jeder Bieter ist an sein Kaufgebot gebunden, solange der Zuschlag noch nicht erfolgt ist.
7. Sollte der Käufer von der Gemeinde Oberpöllnitz als Gemeindebürger oder Angehöriger nicht aufgenommen werden, so hat derjenige die aus dem wiederholten Verkauf entstehenden Kosten allein zu tragen.
Der Verkauf ist bekannt zu machen in der Weimarischen Zeitung, im Kreisboten und durch Anschläge. Der Verkauf der alten Schule fand wie geplant am 16.2.1854 statt. Von nachfolgend genannten Bürgern wurden umfangreiche Angebote abgegeben: Gottfried Biehl 300,- Rth. // Karl Daßler 305,- Rth. // Gottfried Biehl 315,- Rth. // Ernst Ludewig aus Rosendorf 320,- Rth. // Gottfried Biehl 325,- Rth. // Ernst Ludewig 330,- Rth. // Gottfried Biehl 335,- Rth. // Ernst Ludewig 340,- Rth. // Gottfried Biehl 350,- Rth.
Um 13.30 Uhr wurde die Verkaufsaktion beendet. Dann entschied der Schulvorstand wie folgt: Die alte Schule einschließlich des anliegenden Gartens erhält Gottfried Biehl, da er das höchste Gebot von 350,- Rth. abgegeben hat. Wie der Schulvorstand so akzeptierte auch der Käufer Gottfried Biehl aus Oberpöllnitz den Kauf und erklärte ausdrücklich, den aufgestellten Kaufbedingungen pünktlich nachzukommen. Daraufhin entschied der Schulvorstand unter vorliegenden Umständen von der 10 % Anzahlung der Kaufsumme abzusehen und setzte dem Käufer einen Zahlungstermin von 3 Monaten.
Das Schulhaus wurde später vom Käufer abgerissen und das gesamte Grundstück in einen Garten umgewandelt.
(W.Sch: Ich habe den Garten noch gekannt, denn er wurde erst 1992 bei Baumaßnahmen beseitigt.)
Quelle: Schulchronik von 1923 des Lehrers Karl Otto Wolf

Wolfgang Schuster Triptis/Oberpöllnitz 3/2022

Die "Alte Schule" im Grundriss gezeichnet von einem alten Mann nach seinen Kinds-Erinnerungen. Im Vergleich zur vorhergehenden Beschreibung aus dem Jahr 1735 aber wahrscheinlich schon weiter "modernisiert". Es ist in heutiger Zeit kaum noch zu verstehen, wie es möglich war, dass 1 Lehrer z.B. 1850 ca. 80 Kinder unterrichten konnte. Weshalb ja dann 1853 ein neues Schulhaus errichtet wurde.

Zur Orientierung hinsichtlich der Lage dieser "Alten Schule" hier der Ortsplan Oberpöllnitz um 1815.