website security

Sie sind hier: Persönlichkeiten derer von Pöllnitz
Zurück zu: Startseite
Weiter zu: Bernhard von Pölnitz Carl Ludwig von Pöllnitz Hans Georg von Pölnitz
Allgemein:

Suchen nach:

Historisch besonders bekannt gewordene Personen

Das uralte, thüringisch-vogtländische Adelsgeschlecht derer von Pöllnitz

Das zum Uradel gehörige Geschlecht von Pöllnitz wurde erstmals im Jahre 1238 urkundlich erwähnt. Allerdings gibt es in den Urkundenbüchern der Vögte von Weida 1230 die Angabe, dass die "Rothenmühle" zu Weida den Herren de Polnicz gehörte. Als ihre Stammsitze geben sie in der 1745 in Leipzig erschienenen, umfangreichen Familiengeschichte die Ortschaften Nieder-, Mittel- und Oberpöllnitz (mit Buch-, Stein- und Mühlpöllnitz) nahe der ostthüringischen Kleinstadt Triptis an. Die Senke zwischen Triptis und Weida wurde sogar in alten Aufzeichnungen „die Pölnitz" genannt, vom slaw. polnica = Feld, Acker. So ist auch zu vermuten, dass die Namen der Pöllnitzdörfer sich ableiten vom Pöllnitzbach, der diese Senke durchfließt. (slaw. *Pol´nica = Feldbach)
(Slawisch *pol' e / oso. polo / nso. pólo / po. pole = Feld/Acker, möglich aber auch Pohle = Bach im offenen Gelände.)
In Oberpöllnitz, heute Stadtteil von Triptis/Thür., befindet sich das mit Mitteln der Denkmalpflege erhaltene und nach 1990 teilsanierte Rundschloss. Dieses nicht nur für Thüringen seltene Bauwerk in Rundform ist der einzige, heute noch erhaltene Stammsitz dieses bedeutenden Adelsgeschlechtes. In Niederpöllnitz sind noch Reste der ehemaligen Anlage erhalten. Schöne Wappendarstellungen befinden sich in der sehenswerten Kirche von Dreitzsch, zwischen Neustadt a.d. Orla und Triptis gelegen.
Bis zum 17. Jahrhundert ist das Geschlecht auf den ehemaligen Stammsitzen anzutreffen. In Oberpöllnitz bis 1721. Bald haben die von Pöllnitz Besitzungen in über 20 Ortschaften der Umgebung. Sie zählen mit zu den am weitesten verbreiteten Geschlechtern Deutschlands, sind 1692 auch in Klausenburg/Ungarn (heute Cluj/Rumänien), später auch in den USA anzutreffen. In Deutschland sind sie in Franken, Preußen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Rheinland nachweisbar.
Ein Hans Bruno, Herr auf Schwarzbach und Wetzdorf, geb. 1535-1592 in Schwarzbach begraben, war fürstbischöflich bambergischer Oberamtmann zu Kupferberg. Durch ihn und seinem Bruder Pancratz II. wurde das Geschlecht im fränkischen Bayern ansässig. Es gründeten sich die Linien Aschbach und Heinersgrün, mit den Häusern Crailsheim, Frankenberg und Altenkirchen. In den Jahren 1812-1814 wurden alle in Bayern ansässigen Linien in den Reichfreiherrenstand erhoben.
Sein Sohn Hans Georg v. Pöllnitz (1577-1622), Herr auf Schwarzbach, Oberpöllnitz, Lichtenberg? und Göhrenstein? und Stammvater der Aschbacher Linie sowie Begründer der Lichtenberger Linie ä. G., war kursächsischer Minister und Gesandter auf dem Fürstentag zu Regensburg. Hier wurde er am 25.12.1622 von seinem Diener Peter Plau mit einem Messer ermordet. Hans Georg wohnte zeitweilig nach dem Schlossumbau 1614/15 auch in Oberpöllnitz. Diese feige Tat erregte damals ungeheures Aufsehen. Merian nahm dieses Ereignis in sein berühmtes Geschichtswerk „Theatrum Europium" auf. Diese 21-bändige, umfangreiche und genaue Chronik der Zeitgeschichte ist so bedeutend, weil sie Merian mit seinen berühmten Kupferstichen illustrierte. Merian berichtet uns weiter, dass der Mörder Plau für seinen feigen Mord im Januar 1623 mit dem Schwert gerichtet wurde. Die Hand, die den Mord ausführte und der Kopf, der den Mord ersann, wurden auf dem mittleren Brückenturm der Steinernen Brücke aufgespießt und für die Öffentlichkeit zur Abschreckung ausgestellt.
Sein Sohn, Gerhardt Bernhard Freiherr v. Pöllnitz (1617-1676), Herr auf Reichau (Ostpreußen), Buch, Karow u. Birkholz (b. Berlin), war mit Eleonore v. Nassau vermählt. Sie war die Tochter des Prinzen Moritz, des Statthalters der Niederlande. Außerdem war sie eine nahe Verwandte der Gemahlin des Großen Kurfürsten von Brandenburg. Gerhardt Bernhard war Oberst, kurfürstlich brandenburgischer Geheimer Kriegsrat und wurde zum Gouverneur von Berlin ernannt. Er ist in der Kirchengruft zu Berlin-Buch beigesetzt. Mit einer Urkunde vom 9.02.1670 erhob der habsburgische Kaiser Leopoldt I. die Brüder Gerhardt Bernhard und Hieronymus Christoph v. Pöllnitz und ihre Nachkommen in den Reichsfreiherrenstand. Das Diplom wurde am 14.02.1676 für sie und nachträglich für den Vater in Kurbrandenburg bestätigt. Der Freiherr Gerhardt Bernhard und seine Gattin Eleonore sind die Großeltern des später berühmten Schriftstellers und Höflings Carl Ludwig Baron v. Pöllnitz (1691-1775). Dessen früh verstorbener Vater, Wilhelm Ludwig, war Oberst in preußischen Diensten. Carl Ludwig war ein unterhaltsamer Plauderer an bedeutenden Höfen, beschrieb die Zustände am prächtigsten Hof des Barock, am Dresdener und Krakauer Hof August des Starken. In Berlin war er Mitglied des berühmten "Tabakskollegiums" des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I., auch auf Menzels berühmten Gemälde später mit dargestellt. Unter des Königs Sohn, dem späteren Preußenkönig Friedrich II. der Große, wurde er Oberzeremonienmeister. Sein bekanntestes Werk wurde „Das galante Sachsen“, dessen erste Ausgabe in Französisch 1734 anonym in Amsterdam zum ersten Mal erschienen war. Schon 1735 kam die viel gelesene deutsche Ausgabe in Offenbach/Main auf den Büchermarkt. 1737 folgte dann eine weitere Auflage. Danach folgten unzählige Neuauflagen bis in unsere heutige Zeit.
Neben den Linien der Stammsitze war eine bedeutende Linie in Dreitzsch im Orlatal ansässig geworden. Ehrenfried (1577-1627), ein Sohn von Hans Bruno oben, Herr auf Dreitzsch und Heinersgrün, war mit Anna Maria geb. v. Brandenstein vermählt. Sie war die Tochter des einflussreichen Reichsgrafen v. Brandenstein, der in kaiserlichen Diensten stand. Ein Sohn des Ehrenfried, Johann Bruno (1626-1698), Herr auf Dreitzsch, Moderwitz, Renthendorf etc., war Oberrichter und Hofrat in Jena.
Als Klostervorsteher im Kloster Lausnitz (heute Klosterlausnitz) wird 1518 ebenfalls ein Hans v. Pöllnitz genannt. Eine große Anzahl von Gelehrten, Diplomaten, Feldherren und auch kirchliche Würdenträger brachte dieses bedeutende Geschlecht hervor, so dass sich die Aufzählungen beliebig erweitern ließen.
Auch bei geschichtlichen Ereignissen werden die von Pöllnitz genannt. lm Jahre 1430 zog ein Hans v. Pöllnitz mit 20 Getreuen der Stadt Plauen zu Hilfe, die unter den Hussiteneinfällen schwer zu leiden hatte. Hans v. Pöllnitz und seine 20 Mitstreiter fanden dabei im mutigen Nahkampf den Tod.

Eberhard Hetzer (gest. 10/09), Triptis 12/2004
Ergänzt von Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 1/2005 - akt. 4/2017

Quellen:
- Familiengeschichte des Geschlechts, Leipzig 1745
- „Theatrum Europäum“ Frankfurt / Main
- Chronik der Stadt Plauen, Nachdruck 1993
- Gothaer Genealogische Jahrbücher, Freiherrliche Häuser und Uradel 1850 - 1919
- Verschiedene alte Chroniken u. Stammtafelausgaben

Detaillierte Informationen zu weiteren Pöllnitz-Personen, siehe Bezug nehmende Unterordner bzw den Hauptordner "Episoden in Pöllnitz-Familien"!