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Pachtanschlag des Rittergutes Oberpöllnitz - ca. 1770
Mögliche Einnahmen/Ausgaben:
500 Taler von 10 Hufen Weizen- und Gerstenfeld, jede Hufe à 50 Taler (1 Hufe = ca 8 ha)
400 Taler von 10 Hufen Korn- und Haferfeld, jede Hufe à 40 Taler
245 Taler von Pferde- und Handfrondiensten, die die Untertanen jährlich zu leisten schuldig sind. Ganz leidlich (einigermaßen gut) angeschlagen. Es bekommen die Fröner weiter nichts, jedoch Kofent (Dünnbier) und zuzüglich jährlich 8 Scheffel Korn u. 8 Scheffel Gerste. (1 Schfl. = 103 L / Dresdener Maaß)
100 Taler von dem großen Dorfgarten, von der Gräserei in dem neu angelegten Schlossgarten und von dem Garten hinter dem Schäfereistall.
180 Taler von fixen Getreide- und Geldzinsen. Es ist das Getreide mit 1 Scheffel Dresdener Maaß gerechnet: Weizen à 2 Taler; Korn à 1 Taler + 12 Groschen; Hafer à 21 Groschen
1425 Taler Summe

1425 Taler Übertrag
300 Taler von etlichen 30 brauchbaren Teichen, doch könnten sie auch höheren Nutzen bringen.
245 Taler von den beiden Kalk- und Ziegelofen, nach Abzug aller Unkosten
50 Taler von der Brau- und Ausschanknutzung
200 Taler von der Schäfereinutzung. In Ansehung deren schönen Triften und vielen Heu u. Grummetwiesen, können jährlich über 100 und mehr Fuder Heu und ein guter Anteil Grummet geerntet werden. Künftig dürften höhere Erträge erreichbar sein. (1 gutes Fuder = 10 - 12 Zentner)
125 Taler von 25 melkenden Kühen, à 5 Taler inklusive des Kalbes
30 Taler von der Gelte-Vieh Nutzung (trocken stehende, nicht tragende Tiere)
30 Taler von der gesamten Schweinevieh Nutzung
12 Taler von der Federvieh Nutzung
2417 Taler Gesamt

45 Taler an Dezem, ist dem Pfarrer zu Oberpöllnitz von gewissen Äckern bei der Ernte sogleich vom Feld weg zu entrichten. Auch bei einem schlechten Jahr pflegt man so viel zu entrichten.
9 Taler an den Oberpöllnitzer Schulmeister jährlich für 6 Scheffel Korn, à 1 Taler + 12 Groschen
1 Taler + 3 Groschen an den Hirte für 3 Viertel Korn sowie 18 Groschen für 3 Viertel Gerste (1 Scheffel = 103 L = 4 Viertel)
55 Taler + 21 Groschen
Diese 55 Taler + 21 Groschen von den 2417 Talern, sowie die übrigen Kosten die bei den Einnahmen bereits kalkuliert wurden, werden abgezogen und es verbleiben im Bestand:
2361 Taler + 3 Groschen Istsumme

Notiz:
Dem Pächter soll die freie Wohnung unten im Schloss für sich und die Seinen eingeräumt werden. Desgleichen soll er zur Feuerung 60 Feder Reisigholz und 30 Klafter Scheitholz erhalten. (100 Feder = 4 Büschel = 1 Bund // 1 Klafter = ca. 3 - 3,5 rm)
Zuzüglich nicht weniger als 12 Stück Hasen. Das als ein Deputat, das der Pächter alljährlich bekommen soll. Und überhaupt wird bei dieser Pachtung nicht mehr als 2000 Taler bare Kaution mit Versicherung verlangt.
Dagegen reserviert sich der Eigentümerherr die Ober- und Erbgerichte, samt deren Fructibus (Einnahmen). Desgleichen die gänzliche Forsthoheit und andere Jagd-Nutzungen. Dazu nicht weniger alljährlich ein tüchtiges Fuder Heu, samt der benötigten Scheune und Stroh für die Pferde, so oft er oder die Seinen auf das Gut kommen. Es bleibt auch künftig das Güterwesen und alles Übrige von der Pachtung ausgenommen, das in diesem Pachtanschlag namentlich nicht mit enthalten ist.

Ferner soll zu dieser Pachtung das Rittergut Mittelpöllnitz geschlagen werden, dessen Nutzungen wie folgt bestehen:
200 Taler von 4 Hufen Land, Weizen u. Gerstenfelder, à 50 Taler
120 Taler von 3 Hufen Korn- u. Haferfeld, à 40 Taler
16 Taler von Mietzins
15 Taler + 19 Groschen an Erbzins u. von Zinsbauern-Stücken (Grundstücken)
6 Taler + 3 Groschen an Diensten, die teils mit Geld bezahlt u. teils in Natura verrichtet werden
10 Taler von den beiden großen Gartenflecken, die sich auf beiden Seiten des Hofes befinden
81 Taler von 27 Frohnfuder Heu, à 3 Taler (1 Frohnfuder = 5-6 Zentner // 1 gutes Fuder = 10-12)
18 Taler von 9 Frohnfuder Grummet, à 2 Taler
20 Taler von 3 besonders nutzbaren Teichen
486 Taler + 22 Groschen

Es beträgt demnach das Pachtquantum von den beiden Gütern Ober- u. Mittelpöllnitz in Summa Summarum:
2848 Taler + 1 Groschen
Davon sind:
2361 Taler + 3 Groschen von Oberpöllnitz
486 Taler + 22 Groschen von Mittelpöllnitz

Anmerkung W. Sch.:
Die vorliegenden Aktenseiten sind vermutlich Fragmente einer normalerweise umfangreicheren Pachtausschreibung. Im vorliegenden Fall ist auch keine Jahreszahl, keine Unterschrift oder Angebotsadresse angegeben. Vermutlich bezieht sich der Pachtanschlag auf die Zeit 1760/75. Trotzdem finde ich die Aufstellung interessant genug für eine Veröffentlichung, da sich ein gewisser Überblick über die hiesige Ritterguts-Ökonomie Ende des 18. Jahrhunderts ergibt. Einen Pachtvertrag mit Taxierung des Feld- u. Viehbestandes besitze ich für das Jahr 1722. Diesen habe ich im Dez. 2017 auf meiner Homepage bereits veröffentlicht. Es zeigt sich gegenüber der Taxe von 1722 eine Erholung der Agrarökonomie und des Tierbestandes. Die vorhandene Adelsschäferei auf dem Vorwerk Geheege gehörte als selbstständige Pachteinheit nicht mit zum Angebot. Die hier für Oberpöllnitz aufgeführte Schäfereinutzung bezieht sich auf den im RG-Bereich befindlichen Schafstall.

Ich danke dem Sächsischen Staatsarchiv Chemnitz für die Bereitstellung dieser Akte 30725/336.
Übertragung der alten Kurrentschrift und größtenteils modernisiert wiedergegeben.
Wolfgang Schuster, Triptis/Oberpöllnitz 1/2018